Rezension: DS9 – „Ein Stich zur rechten Zeit“

Ich habe beschlossen, im Blog nun nicht mehr allein meine Projekte näher zu beschreiben, sondern auch Rezensionen zu anderen Romanen zu veröffentlichen. Vorwiegend wird es sich um Rezensionen zu professionellen Star Trek-Romane handeln, die bei den Verlagen Heyne, Goldmann, Pocket Books und Cross Cult erschienen sind, aber hin und wieder lese ich natürlich auch Romane, die nichts mit Star Trek zu tun haben. 😉

Die Qual der Wahl: Mit welchem Roman fange ich an? Ich will nicht gleich mit einem anfangen, der mitten aus einer längeren, zusammenhängen Reihe herausgerissen wäre. Also eher ein Stand-alone-Roman und wenn möglich soll es natürlich ein guter sein. Und so entschied ich mich für „Ein Stich zur rechten Zeit“, ein Roman aus der Reihe „Deep Space Nine“, der zwar nach dem Serienfinale angesiedelt ist, aber nicht direkt zum Relaunch der Serie gehört.

Viel Spaß beim Lesen der ersten Rezension!

Normalerweise mag ich Romane, die in Ich-Form verfasst sind, nicht unbedingt. Habe da auch schon ziemlich schwer lesbare Exemplare in Händen gehalten. Bei „Ein Stich zur rechten Zeit“ war die Wahl der Ich-Erzählung aber perfekt, schreibt uns hier doch Garak persönlich – Darsteller Andrew J. Robinson – einen Brief. Und wenn einer den Ton Garaks hervorragend trifft, dann doch wohl jener Schauspieler, der diesen tollen, vielschichtigen und stets geheimnisvollen Charakter 7 Jahre lang in der TV-Serie „Deep Space Nine“ verkörpert hat. Robinson trifft in diesem in Briefform verfassten Roman den Tonfall Garaks ganz vorzüglich, bringt die dem Charakter eigene Eloquenz hervorragend rüber. An dieser Stelle auch ein Kompliment an die Übersetzerin, die den Ton Garaks auch in der deutschen Version von Cross Cult hervorragend trifft.

Ich hatte anfangs etwas Sorgen, dass es in dem Buch nur um das „Nachkriegs-Cardassia“ gehen würde und der ganze Roman durchgehend recht depressiv und schwermütig sein würde. Aber glücklicherweise geht der Roman weit darüber hinaus und widmet sich von Anfang an dem Werdegang von Elim Garak, was sich sehr spannend und interessant liest. Wie selbstverständlich werden die besonderen cardassianischen Tugenden und Weltanschauungen eingebaut. So etwas kommt selten vor. Meistens, wenn man über nicht-menschlichen Spezies im Star Trek-Universum liest, verhalten sich diese ähnlich motiviert wie Menschen. In „Ein Stich zur rechten Zeit“ wird aber auch stark auf die typisch cardassianische Ideologie eingegangen und welche Art Staat und System diese Ideologie ermöglichte bzw. aufrecht erhielt.

Von den drei verschiedenen Ebenen gefällt mir jedenfalls Garaks Vergangenheit vor seinem Exil auf DS9 am besten. Man sieht schon, durch welchen Ereignissen sich der Charakter, den man in der Serie kennengelernt hat, geformt wurde. Als ehemaliger Spion hat er natürlich in der Serie selten über seine früheren Einsätze gesprochen, weswegen Robinson große Freiheit dabei hatte. Aber mir gefiel, dass man der in der Serie tatsächlich erwähnten Mission auf Romulus auch recht viel Platz einräumte. Die Sache mit Dukats Vater war aber wiederum etwas knapp bemessen, dafür gefiel mir dann, wie er ins Exil geschickt wurde. Allerdings werfen die Umstände dieser Verbannung die Frage auf, warum Enabran Tain in der Folge „Der geheimnisvolle Garak“ diese einem angeblichen Verrat rechtfertigt. Ich sah da nicht wirklich einen Verrat, zumal Tain gar nicht mehr Chef des Obsidianischen Ordens war, als Garak ins Exil geschickt wurde.

Die später angesiedelte Handlung auf DS9, ca. beginnend knapp vor dem Finale von Staffel 6 und in den folgenden Monaten durch Staffel 7, war wohl der schwächste Teil der Geschichte. Es war schon offensichtlich, welche Absichten Remara hatte und die Geschichte war eigentlich nicht mehr, als eine Möglichkeit, Garak nochmals als den „Guten“ hervorzuheben.

Der Thematisierung des Nachkriegs-Cardassias wurde überraschenderweise eigentlich recht wenig Platz eingeräumt, was mich aber nicht störte. Die interessantesten Aspekte dieser Situation sind behandelt worden und – wie zuvor schon erwähnt – bin ich dankbar, dass Robinson auf zu viel Sentimentalität verzichtet. Er hat da ein gutes Maß gefunden. Wobei ich am Ende seinen Aufmarsch von fast allen in TNG und DS9 gesehenen Cardassianer etwas dick aufgetragen fand. Bereits zuvor war es etwas ungewöhnlich, dass Garak in seinem späteren Leben anscheinend über fast jeden seiner früheren Schulkameraden gestolpert ist.

Ein paar weitere kleine Unstimmigkeiten mischen sich manchmal hinein. So kann es eigentlich nicht sein, dass Garak als Jugendlicher in Bamarren das Barzan-Wurmloch studierte. Und für eine alte Shuttle-Klasse hätte man wohl auch einen besseren Namen als „Galor-Klasse“ finden können.

Dennoch ein außergewöhnliches, biographisches Buch, das mich Garak vermissen lässt. „Ein Stich zur rechten Zeit“ ist ein wirkliche toller Roman, inhaltlich interessant und stilistisch aus der Masse der Star Trek-Romane herausragend und verdient sich trotz kleinerer Mängel die Höchstnote: 6 von 6 Sterne!

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