Rezension: DS9 – „Sektion 31: Der Abgrund“

Der dritte Roman des DS9-Relaunch ist bereits im Jahr 2002 bei Heyne im Zuge der „Sektion 31“-Reihe erschienen und anlässlich der 8. Staffel von DS9 im Jahr 2010 nochmals bei Cross Cult. Dieser Roman war somit lange Zeit der einzige auf Deutsch veröffentlichte DS9-Roman, der zeitlich nach dem Ende der TV-Serie angesiedelt war.

Heyne 2002

Heyne 2002

Cross Cult 2010

Cross Cult 2010

Ich selbst habe für die Rezension zum Heyne-Roman gegriffen, den ich mir schon damals nach Erscheinen gekauft hatte. Unterschiede zur typischen Cross Cult-Übersetzung der anderen Romane fallen natürlich schon auf („Insignienkommunikator“, „Starfleet“, etc.), aber „Der Abgrund“ fügt sich trotzdem sehr gut an „Offenbarung“ an. Übersetzer Andreas Brandhorst hatte damals wahrscheinlich „Avatar“ (Originaltitel von „Offenbarung“) vorab gelesen. Es gibt eigentlich keine durch Übersetzung entstandenen Ungereimtheiten abseits der weniger seriennahen Nomenklatur. Allerdings ist der Bezug zu „Offenbarung“ eher am Anfang relevant und tritt schon bald zugunsten der neuen Handlung rund um Julian Bashirs Sektion-31-Mission in den Hintergrund.

Und dieser Einstieg von „Der Abgrund“ ist wirklich ganz anders, als jener von „Offenbarung“. Hier kommt man direkt zur Sache, der Leser wird mitten ins Geschehen geworfen und gleich auf den ersten 50 Seiten mit relevanten Informationen für die folgende Handlung bombardiert. Dabei nimmt der Roman aber nicht mehr als notwendig vorweg und Cole bezüglich dem Zurückhalten relevanter Informationen ein würdiger Nachfolger von Agent Sloan. Cole repräsentiert sehr gut die Ideologie der Sektion 31 und ihre selbst definierte Rolle in der Föderation. Ich denke, selbst jemand, der keine Ahnung hat, was es mit Sektion 31 auf sich hat, wird im Gespräch zwischen Bashir und Cole das Notwendigste erfahren.

Ein weiterer auffälliger Unterschied zu „Offenbarung“ ist, dass es hier ganz eindeutig eine A- und B-Story gibt. Abgesehen vom Beginn, in dem es um den Transport von Empok Nor geht, dauert es bis Seite 113, ehe der Leser zu einer Geschichte wechselt, in der es nicht um die Sektion 31-Mission geht. Konkret erhält man hier eine kurze Zusammenfassung, was Kira im letzten Roman getan hat und welche Strafe sie von der Vedek-Versammlung erhielt. Es scheint wirklich so zu sein, als ob die Vedeks einfach so mal eine „Befleckung“ aussprechen können ohne eine Begründung nennen zu müssen. Jedenfalls scheut der Roman gehörig davor zurück, irgendwie erklären zu wollen, warum Kira bei den anderen Bajoranern (mit zwei Ausnahmen) so geächtet ist bzw. ob sie eine Begründung für Kiras Exkommunikation kennen. Denn die Vedeks können keinesfalls den wahren Grund für Kiras Exkommunikation nennen ohne völlig unglaubwürdig zu werden. In „Der Abgrund“ wird Kiras neuer Status deshalb einfach so als gegeben akzeptiert und die einzige Einsicht, die wir hierzu erhalten, ist aus der Perspektive eines bajoranischen Sicherheitsoffiziers, der auch die Meinung vertritt, die Bestrafung wäre ungerecht. Mich würde mal interessieren, was ein „normaler“ Bajoraner denkt, der Kiras Bestrafung für gerecht hält. Um diese Einsicht wird immer ein großer Bogen gemacht. Wahrscheinlich aus gutem Grund, denn so wirklich nachvollziehen ließe sich eine solche Einsicht vermutlich nicht.

Ein Fakt betreffend des neuen Energiekerns sei übrigens erwähnt: „Der Abgrund“ beschreibt den Transfer des Reaktorkerns der alte Raumstation Empok Nor nach DS9. Ich sah gerade erst die TV-Folge „Entscheidung auf Empok Nor“ und dort wurde gesagt, auf Empok Nor würde nur noch ein Fusionsgenerator funktionieren. Auf DS9 funktionierten im alten Reaktorkern zwar auch nicht mehr alle Fusionsgeneratoren, aber es waren zumindest mehr als einer. Der Transfer des Reaktorkerns sollte also eigentlich keine endgültige Lösung bringen. (Außer die defekten Generatoren von Empok Nor ließen sich leichter reparieren als die nicht funktionsfähigen auf DS9, wovon wir wohl ausgehen müssen. Denn man scheint wohl alle 6 Generatoren von Empok Nor wieder verwenden zu können.)

Wieder zurück nach Sindorin, einem Planeten in den Badlands, wo Bashir den Augment Locken und dessen Jem’Hadar-Armee ausfindig machen soll. Das aus 4 Personen bestehende Team teilt sich auf. Ro und Taran’atar beamen sich aus dem abstürzenden Runabout (das interessanterweise von Heyne ausnahmsweise mal nicht als „Flitzer“ übersetzt worden ist) in den Dschungel Sindorins, während Bashir und Ezri eine Notlandung versuchen. Während Ro und Taran’atar vor Lockens Jem’Hadar fliehen und dabei auf die Ingavi treffen, werden Bashir und Ezri von Locken gefangen genommen und zu seiner Basis gebracht, wo Locken versucht, Bashir auf seine Seite zu ziehen.

Erinnert ein wenig an „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, nicht wahr? Ein Teil der Guten ist im Dschungel unterwegs und verbündet sich mit den kleinwüchsigen, pelzigen Einheimischen, während sich Bashir dem Imperator, äh … ich meinte „Khan“ … stellt, der ihn zur Dunklen Seite bekehren möchte. Das war’s dann schon mit der Parallele zu Star Wars, aber sie ist mir doch ziemlich deutlich ins Auge gesprungen.

Schön, Bashir hier wieder einmal wanken zu sehen. Es passt gut zu ihm, dass er einem gewaltigen wissenschaftlichen Sprung nach vorne – der Unsterblichkeit – nicht so leicht widerstehen kann. Als Forscher und Mediziner drückt Locken hier bei Bashir genau die richtigen Knöpfe. Bashirs Auftritt in der Arrestzelle mit Ezri fand ich dann aber doch etwas leicht zu durchschauen. Zumindest wird das Spiel aber nicht unnötig in die Länge gezogen und Bashirs wahre Absichten dem Leser noch in derselben Passage klar, indem er versucht, in bester „James Bond jagt Dr. No“-Manier Lockens Absichten herauszufinden. Und diese Absichten sind dann auch eines perfiden Bond-Schurken absolut würdig.

Fazit: Der Roman ist einfach flott geschrieben. Die A-Handlung wird nur ganz selten unterbrochen, was aber auch nötig ist, denn diese Agenten-Geschichte ist wirklich so auf Zug geschrieben, dass man sich hin und wieder darüber freut, über die B-Story eine Verschnaufpause einlegen zu können. Dabei sind die Wechsel nach DS9 auch immer recht gut platziert, sie stören den Spannungsaufbau auf Sindorin nicht.

Schon vor Jahren hat mir der Roman gefallen und auch jetzt, im Rahmen des DS9-Relaunch, war er absolut top. Deshalb gibt es für diesen spannenden und am Schluss wendungsreichen Roman die Höchstnote: 6 von 6 Sterne.

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3 Kommentare zu “Rezension: DS9 – „Sektion 31: Der Abgrund“

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