Rezension: VOY – „Full Circle“

„Full Circle“ war der erste Roman der „Voyager“-Relaunch-Reihe, den ich gelesen habe. Voyager war eigentlich nie meine Lieblingsserie und einige negative Rezensionen der ersten vier Relaunch-Romane von Christie Golden haben mich dazu bewogen, mal direkt mit dem „Neustart“ der Reihe von Kirsten Beyer einzusteigen.

Also vorweg: Die ersten vier Relaunch-Romane sind mir weitgehend unbekannt, auch wenn ich sie sicher bei Gelegenheit mal nachholen werde. Aber anderseits scheint die Kenntnis der Vorgängerromane nicht zwangsläufig nötig zu sein, den „Full Circle“ deckt einen mehrjährigen Zeitraum ab, beginnend offenbar relativ kurz nach den Ereignissen von „Enemy of My Enemy“ (der letzte Christie Golden-Roman) bis über die Borg-Invasionen in TNG und „Destiny“ hinaus und zum Beginn der neuen Mission. Und an dieser Stelle kann ich vorweg so ziemlich das einzige negative an dem Roman feststellen: Er hetzt ab der Hälfte etwas stark non-linear zeitlich durch die Gegend. Aber er wird zu keiner Zeit unübersichtlich und ich möchte auch gleich als mildernden Umstand anführen, dass genau dieses Überbrücken eines längeren Zeitraums genau die Aufgabe von „Full Circle“ ist und der Roman diese Aufgabe hervorragend erfüllt. (U.a. bedeutend besser als der finale ETP-Roman „To Brave the Storm“)

In der ersten Hälfte des Romans steht in erster Linie eine Klingonen-Geschichte im Vordergrund und es wird die Kuvah’magh-Geschichte aus der VOY-Folge „Prophecy“ weiter ausgebaut. Primär indem man mit den „Kriegern von Gre’thor“ eine Bedrohung für B’Elanna und Miral einführt. Gut gefiel mir, dass man mit diesem antiken Mysterium rund um die Kuvah’magh und Fek’Ihr noch weit über die Zeit von Kahless hinaus ging. Bei den „Ruhm-und-Ehre“-Klingonen der TNG-Ära meint man fast, dass deren Geschichte erst überhaupt mit Kahless so richtig begann. Da ist der Rückgriff auf die klingonische „Urzeit“ doch mal was Erfrischendes. (Wobei ich beim Lesen dieser Erörterungen schon ein sonderbares Déjà vu hatte, weil ich damals gerade erst selbst eine gar nicht so unähnliche Geschichte für Kapitel 5 meiner Kelvin-FanFiction geschrieben hatte.)

Dieser Teil der Handlung spielt also noch deutlich vor den Borg-Invasionen, die in den TNG-Relaunch-Romanen und Destiny beschrieben werden, sind aber die Basis für die später folgenden Entscheidungen und Einstellungen der Charaktere. Noch nicht sonderlich betroffen hierbei ist Chakotey,wobei man jedoch gleich am Beginn des Buches erkennt, dass der Roman vor allem für ihn besonders einschneidend wird. Chakotey war für mich immer ein sympathischer Charakter, aber für meinen Geschmack zu zurückhaltend, zu „brav“. Das ändert sich spätestens ab jenem Teil der Geschichte, der nach TNGs „Before Dishonor“ („Heldentod“) angesiedelt ist. Anderseits befremdlich, dass ein Chakotey mit Ecken und Kanten erst durch ein traumatisches Ereignis hervortritt. Dieser „neue“ Chakotey ist aber natürlich das, was man sich von ihm nicht erwarten würde und damit ein Fremdkörper. Hier gelingt es der Autorin einerseits den „braven“ Chakotey deutlich zu erweitern, aber gleichzeitig einen schönen Bogen zurück zu spannen und zu verdeutlichen, dass Chakotey nur so sein kann, wie man ihn in den 7 Jahren der Reise gesehen hat. So findet kein Bruch mit dem vertrauten Charakter statt und trotzdem erfährt man sehr viel Neues über ihn. Außerdem erläutert Chakotey für den Leser in einer Sitzung mit dem neuen (eindeutig an Dr. House angelehnten) Counselor Hugh Camebridge die Ereignisse von „Destiny“ aus Sicht der Voyager-Crew.

Während die Hauptcharaktere aus der Serie über die Jahre eigentlich mit sich selbst beschäftigt sind, läuft parallel das Projekt „Full Circle“ an, das schließlich zum Aufhänger der künftigen Romane des Voyager-Relaunches führt: Die Rückkehr der Voyager in den Delta-Quadranten!

Eine gute Entscheidung, wie ich finde. Voyager und Delta-Quadrant gehören einfach zusammen und ich bin gespannt, ob dadurch dann wirklich Geschichten erzählt werden, die nur fort spielen könnten und in Zusammenhang mit Voyagers erster Reise durch den Quadranten stehen. Denn mit der Enterprise-E und der Titan hat man ja ohnehin zwei andere Schiffe unterwegs, die „sonst wo“ ihre Forschungsmissionen erfüllen können. Die neue Mission der Voyager ist zudem interessant, da sie zusammen mit einer Flotte aus 8 weiteren Schiffen mit Slipstream-Antrieb in den Delta-Quadranten zurückkehrt. Da wäre allerdings auch ein Punkt negativ zu erwähnen: Wenn ständig die Möglichkeit besteht, innerhalb von Stunden ins Föderationsgebiet zurückzukehren, wird der Weltraum schon etwas kleiner gemacht. Dank spezialisierter Schiffe könnte die Voyager-Flotte völlig autark agieren und das wird sicher auch so umgesetzt werden. Allerdings geht ein wenig der Reiz verloren, wenn man stets die Möglichkeit zur mehr oder weniger sofortigen Rückkehr hat. Hier bleiben aber die künftigen Romane abzuwarten.

Die neuen Charaktere werden alle gut in die Handlung integriert und sind über die lange Handlungslaufzeit ständig präsent. Natürlich muss man auch hier die nächsten Romane abwarten, aber von Counselor Camebridge, Captain Eden und Admiral Batiste habe ich im Roman durchaus schon einen guten Eindruck gewonnen.

Fazit: Wirklich ein starker Roman! Die Bestnote will ich noch nicht auspacken, weil es doch neben dem Erwähnten noch ein paar Winzigkeiten gab, die mich störten (z.B. ein Do-it-yourself-Slipstram-Shuttle). Doch 5 von 6 Sterne hat sich der Roman redlich verdient! Eine gute Einleitung für künftige Abenteuer der Voyager, der einiges in der Personenkonstellation verändert hat. Bleibt zu hoffen, dass die folgenden Romane weitermachen, wo „Full Circle“ aufhört.

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