Rezension: VOY – „Children of the Storm“

Der dritte Voyager-Roman von Kristen Beyer beginnt gleich mal mit einem „Flash Forward“, einem Blick hin zu künftigen Ereignissen im Roman, deren Hintergründe dem Leser vorerst noch verborgen bleiben. Allerdings hätte es diese action-geladene Eröffnungspassage für meinen Geschmack nicht gebraucht. Vermutlich war der Hintergedanke der Autorin, dass diese Passage dafür ausgleichen sollte, dass in den ersten 50 Seiten eigentlich kaum etwas passiert. Ich jedoch fand diesen auch in diesem Umfang als „Info-Teil“ absolut okay, also hat mich die Eröffnungssequenz eher irritiert zurückgelassen, da keine einzige bekannte Figur und keine bekannte Umgebung vorkommt. Die ganze Einführung der Quirinal und ihrer Crew erfolgt erst später und die Beschreibung der Charaktere ist gewohnt gut gemacht von Beyer. Aber aus der Eröffnungssequenz konnte ich nichts mitnehmen.


Das Grunddilemma der Geschichte wird leider durch Captain Farkas‘ Begriffsstutzigkeit ausgelöst. Nur drei, vier Seiten zuvor befürchtet der Captan der Quirinal noch, dass das überhastete Eintreffen der Demeter die Aufmerksamkeit der „Children of Storm“ (eine körperlose, mächtige Spezies, die bereits in der „Destiny“-Trilogie einen Auftritt hatte) geweckt hat. Aber als deren Mittler über „Leben“ und „das einfache Leben“ spricht, kapiert sie nicht, dass damit jenes auf dem eben eingetroffenen botanischen Schiff gemeint ist? Schwache Leistung eines angeblich diplomatisch so erfahrenen Captains.

Im Gegensatz zu Farkas ist Captain O’Donnell von der Demeter schon etwas interessanter. Klar, ein solches Genie – wenn auch exzentrisch – in der Flotte zu haben ist schon praktisch. Aber dass er das Kommando über ein Schiff erhält (wobei er sich ohnehin nicht gerne auf der Brücke aufhält), fand ich jetzt nicht notwendig, bringt ihn eigentlich nur dazu, seine Erkenntnisse nicht erklären zu müssen. Ihn als reinen Experten mitzunehmen hätte doch auch gereicht. Man würde einem Rodney McKay ja auch nicht das Kommando über Atlantis geben. 😉 Dass gerade dieses Genie dann die ultimative Lösung findet, ist dann nicht sonderlich überraschend. Mich haben immer mehr jene Genies interessiert, die bei ihren Aufgaben scheitern. Aber O’Donnells Lösung für das Problem war zumindest sehr interessant, wenn auch dem Leser eigentlich schön konstant über den Roman hinweg eingetrichtert wird, wie unmöglich das eigentlich sein dürfte.

Ich konnte bei den ersten beiden Bänden die Autorin noch dafür loben, wie gut sie die Figuren getroffen hat. Bei Seven passiert ihr aber diesmal ein ziemlicher Faux-pas. Ich kann mir die Drogen nicht vorstellen, die Seven genommen haben könnte, um sie dazu zu bewegen, auf dem Holodeck-Spielplatz so mit Miral herumzutollen. Da hilft auch all die Parallele zu Naomi Wildman nichts, mit der sie nicht mehr als Brettspiele gespielt hat. Auch Sevens Verhalten später im Buch, als sie mit Cambridge im astrometrischen Labor ist, mag so gar nicht zu ihr passen. Hier wird ihr sehr übertriebene Gestik angedichtet, was einfach nicht Sevens Stil ist. Das kann ich auch nicht als Ergebnis von „Unworthy“ durchgehen lassen. So wie sich Seven in diesem Roman verhält, würde man den Eindruck gewinnen, sie hätte sich der sie damals quälenden Caeliar-Stimme ergeben. Was nicht der Fall ist.

Zur Bewertung: Mir gefiel der Erzählstil dieses Romans sehr. Einerseits aktuelle Ereignisse auf der Voyager, anderseits zuerst Rückblenden zu den Ereignissen auf der Quirinal und sobald diese von der Voyager entdeckt wurde Rückblenden zu den Ereignissen auf der Demeter. Gut geschrieben waren alle drei Teile. Der Part auf der Quirinal war für mich jedoch der schwächste. Einerseits wegen oben erwähnter Inkompetenz des Captains, die nötig war, um die Handlung in Bewegung zu bringen. Anderseits wegen der ausgedehnten Action-Szenen. Ich habe schon viele wie auch viel, viel schlechtere gelesen, aber auch in diesem Buch waren sie zu langatmig beschrieben. Zu viel des Guten.

Die Darstellung der „Chrildren of Storm“ war auch ein wenig anders als ich es mir nach „Destiny“ vorgestellt hätte. Grundsätzlich eine interessante Idee mit deren Schätzung von „einfachem Leben“. Anderseits fand ich die Idee mit körperlosen Wesen, die einfache Mehrzeller ohne Bewusstsein übernommen haben, ein bisschen weit hergeholt. Wäre doch so, als würde man den Inhalt einer vollen Terabyte-Festplatte auf eine 3,5-Zoll-Diskette überspielen wollen. Anderseits gefiel mir das Konzept, dass diese Spezies aus den Gedanken ihrer „Mutter“ geboren wird.

Was nicht geklärt wurde ist, warum die Borg so ein großes Interesse an jenem Sonnensystem hatten bzw. warum die warp-fähigen Children nicht zu anderen Systemen geflogen sind, wo es Planeten mit Pflanzenwachstum gibt. Grundsätzlich kommt mir diese Spezies jetzt nicht unbedingt so bedrohlich und mächtig vor, als dass sie Tausende Borg-Kuben innerhalb kurzer Zeit hätten zerstören könnte. Ich finde, dass man da aus dem Kurzauftritt dieser Spezies in „Destiny“ mehr machen hätte können. Zum Beispiel ein konstantes Bedrohungsszenario, dass sich durch die neue Relaunch-Reihe zieht. Schlussendlich erinnert mich das, was man dann mit den Kindern des Sturm gemacht hat, an Spezies 8472, einem anderen zuerst übermächtigen Borg-Feind, mit dem die Sternenflotte bei der zweiten Begegnung schon Frieden schließen kann.

Ich bewerte den Roman mit guten 4 von 6 Sternen. So gut wie „Full Circle“ war er nicht, aber im Vergleich zu „Unworthy“ eine enorme Steigerung.


Anmerkungen:

Harry Kim muss ja vor Wut die Decke raufgehen, wenn er sieht, wie rund um ihn herum Feldbeförderungen verteilt werden. 😀

Erstaunlich, dass ich bei den VOY-Romanen trotz Fokus auf ziemlich vielen Besatzungsmitgliedern verteilt auf 9 Schiffe kein Problem damit habe, die Übersicht zu behalten, während mir das bei der Crew der U.S.S. Titan schwer fällt. Beyer hält sich da gut an die Regel, nicht mehr Personen einzuführen als unbedingt notwendig.

Betreffend Naomi Wildman: Ihre außerirdischen Gene müssen sie immer noch mit enormen Tempo wachsen lassen, wenn sie als Neunjährige schon in die Sternenflotten-Akademie eintritt. Mit diesem Wachstum wird sie nicht besonders alt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s