Rezension: ETP – „Daedalus“

Nachdem ich einige Zeit zuvor schon die ersten vier Enterprise-Relaunch-Romane  gelesen hatte, wollte ich auch mal jene drei Romane lesen, die weder von Heyne noch Cross Cult herausgebracht worden sind. Zusätzlich interessant wurde diese für mich, als ich gesehen habe, dass sowohl „Daedalus“ als auch „Daedalus’s Children“ und „Rosetta“ alle von Dave Stern geschrieben wurden, der mit „Der Preis der Ehre“ (bei Heyne erschienen) einen meiner absoluten Lieblings-Star Trek-Romane verfasst hat.

Wie schon in „Der Preis der Ehre“ konzentriert sich Dave Stern auch in „Daedalus“ hauptsächlich auf einen bestimmten Charakter. Diesmal ist es Trip Tucker. Und auch diesmal haben wir schon früh eine Rückblende im Roman. Konkret eine Rückblende zum Daedalus-Projekt, einem Parallelprojekt zum Warp-5-Programm, weshalb es auch kein Kontinuitätsproblem mit der ca. zeitgleich zum Roman entstandenen TV-Folge „Erstflug“ gibt. Tatsächlich wird einiges aus „Erstflug“ (wie auch aus diversen anderen Folgen) im Roman erwähnt.

Aber nach der ersten von ohnehin nur zwei kurzen Rückblenden insgesamt, geht die Handlung in der Gegenwart (2. Staffel der Sere) so richtig los: Die Enterprise wird von einer Armada feindlicher Schiffe (einer Spezies, die eigentlich gar keine Warp-Schiffe haben sollte) angegriffen und geentert. Trip und Hoshi entkommen aus dem Hangar mit Hilfe des sulibanischen Zellenschiffs und dessen Tarnvorrichtung und laufen auf der Flucht vor den Angreifern einer weiteren Kriegspartei in diesem Denari-Bürgerkrieg in die Arme. Dort erfahren sie, dass das experimentelle Raumschiff Daedalus nicht wie gedachte vor 14 Jahre zerstört wurde, sondern tatsächlich den Warp-Flug bis nach Denari geschafft hat. Ein General der Denari übernahm damals das Schiff und zwang die Besatzung – auch mit Hilfe der anscheinend abtrünnig gewordenen Captain Duvall – für ihn Warp-Schiffe zu bauen, die er verwendete, um die Macht im Sonnensystem an sich zu reißen. Trip sieht nur eine Möglichkeit, die gekaperte Enterprise zurückzuerobern und die Crew zu befreien: Er schlägt sich auf die Seite der verzweifelt Widerstand leistenden Minengilde um in einem Krieg zu kämpfen, für den die Sternenflotte durch das Daedalus-Projekt mitverantwortlich war.

Soweit zum Inhalt. Wie man sieht, wird hier eine ziemlich große Geschichte erzählt. Aus Trips Perspektive lernt der Leser viel über die Denari und welchen Einfluss die Ankunft der Daedalus auf sie genommen hat. Dabei wird das Buch keine Minute langweilig. Ich habe sicher schon sehr lange kein englisches Buch mehr so schnell durchgelesen. Stern schreibt spannend, schnell und obwohl es zwei um Grundsatz ähnlich geartete große Action-Sequenzen gibt, hat man nie das Gefühl, er würde sich wiederholen.

Mit Trip fand ich auch den Hauptcharakter sehr gut gewählt. Er ist sehr gut getroffen und obwohl er Ingenieur ist und es in der Geschichte auch um einige technische Elemente geht, ist er doch ein so bodenständiger Charakter, dass man immer versteht, was er sagt und er nie in Technobabble abdriftet.

Dass die Romane „Daedalus“ und „Daedalus’s Children“ Zusammenhängen, war mir natürlich vorab schon klar, aber ich hatte aufgrund der doch unterschiedlichen Titel an eine eher losere Verknüpfung der beiden Geschichten gedacht. Aber ca. 50 Seiten vor Schluss war dann klar, dass die Geschichte unmittelbar fortgesetzt werden muss und so endet „Daedalus“ in einem ganz typischen Cliffhanger. Ein Cliffhanger, in dem Trip aus vielen kleinen Andeutungen, die im Verlauf des Romans fallen, zu einer bedeutenden und alles verändernden Erkenntnis kommt. Selbst wenn diese Erkenntnis für SciFi-Verhältnisse (und Star Trek im Speziellen) nicht gerade eine ganz neue Offenbarung ist, war diese Erkenntnis-Passage doch wirkungsvoll beschrieben und macht Lust, sofort den Folgeroman zu lesen. (Was ich auch getan habe ;-).)

Eine Bewertung zu finden ist etwas schwierig. Der Roman war von der ersten bis zur letzten Seite durchwegs unterhaltsam und in einem Stil geschrieben, der genau meinem Geschmack trifft. Aber so gut wie „Der Preis der Ehre“ – der Aufgrund seines besonderen Aufbaus und damit verbundener Offenbarung am Schluss – war „Daedalus“ dann doch nicht. „Daedalus“ ist von der Art her etwas konventioneller ausgefallen. Daher tendiere ich „nur“ zu 5 von 6 Sternen.

Allerdings steht der Roman deutlich über den meiner Meinung nach eher durchwachsenen Relaunch-Romanen. Beim Lesen von „Daedalus“ habe ich mich schon sehr darüber geärgert, dass man Dave Stern beim Relaunch nicht wieder ran gelassen hat. Immerhin präsentiert Stern in „Daedalus“ auch eine höchst interessante Kriegsgeschichte, die die bisherigen Relaunch-Romane von Mangels und Martin ziemlich blass aussehen lassen. Eigentlich wäre „Daedalus“ die ideale Visitenkarte, um sich als Autor für einen Relaunch rund um den Romulanischen Krieg zu empfehlen.

Anmerkung:

Aus irgendeinem Grund geht Hoshi Satos Nachname wie auch schon in „Der Preis der Ehre“ verloren. Das ist wirklich seltsam und kann auch sicher nicht mit schlechter Recherche zusammenhängen, denn Stern hat jede Menge andere Anspielungen und Elemente vorangegangener Folgen in die Geschichte eingebaut. In „Daedalus’s Children“ und „Rosetta“ bekam Hoshi ihren Nachnamen wieder zurück.

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