Rezension: TITAN – „Synthesis“

Im Vergleich zum eher trägen Vorgänger bietet „Synthesis“ ein deutlich größeres Lesevergnügen. Von Anfang an gut erkennbar war, dass James Swallow eine richtig klassische SciFi-Abenteuergeschichte erzählen will. So gibt es recht früh spannende Entdeckungen und auch erste Action. Die neu entdeckte Maschinenspezies der Sentrys empfand ich als interessante Idee, da sie so unterschiedlich sind: Manche sind humanoid, manche seltsam geformt und andere wiederum so groß wie ganze Planeten! Bevor die Sentrys genauer beschrieben wurden, hätte man fast glauben können, es handle sich um jene Maschinen-Spezies, die V’Ger erschaffen hat.

Wie man am Cover erkennen kann, gibt es in diesem Roman ein erneutes Auftauchen des aus TNG bekannten Holograms Minuet, das von einem der Sentrys – White-Blue – als eine Art Avatar für die U.S.S. Titan selbst erschaffen wird. (Auch hier fällt eine Parallele zu V’Ger auf, der auch anfangs nur eine Raumsonde war, der eine Maschinenspezies ein Bewusstsein gab.) Die Erschaffung des Avatars durch White-Blue hat mir  sehr gut gefallen, wenngleich dies Handlung rund um Minuet nicht so wirklich in den Vordergrund tritt. Die meiste Zeit war auch nicht wirklich erkennbar, was sie über das Niveau einer normalen holografischen Version des Schiffscomputers stellt.

Sehr positiv empfand ich, dass Christine Vale ENDLICH einmal wirklich etwas zu tun hatte und als Erster Offizier handeln durfte. Allerdings könnte man auch wiederum negativ anmerken, dass es nach den vorherigen Romanen sehr untypisch war, dass sie auf diesen – wirklich gut beschriebenen – virtuellen Außeneinsatz ging, da er durchaus eine Art diplomatische Mission darstellte. Und für solche Missionen ist eigentlich Deanna Troi als diplomatische Offizierin da. 😉 Dies ist allerdings auch eher eine grundlegende konzeptionelle Schwäche der Romanreihe selbst, die James Swallow hier einfach geradewegs übergeht. Gut so!

Was ich hingegen nicht sehr gelungen fand, war die Bedrohung durch die „Null“. Ziemlich lange verschweigt Swallow die Natur der Bedrohung, hantiert nur mit einem dubiosen Namen und versucht irgendwie, den Feind mysteriöser darzustellen als er ist. Sobald die Null erstmals auftaucht, ist schon klar, was sie ist und woher sie kommt und bietet auch keinen Stoff für weitere Enthüllungen mehr.

Ebenfalls die erfolgreiche Bekämpfung der Bedrohung wird recht plötzlich aus dem Ärmel geschüttelt, indem der Titan-Avatar plötzlich in der Subraumdomäne, aus der die „Null“ stammt, Q-artige Fähigkeiten erhält und den Riss, der die Domäne und unser Universum miteinander verbindet, einfach zuzieht. Ehrlich gesagt wirkt das auf mich so, als würde man einen näher kommenden Wirbelsturm bekämpfen, indem man einen USB-Stick reinwirft. Die Idee, warum der Avatar gerade in diese Domäne so mächtig – bzw. überhaupt handlungsfähig – war, erscheint mir etwas unausgegoren und einfach nur als Versuch, A- und B-Story am Ende miteinander zu verknüpfen. Der Versuch ist aller Ehren wert, lässt er die Geschichte doch sehr kompakt erscheinen. Die Umsetzung hätte aber besser sein können.

Ein weiterer negativer Punkt: Auch bei den Schiffskämpfen gegen die „Null“ kam wenig Stimmung und Spannung auf. Als Naturgewalt, ohne dass man gezielte Reaktionen oder Überlegungen in das stürmische Vorgehen der „Null“ reininterpretieren kann, waren diese Kampfszenarien etwas öde und vor allem zu lang. Spannend war’s dann nur am Schluss, wo man die Aktionen der Titan aus Sicht der Sentrys gesehen hat und damit der Leser auch im Ungewissen blieb.

Soweit zum Positiven und Negativen der Geschichte. Jetzt zu jenem Thema, bei dem ich mir unschlüssig bin: Die leidige Sache mit den Wissenschaftsoffizieren!

Auch in „Synthesis“ gab es wieder zu viele wissenschaftlich gebildete und zuständige Offiziere, die wie Pilze aus dem Fußboden der Brücke zu sprießen scheinen. Lieutenant Rager als OPS-Offizier ist auf jeden Fall nicht von Bord gegangen, wie man bei „Over a Torrent Sea“ noch hätte meinen können. Dort wurde die OPS-Station halt einfach nicht erwähnt. Trotz Anwesenheit hatte Rager auch in „Synthesis“ wenig zu tun. Als wissenschaftliche Ansprechpersonen hängen auf der Brücke dafür dauerhaft Peya Fell und Y’lira Modan rum. Später erscheint dann eher wirklich zufällig die Chefwissenschaftlerin Melora Pazlar auch noch auf der Brücke. Und ich war dann etwas später völlig überwältigt von der Tatsache, dass sie tatsächlich auf der Brücke geblieben ist. Sie war doch bisher immer die Chefwissenschaftlerin, die nie auf der Brücke war, weil sie nicht kapiert hat, dass sie Chefin der Abteilung ist und stattdessen immer noch dauern in der Kartographie rumhing. (Ganz ehrlich: Würde es nicht im Anhang von „Over a Torrent Sea“ stehen, wäre mir nicht aufgefallen, dass ausgerechnet Melora jetzt den Chefposten in der Abteilung übernommen hat.)

Auf jeden Fall blieb Melora und die Führungsoffiziere haben dann bei jeder wissenschaftlich angehauchten Frage Antworten von insgesamt vier verschiedenen Leuten bekommen. Wenn man bedenkt, dass früher nur ein einziger Spock, ein einziger Data, eine einzige T’Pol oder eine einzige Jadzia Dax nötig war … 😉

So für sich klingt das jetzt natürlich negativ. Warum ich aber trotzdem hier einen Hauch Hoffnung auf Besserung sehe ist die Tatsache, dass Melora als Chefwissenschaftlerin endlich den Weg zur Brücke gefunden hat und in Zukunft vielleicht dort bleibt, während sich die von Buch zu Buch wechselnden Wissenschaftler von der Brücke endgültig verabschieden. Ja, es ist eine vage Hoffnung, aber vielleicht war das ja wirklich der Hintergedanke von James Swallow, als er Melora auf die Brücke stolpern und dort bleiben ließ. 😀

Fazit: Mit 4 von 6 Sternen hebt „Synthesis“ das davor bei durchschnittlichen 3 Sternen liegende Niveau der Reihe doch etwas an. Dennoch ist „Synthesis“ weit entfernt, ein wirklich guter Roman zu sein. Er beginnt zwar stark, baut aber auch stark ab und liefert auch eine unbefriedigende Auflösung.

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