Rezension: TITAN – „Over a torrent Sea“

„Over a torrent sea“ist der 5. Roman der „Titan“-Reihe, die nach dem Kinofilm „Nemesis“ angesetzt hat. Unter dem Kommando von Captain Riker und mit der Ersten Offizierin Christine Vale, der diplomatischen Offizierin Deanna Troi und den taktischen Offizier Tuvok war die U.S.S. Titan in den ersten beiden Romanen der Reihe noch im Romulanischen Imperium bzw. in einer weit entfernten Galaxie unterwegs, ehe das Schiff ab dem 3. Roman seine geplante Tiefenraum-Forschungsmission im Beta-Quadranten begann. Dieser dritte Roman – „Orion’s Hounds“ – ist wie „Over a torrent Sea“ von Christopher L. Bennett geschrieben worden und stellte bisher das Highlight der Reihe dar. Nach dem katastrophalen 4. Roman – Geoffrey Thornes „Sword of Damocles“, das mit voller Wucht auf den Autor niedergegangen zu sein scheint – waren meine Erwartungen für „Over a torrent Sea“ recht hoch.

Doch ehrlich gesagt empfand ich auch dieses Roman wieder teilweise sehr mühsam zu lesen. Nicht so mühsam wie „Sword of Damocles“, aber Bennett schaffte es mit seinem neuen Roman nicht, mich so sehr ans Buch zu fesseln wie mit „Orion’s Hounds“ oder TNGs „Greater than the sum“. Es Mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass er hier ein „normales“ wissenschaftliches Thema, nämlich die Tiefsee, aufgreift und die Faszination des Alls ausspart. Die Faszination seiner beiden anderen genannten Bücher kann er hier leider nicht rüberbringen und die Handlung auf dem Planeten Droplet wurde auch erst gegen Ende einigermaßen spannend.

Ich fand die Handlung rund um Dr. Ree, Deanna Troi und Tuvok rund um die Geburt von Deannas Baby im Vergleich deutlich interessanter, vor allem da mir von den neuen Crewmitgliedern ohnehin nur Dr. Ree als absoluter Treffer erscheint. Ein großes Problem der „Titan“-Reihe sind für mich nämlich die Charaktere, die ich nicht wirklich als interessant bezeichnen kann. Da die U.S.S. Titan ein Schiff ist, auf dem zu zwei Drittel Nicht-Menschen dienen, ist die Crew zwar sehr mannigfaltig, aber die Eigenschaften der Charaktere werden so auch gerne mal auf die Eigenschaften der besonderen Spezies reduziert. Daher gefällt mir diese Konzeption der Titan-Crew auch nicht besonders. Man verliert viel zu leicht die Übersicht. Es fühlt sich oft so an, als würde man jede Menge „Aliens-of-the-week“ mitschleppen auf Verdacht, man könne sie irgendwann einmal brauchen. So werden auch in „Over a torrent Sea“ wieder jede Menge Charaktere neu eingeführt, die in nicht mehr als einer Passage oder einem Kapitel relevant sind und deren Rolle ebenso gut von einem Hauptcharakter übernommen hätte werden können.

Die für diesen Roman relevanten „Aliens-of-the-week“ sind die Steuerfrau Aili, die auf einer Wasserwelt wie Droplet aufgewachsen ist, sowie der Wissenschaftler Cethene, der einen sehr stimmungsvoll beschriebenen Tiefseetrip absolvieren darf. Bei Cethene beschränkt sich die Beschreibung hauptsächlich wieder auf spezies-spezifische Eigenschaften, während Aili doch ein wenig mehr persönlichen Hintergrund erhält. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um „Ausschmückungen“ von Background-Informationen, die bereits in den Vorgängerromanen Erwähnung fanden.

Christopher L. Bennett ist ein Autor, der sehr auf wissenschaftliche Genauigkeit achtet. Man hat stets den Eindruck, dass er sich wirklich mit der Materie eingehend befasst hat und er weiß, wovon er schreibt. Allerdings geht die Vermittlung dieses Fachwissens auch auf Kosten des Unterhaltungswertes. Es ist auffällig, wie oft sich die Charaktere in diesem Roman im Konferenzraum oder dem Maschinenraum zusammensetzen und einfach nur diskutieren, wie sie als nächstes vorgehen sollen. Gerade in solchen Szenen fällt der eklatante Mangel eines Charakters wie Spock, Data, T’Pol oder Jadzia Dax auf. Es gibt offenbar auf der Brücke der Titan keine kluge Person, die den anderen Offizieren (und dem Leser!) in kurzen, knappen Worten verständlich erklären kann, was vor sich geht und was passieren wird. In der TNG-Ära ist dies für gewöhnlich die Aufgabe des OPS-Offiziers, doch wo ist Lieutenant Rager hin? In diesem Roman findet werde die OPS-Offizierin, noch ihre Station Erwähnung. Nicht einmal im bereits sehr ausufernden Appendix des Romans ist sie zu finden. Stattdessen wird während der Geschichte mit einem halben Dutzend (teilweise neu eingeführten) Wissenschaftlern an verschiedenen Stellen des Romans in aller Ruhe konferiert. Das empfinde ich leider als sehr schwaches Story-Telling und erzeugt schnell Langeweile.

Nun gut. Jetzt zu den positiven Aspekten: Schön fand ich auf jeden Fall den Schluss mit dem ersten Testflug der Squale-„Raumkapsel“ und den Rikers mit ihrer Tochter. Dabei hätte sich Bennett die – ohnehin kurze – Geheimnistuerei rund um den Namen des Babys sparen können. Die Andeutungen konnten eindeutiger nicht sein. Und wie erwähnt gefielen mir Tuvok und Dr. Ree in diesem Handlungsstrang rund um die Geburt von Deannas Tochter auch sehr gut. Es gibt sicher so einige gute Momente in dem Buch, aber sie werden halt leider immer wieder durch etwas langatmigen und nicht sehr handlungsfördernden Passagen unterbrochen. Die wissenschaftlichen Teile hätte man auch locker in halb so vielen Worten verständlich machen können. Daher bekommt der Roman von mir nur 3 von 6 Sternen.

Anmerkung:

„Over a torrent Sea“ war der erste Roman der „Titan“-Reihe, dessen Handlung nach der „Destiny“-Trilogie spielte. Ich hätte mir gewünscht, wenn diese Ereignisse – ähnlich wie bei der „Voyager“ – zu einer Neuausrichtung der Romanreihe geführt hätte. Im Endeffekt hat „Destiny“ keine Auswirkung auf die U.S.S. Titan, die weiterhin ohne roten Faden einfach nur ein Forschungsschiff in einem unbekannten Winkel der Galaxie bleibt.

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