Rezension: DS9 – „Millennium“

Nicht nur Stieg Larsson schrieb eine „Millennium-Trilogie“. Auch Judith und Garfield Reeves-Stevens haben bereits im Jahr 2000 drei „Deep Space Nine“-Romane unter dem Reihentitel „Millennium“ herausgebracht, die 2002 von Pocket Books in einem Sammelband herausgegeben worden sind.

Vorab oute ich mich ganz offen als großer Fan des Stils des Autorepaars Reeves-Stevens. Die beiden schreiben halt echte Blockbuster, das Erzähltempo ist konstant hoch, die Handlung ist voller überraschender Wendungen und ihre Geschichten nehmen oft epische Ausmaße an. Und das trifft auch voll und ganz auf „Millennium“ zu.

Wie „Ein Stich zur rechten Zeit“ ist auch diese Trilogie nach Abschluss der TV-Serie entstanden, gehört aber ebenfalls nicht zu den offiziellen Relaunch-Romanen, obwohl zumindest die Rahmenhandlung nach Siskos Übertritt zu den Propheten angesiedelt ist. Es geht in der Rahmenhandlung darum, dass „Der Sisko“ den nicht-linear lebenden Propheten anhand von Geschehnissen, die sich kurz vor dem Finale der 6. Serienstaffel ereignete, die Möglichkeit unterschiedlicher Zeitlinien erörtert. Wenn man so möchte, kann man hier schon bemängeln, dass dem Leser recht bald – spätestens mit dem 2. Buch der Trilogie – klar wird, dass die Ereignisse dieses Romans wieder von unseren Helden korrigiert werden.

PC-Spiel "The Fallen"

Man liest häufig, dass das ebenfalls Ende 2000 erschienene PC-Spiel „The Fallen“ auf dieser Roman-Trilogie basieren soll. Das tut das Spiel allerdings wirklich nur rudimentär. Die größten Ähnlichkeiten hat es noch mit dem 1. Buch namens „The Fall of Terok Nor„. Dieser Roman beginnt mit der Erzählung der letzten Stunden der cardassianischen Herrschaft über Bajor und die Aufgabe der Raumstation im Orbit, wobei Quark beinahe sein Leben verloren hätte und in einem Geheimlabor ein Experiment der Cardassianer schief geht. In der Gegenwart (also gegen Ende der 6. Serienstaffel) beginnt hingegen eine Art Schatzsuche nach drei bislang unbekannten roten Drehkörper, die alle möglichen zwielichtigen Gestalten nach Deep Space Nine lockt. Unter ihnen auch Vash (siehe TNG-Folge „Picard macht Urlaub“).

Der erste Roman endet damit, dass die drei roten Drehkörper unbeabsichtigt zusammengebracht werden und in ihrer Wechselwirkung untereinander einen zweiten Himmlischen Tempel für die Pah-Geister erschaffen und diese aus den Feuerhöhlen befreit werden. Durch die Entstehung des Wurmlochs wird die Station vernichtet und die Defiant während des Fluchtversuchs beschädigt und unbeabsichtigt ein paar Jahrzehnte in die Zukunft transferiert, wo ein Krieg herrscht zwischen dem, was von der Föderation noch übrig ist, und der bajoranischen „Ascendancy“ unter der Führung von – haltet euch gut fest – Kai Weyoun! Überraschung! Und irgendwie auch keine, denn im Laufe des zweiten Buchs „The War of the Prophets“ erfährt der Leser, dass ausgehend von Bajor die Pah-Geister eine Art klerikales Imperium erschaffen haben, zu der alle mögliche Spezies gehören. Dazu kam noch, dass das neue Wurmloch der Pah-Geister nicht in den Gamma-Quadranten führte, sondern in einen fernen Winkel der Galaxis, der Heimat der hochentwickelten Grigari. Diese wurden zum militärischen Arm der Ascendancy und bewiesen ihre Macht in der Unterwerfung des klingonischen Imperiums und der Ausrottung der irdischen Bevölkerung. Die Föderation – unter der Führung eines bereits an Senilität leidenden Admiral Picard – existiert nur noch auf dem Mars, ihre letzte Bastion.

Keine allzu rosigen Aussichten. Aber zum Glück gibt es ja noch Buch 3 namens „Inferno„, das unseren Helden die Möglichkeit bietet, alles wieder gerade zu rücken. Nach dem sehr stimmungsvollen und wie eine klassische Abenteuergeschichte aufgebauten 1. Buch, war das 2. Buch selbst für meinen Geschmack schon etwas zu stark mit Crossovern überladen und die düstere Situation in dieser Zukunftsversion schon recht stark überzeichnet. Aber „Millennium“ ist nicht die erste Trilogie, die einen starken Beginn und ein starkes Finale mit einem etwas schwächeren Mittelteil bezahlen muss. Und „Inferno“ ist tatsächlich wieder sehr stark geworden. Man könnte das Finale wohl am besten als „Wettlauf gegen die Zeit quer durch sich überlappende Zeitebene“ beschreiben. Der Roman fordert schon ein gewisses Maß an Konzentration vom Leser. Die Belohnung ist eine wirklich spannende und wendungsreiche Geschichte, in der die Reeves-Stevens wieder einmal ihre Stärken ausspielen konnten und – in ihrem bisher einzigen Ausflug ins DS9-Univerum – die Charaktere sehr gut getroffen haben. Allen voran natürlich Quark und Odo. 😀

Die Bewertungen für die einzelnen Bücher der Trilogie sehen so aus:

#1 „The Fall of Terok Nor“ = 6******
#2 „The War of the Prophets“ = 3 ***
#3 „Inferno“ = 5 *****

Da diese Romanreihe aber eindeutig mehr als nur die Summe ihrer Teile ist, vergebe ich für die gesamte Trilogie 5 von 6 Sterne! Wer den Stil der Reeves-Stevens mag, sollte sich diese Bücher nicht entgehen lassen.

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