Rezension: DS9 – „Portale: Dämonen der Luft und Finsternis“

Ein wenig sonderbar ist bei diesem Roman ist bereits das Cover-Layout. Genauso wie „Der Abgrund“ gehört nämlich auch der 4. DS9-Relaunch-Roman „Dämonen der Luft und Finsternis“ zu einer serienübergreifenden Buchreihe namens „Gateways“ bzw. zu Deutsch „Portale“. Im Gegensatz zu „Der Abgrund“ findet sich seltsamerweise der Titelvorsatz „Portale“ aber nicht auf dem Cover, sondern erst auf der Titel-Innenseite. Das könnte einerseits etwas seltsam werden, wenn sich Cross Cult irgendwann dazu entscheiden sollte, auch die restlichen „Gateways“-Romane zu veröffentlichen. Anderseits ist das Verschweigen des „Reihen-Titels“ auch etwas merkwürdig in Hinsicht auf die serienübergreifende Double-Helix-Reihe von Cross Cult, die beim Verlag einen höheren Status einzunehmen scheint.

Okay, das war mal eine Beobachtung zum Cover. Aber hiervon ableiten kann ich auch gleich den ersten Eindruck des Romans: Denn schon ziemlich früh wird klar, dass „Dämonen der Luft und Finsternis“ nur ein Teil (der vierte um genau zu sein) einer „DS9-fremden“ Reihe ist. Was bislang im DS9-Relaunch geschah, spielt kaum eine Rolle, es geht anfangs direkt los mit dem Chaos, das die iconischen Portale verursachen. Dabei fällt auf, dass die Offiziere, die sich am Beginn versammeln, sich angesichts dieses Szenarios relativ gefasst geben und auch die Nachricht, dass lebende Iconianer aufgetaucht sind, die ihre Technologie verscherbeln wollen, keine große Überraschung zu sein scheint. Zwar wird auch auf die gefundenen Gateways in den TV-Folgen von TNG und DS9 eingegangen, aber eben auch auf noch frühere Begegnungen, die wohl in den vorangegangenen „Gateways“-Romane thematisiert wurden.

Keith R.A. DeCandido ist in den letzten paar Jahren vor allem durch die sehr politischen Romane „Gesetze der Föderation“ und „Einzelschicksale“ aufgefallen, verfasste aber auch den „Second Decade“-TNG-Roman „Quintessenz“. Und eigentlich schlägt auch „Dämonen“ in diese Kerbe, denn wie in „Quintessenz“ thematisiert DeCandido gleich mal ein Galaxis-weites Phänomen, das Chaos stiftet und Gefahr erzeugt, diesmal jedoch auch heißbegehrt ist. So verhandelt für die Iconianer Quarks Cousin Gaila und für das Orion-Syndikat Quark persönlich über die exklusiven Nutzungsrechte der Portale. (Warum eine so mächtige Organisation auf Quark zurückgreifen muss, ist mir aber unklar. Das Syndikat sollten jede Menge erfahrene Verhandlungsführer in ihren Reihen haben, zumal sie ein paar Jahre vorher Quarks Mitgliedschaft noch abgelehnt hatten.) Aber Verwandtschaftsverhältnisse prägen allgemein die Nebenhandlungen des Romans. So treffen wir Gul Dukats Cousin Macet (in TNG ebenfalls von Mark Alaimo gespielt) wieder und Shar läuft seiner Mutter, die sich unter den von Evakuierten der Europa Nova-Kolonie befindet, über den Weg.

Die Europa Nova-Krise, in der es darum geht, die Bevölkerung vor einer Antimaterie-Abfallwolke aus dem Delta-Quadranten zu schützen, ist eher eine übliche Katastrophenbewältigungsgeschichte. Zwar nicht langweilig zu lesen, aber so etwas in der Art gab es schon öfter. Auch Kiras Rettungsmaßnahme von der anderen Seite des Portals im Orbit der Kolonie erscheint mir unnötig kompliziert angesichts der Verstärkung lediglich eine Flugminute entfernt. Und die Handhabe mit der Evakuierung durch ein Portal zu den Jarada (schön endlich mal wieder von denen zu hören) um dann von einem anderen (sichereren) Planeten abgeholt zu werden, mag Stargate-Fans bekannt erscheinen. Leider wird nicht viel daraus gemacht, dieses Portal ist nur der Aufhänger für eine kurze Geiselnahmegeschichte, die Commander Vaughn aber auf sehr coole Art und Weise löst.

Interessanter als die Evakuierung oder Kiras und Taran’atars Ausflug in den Delta-Quadranten ist da schon das Mysterium rund um die Weltall-Portale, die nicht nach Bajor reichen und die Frage, was die Iconianer im Schilde führen. Dieses Mysterium wird früh angesprochen, geht aber ziemlich lange unter und bekommt für die Auflösung wahrscheinlich in Summe nicht einmal eine ganze Seite Text spendiert. Allgemein hatte ich bei diesem Roman den Eindruck, hier nur die B-Story zu lesen, während irgendwo sonst im All die eigentliche A-Story stattfindet, von der man im Roman aber nichts mitbekommt.

FAZIT zu TEIL 1: In „Dämonen der Luft und Finsternis“ passiert ziemlich viel auf einmal, weshalb das Lesen nicht langweilig wird. Allerdings gibt es doch einige Aspekte, die mir recht negativ aufgefallen sind: Einerseits der bereits erwähnte sehr lose Beginn, der für Leser, die die anderen „Gateways“-Romane nicht kennen, einige Fragen aufwerfen dürfte und danach ständig irgendwie das Gefühl erzeugen mag, hier würden einem wichtige Informationen vorenthalten werden. Zum Vergleich „Der Abgrund“, der ebenfalls zu einer eigenen Sub-Serie gehörte, kommt bedeutend eigenständiger daher.

Ein ebensolches Gefühl des Verpassens hat man dann bei der Auflösung rund um die Petraw (laut Memory Beta deren einziger Auftritt in der Star Trek-Literatur). Und ein weiterer negativer Aspekt betrifft das „Crossover-Syndrom“. Nein, ich habe normalerweise absolut nicht dagegen, wenn Charaktere (oder Völker) aus unterschiedlichen Serien zusammentreffen. Aber hier funktioniert das nicht harmonisch genug. Klar, Taran’atar gegen einen Hirogen kämpfen zu lassen klingt vom Konzept her wahnsinnig lässig. Aber im Roman wirkt es auch stark episodenhaft. Nur eine von vielen B-Storys halt, ohne wesentliche Bedeutung. Ebenso Gul Macets plötzliches Auftauchen bei Europa Nova (inklusive seltsam gezwungen wirkender Moralrede in Verbindung mit der TNG-Folge „Der Rachefeldzug“). Oder Captain Calhoun und Shelby in der Holo-Suite. All diese Gastauftritte wirken angestückelt. Da haut vieles nicht hin und allgemein fällt mir auf, dass solche Crossover-Geschichten in den jüngeren Romanen selten so gut funktionieren, wie in den älteren. Es liegt vielleicht daran, dass Crossover früher noch eine Seltenheit gewesen sind, während neuere Romane ihre Charaktere bereits regelmäßig Querbeet aus dem ganzen Star Trek-Universum holen.

Tja, klingt vorrangig mal nach einem recht vernichtenden Urteil für „Dämonen der Luft und Finsternis“. Da sich der Roman aber flüssig lesen ließ und man ihm einen soliden (wenn auch nicht überdurchschnittlichen) Unterhaltungswert nicht absprechen kann, gebe ich noch knapp 3 von 6 Sterne für Teil 1.

FAZIT zu TEIL 2: „Horn und Elfenbein“ ist – sofern ich Memory Beta richtig interpretiere – in den USA erst im abschließenden 7. Band der Gateways-Reihe erstmals erschienen. Ich find’s gut, dass mangels Veröffentlichung der „Gateways“-Reihe Cross Cult entschieden hat, diese Kurzgeschichte als „Teil 2“ direkt an „Dämonen der Luft und Finsternis“ anzuhängen. Es mag allerdings bei manchem Leser für Verwirrung sorgen, da abgesehen von dem Übergang durch ein Iconianer-Portal Kiras Ausflug in die ferne bajoranische Vergangenheit aber auch so gut wie gar nichts mit Teil 1 zu tun hat. Dennoch gefiel mir „Horn und Elfenbein“ doch deutlich besser als „Dämonen der Luft und Finsternis“. Die Geschichte ist sogar das krasse Gegenteil der ersten Geschichte, die kreuz und quer zwischen den Schauplätzen umherspringt. „Horn und Elfenbein“ konzentriert sich dagegen voll und ganz auf Kira, die eine erstaunliche Parallele zu ihrem Leben in der Vergangenheit Bajors erleben darf. Ziemlich spannend und mit einem netten Science-Fiction-Twist am Schluss. Das einzige, was ich bemängeln würde, war der Umstand, dass die „Parallelgeschichte“ in der fernen Vergangenheit nur die wichtigsten Ereignisse der 7 TV-Staffeln von DS9 abdecket. Eine kleine Vorschau auf das, was in der Romanreihe noch kommen mag, hätte mir gut gefallen. In Form dieser Geschichte hätte man auch nicht viel vorweg genommen und den weiteren geplanten Verlauf des Relaunch „verschlüsseln“ können. Trotzdem gebe ich „Horn und Elfenbein“ verdiente 5 von 6 Sterne.

Im Durchschnitt würde ich daher logischerweise 4 Sterne für beide Teile geben, doch ich muss auch berücksichtigen, dass „Horn und Elfenbein“ nur einen kleinen Teil des ganzen Buches ausmacht und die 3 Sterne von Teil 1 sehr knapp verdient waren. Daher nur 3 gute Sterne im Gesamten.


Nach den Ausflügen in die Reihen „Sektion 31“ und „Portale“ hoffe ich jetzt jedenfalls für die „Mission Gamma“ wieder auf „richtige“ DS9-Relaunch-Romane.

Anmerkungen:

Genauso wie die Darstellung der Andorianer (bei denen ich die 4-Personen-Hochzeit-Interpretation der Romane in Form von 4 Geschlechtern schon immer weit hergeholt fand) sind auch die Orioner etwas anders dargestellt, als man sie später in „Enterprise“ kanonisch definieren wird. Dieser Roman sagt aus, dass Frauen abhängig vom Besitz ihrer Männern sind, während man in „Enterprise“ später erfahren hat, dass es sich beim Orion-Syndikat tatsächlich um ein Matriarchat handelt und die Männer die Sklaven sind, wenngleich es im Außenauftritt der Spezies anders aussehen mag. Die „Vanguard“-Romane sind kurz nach „Enterprise“ erschienen und dürften wohl die ersten sein, die diese Neuerung berücksichtigt haben. Dies gefiel mir dort sehr gut. (An dieser Stelle lasse ich mal wieder unterschwellig die heiße Empfehlung einfließen, unbedingt „Vanguard“ zu lesen. Die meiner Meinung nach beste aktuelle Roman-Reihe im Star Trek-Universum. ;-))

Bei Gul Macet ist es für den deutschen Leser etwas seltsam, dass Kira den Eindruck hat, Macet und Dukat hätten auch dieselbe Stimme, während die deutsche TV-Synchro den beiden Rollen unterschiedliche Sprecher zugeteilt hatte.

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