Rezension: TOS – „Zeit zu töten“

Ich habe nach vielen Jahren wieder mal diesen alten Roman zur klassischen Star Trek-Serie hervorgeholt, weil ich ihn als recht gut in Erinnerung hatte und weil die Grundthematik einer alternativen Zeitlinie ja durch den elften Kinofilm wieder sehr aktuell ist.

Dieser Roman wurde 1985 von Della van Hise verfasst. Das Datum nimmt schon einmal eines vorweg: Die Geschichte kann sich natürlich nicht am später etabliertem Canon orientierten. So darf es nicht verwundern, dass die Romulaner schon öfter als einmal versucht haben, ihre Machtsphäre durch relativ mühelos durchführbare Zeitreisen zu erweitern (u.a. schicken sie auch hochentwickelte Androiden in die Vergangenheit. Terminator lässt grüßen 😉 ). Eine Veränderung der Historie – die am Schluss nicht rückgängig gemacht wird – betrifft die Entwicklung der ganzen Spezies der Romulaner, weshalb die Männer zu kräftigen aber vergleichsweisen aggressiven und dummen Kriegern gemacht wurden, während Frauen als intelligenter gelten, aber in einer kriegerischen Kultur dennoch zurückstehen müssen. Dies ist ein Beispiel für die frühe Charakterisierung der Romulaner in den alten Romanen. Damals waren die Rollen der Romulaner (kriegerisch, aggressiv, ehrbesessen) und Klingonen (hinterhältig und verschlagen) verglichen zu späteren Filmen und TV-Serien eher verkehrt herum verteilt.

Della van Hise ging mit dieser Vorgeschichte aber doch einen deutlich anderen Weg als Diane Duane, die im Jahr 1984 erstmals aus den Romulanern die „Rihannsu“ gemacht hatte und später noch eine Reihe weiterer Romane über diese spezielle Romulaner-Charakterisierung geschrieben hat. Was die Politik angeht, trifft van Hise die Romulaner wiederum ganz gut. Der Praetor war natürlich schon in TOS etabliert, aber dieser muss auch hier vor Gouverneuren verschiedener regionaler Clans (entspricht dem späteren Senat) und den Kriegern (entspricht natürlich dem Militär) Rechenschaft ablegen. Auch ein zuverlässiger Geheimdienst wird bereits erwähnt. Zusammengefasst wirken die Romulaner hier doch etwas anders dargestellt, wobei Della van Hise aber teilweise auch ganz gut geraten hat. Die Hauptprotagonistin ist übrigens eine aus dem Canon bekannte Romulanerin: Jene Kommandantin aus „Die unsichtbare Fall“, von der man erfährt, dass sie die Tochter des Praetors ist und nach dessen Tod heimlich seinen Platz auf dem Thron einnimmt.

Zur Geschichte: Um was geht es genau? Kurz zusammengefasst: Romulanische Androiden unternehmen eine Zeitreise in die Vergangenheit und lassen im Jahr 2093 in San Francisco auf einer Konferenz drei wichtige Menschen ermorden, weshalb von den Menschen ausgehend die Föderation niemals gegründet wird. Doch das Ergebnis der Zeitmanipulation ist nicht so ganz nach dem Geschmack der Praetorin: Statt der menschendominierten Föderation gibt es eine von Vulkaniern geleitete Allianz. Statt einen Krieg gegen die Menschen zu verlieren haben die Romulaner einen Krieg gegen die Vulkanier verloren. Im Endeffekt hat sich für die Romulaner kaum eine Verbesserung ergeben. Allerdings hat die Zeitmanipulation einen Nebeneffekt (der nie wieder bei solchen Gelegenheiten auftauchen sollte): Leute haben Flashbacks von ihren früheren Leben, die sich teilweise in echten Wahnsinn wandelt, wenn sich die Leben einer Person in der alten und neuen Historie zu stark unterscheiden. Spock – Captain des Raumschiffs ShiKahr, auf dem auch ein Fähnrich James T. Kirk dient – berechnet, dass ihm nur wenige Tage bleiben, um den in der Vergangenheit angerichteten Schaden zu reparieren, ehe das ganze Universum unheilbar „schizophren“ wird. Da kommt es Spock sehr gelegen, dass die Romulaner Kontakt mit ihm aufnehmen und sich für ihn eine Gelegenheit ergibt, ins Romulanische Imperium zu gelangen …

Tja, die ganze Geschichte baut natürlich auf diesem sonderbaren Nebeneffekt der Zeitreise auf, weshalb sich sogar Leute, die nicht wie jene auf dem Flaggschiff des Prätors geschützt waren, an ihre früheren Leben erinnern können. Das widerspricht natürlich den Zeitreiseeffekten in anderen Star Trek-Produktionen, was ich bei einem so frühen Roman durchgehen lassen würde. Aber leider widerspricht sich der Roman auch selb gekommen ist. Das ist ein Problem der Geschichte, wenngleich sie im letzten Drittel doch recht spannend geschrieben ist. Allgemein ist der Schreibstil von Della van Hise sehr gewöhnungsbedürftig. Gar zu oft wechselt sie in einer Szene die Perspektive, manchmal sogar zwischen drei Personen und ohne für den Leser merkbaren Themenwechsel oder Schauplatzwechsel.

Die ersten beiden Drittel des Romans sind durch die Darstellung der Veränderungen in der Zeitlinie recht interessant, aber doch weniger spannend und ganz eindeutig ein Fest für K/S-Fans. 😀 K/S ? Wikipedia
Die Beziehung zwischen Spock und Kirk (die sich im neuen Universum erst neu entwickeln muss) wird hier schon in einer Art beschrieben, die doch merklich über die platonische Ebene hinaus geht.

Ich bin etwas enttäuscht von dem Roman, selbst wenn man ihm aufgrund des Alters einiges durchgehen lassen kann. Aber der positive Grundeindruck, den ich früher von dem Buch hatte, resultierte wohl hauptsächlich aus dem ereignisreichen letzten Drittel, einigen TOS-Anspielungen, dem Involvieren der Romulaner als „große“ Spezies des Star Trek-Universums und dem Umstand, dass ich damals erst sehr wenige andere Romane als Vergleichsbasis kannte. Aus heutiger Sicht kann ich dem Roman daher nur noch 3 von 6 Sternen zugestehen.

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