Rezension: VAN – „Declassified“

Buch Nummer 6 der Vanguard-Reihe unterscheidet sich im Vergleich zu den vorangegangenen Büchern dadurch, dass es vier kurze Geschichten enthält anstatt einer langen. Nur zwei dieser Geschichten spielen nach den in im Vorgänger „Precipice“ erzählten Ereignissen.

Hier eine Detailbewertung der einzelnen Geschichten:

„Almost Tomorrow“ von Dayton Ward

Diese kleine Vorgeschichte ist gar nicht so unpraktisch, wenn man wie ich schon länger keinen „Vanguard“-Roman mehr gelesen hat. Allerdings kommen die meisten Handlungen nicht über die Klassifizierung „Gedächtnisstütze“ hinaus und lesen sich etwas träge. Es passiert auf der Raumstation fast nur das, was man erwarten würde und manche Passagen erscheinen einem verdächtig aus anderen Büchern der Reihe vertraut ;-).

Gerettet wird „Almost Tomorrow“ aber durch die Geschichte mit der U.S.S. Sagittarius. Eine hübsche kleine Konfrontation mit den Klingonen mit einer originelle Fluchtmethode. Deshalb bekommt diese Geschichte noch knapp 4 Sterne von mir.

„Hard News“ von Kevin Dilmore

Die Geschichte – erzählt aus der Ich-Perspektive von Tim Pennington – hat ein bisschen was Surreales an sich. Warum? Nun, es erinnert mich an Robert Harris‘ Roman „Ghostwriter“, das ebenfalls aus der Ich-Perspektive eines Autors geschrieben ist und mit Ewan McGregor in der Hauptrolle verfilmt wurde, der gleichzeitig wiederum David Macks Besetzungsvorschlag für die Rolle von Tim Pennington ist. Zudem hat Ewan McGregor auch noch einen Reporter im Film „The Men who stare at Goats“ gespielt und kommentiert darin aus der Ich-Perspektive seine Erlebnisse mit. Na, verwirrt genug? 😀

Die Geschichte selbst ist ganz nett, passt sich schön zwischen „Reap the Whirlwind“ und „Open Secrets“ ein. Eine große Offenbarung erleben wir aber auch hier nicht, wobei ich aber vielleicht ein oder zwei Ansätze sehe, die vielleicht in späteren Romanen wieder aufgegriffen werden könnten. Auch hier 4 Sterne.

„The Ruins of Noble Men“ von Marco Palmieri

Die erste Fortsetzung von “Precipice”! Wobei es hier seltsamerweise so ist, dass anfänglich die Rückblenden mehrere Jahre in die Vergangenheit interessanter sind. Hier bekommt man Captain Reyes an Bord der U.S.S. Dauntless in Aktion zu bewundern. Ein interessantes Aufeinandertreffen von Reyes und Gorkon, allerdings wird für meinen Geschmack der klingonische Ehrbegriff wieder einmal sehr inflationär verwendet.

Die „Gegenwarts-Story“ in der abtrünnigen Kolonie mit Dr. Fisher und Rana Desai wurde mit der Zeit aber auch immer interessanter, als klar wurde, dass dort etwas geheimgehalten wird. Meine Hoffnung war, dass dieses Geheimnis irgendwie mit den Shedai und dem Metagenom zusammenhing. Leider Fehlanzeige. Eine erschreckend schwache Auflösung eigentlich, die mehr mit TNG als mit „Vanguard“ (das ganz andere Vorzüge hat) gemeinsam hatte. Anderseits gibt es wiederum auch einige gute Aspekte. Aber mehr als 2 Sterne gehen sich da nicht aus.

„The Stars Look Down“ von David Mack

Ja, bei David Mack, dem „Destroyer of Worlds“,weiß man gleich, woran man ist. Er hat in diesem Buch nur wenig Platz für seine Geschichte, deshalb beginnt er direkt mit einem Massaker! :-D. Und auch während Bridy Macs und Quinns anschließender Geheimmission lässt er fast keine Möglichkeit für Action-Einlagen aus. Allerdings präsentiert er hier etwas zu viel „Jump’n’Run“. Etwas mehr Abwechslung hätte nicht geschadet und wäre angesichts der Kürze der Geschichte vielleicht sogar Pflicht gewesen. Es gibt halt anders in den längeren Romanen keine „entlastenden“ Nebenschauplätze. Die Geschichte bleibt auf Bridy und Quinn fokussiert.

Die zweite Hälfte der Geschichte war dann schon interessanter und setzt die Shedai-Geschichte fort. Spannende und flott erzählt. Was man von einem David Mack halt erwarten kann. Allerdings gibt es auch etwas, das mir übel aufstößt. Mack führt in dieser Story zwei Fakten neu ein: 1) Dass Quinn und Bridy zusammen sind und 2) dass der Shedai-Apostate eine Waffe gegen die herrschenden Shedai bauen ließ. Beides wird am Ende der Geschichte aber zunichte gemacht. Quinn wird wieder zum einsamen Säufer und auf Buch 1-Level zurückgestutzt (mit der Ausnahme, dass er jetzt kein Schiff mehr hat) und der Schlüssel, um die Waffe zu starten und zu finden wird ebenfalls aufgegeben. Ich kann mir zwar noch vorstellen, dass man hier mit einem Kniff noch was reparieren kann (und vielleicht sogar tatsächlich wird), aber in dieser Geschichte selbst wirkt der Verlust von Bridy und des Schlüssels endgültig. Wenn hier noch was repariert werden sollte, fehlt mir zumindest eine spannende Andeutung oder gar ein Cliffhanger am Schluss. (Anmerkung: Und nach dem folgenden Roman „What Judgments come“ sieht es auch nicht so aus, als würde der Schluss von „The Stars look down“ noch relativiert werden.)

Wegen des direkten Bezugs zur Shedai-Handlung und weil diese Geschichte von allen vier noch die größte Relevanz zu haben scheint, gebe ich auch hier 4 Sterne.

FAZIT: Solche Kurzgeschichten, die mitten in die Handlung der Vanguard-Reihe eingebaut werden, widersprechen fast ein bisschen dem Prinzip der Reihe. Sie zeichnet sich normalerweise durch großen Wendungsreichtum aus. In diesen vier Geschichten fehlt dieses Element eigentlich völlig und an der Mack-Story fehlte mir ein wenig eine Art „Cliffhanger“ oder zumindest irgendetwas, dass Spannung oder Vorfreude auf das nächste Buch machen erzeugen würde.

Die Palmieri-Geschichte zieht das Buch insgesamt doch ziemlich runter und da auch die finale Geschichte von David Mack am Ende etwas enttäuschend war, bleibt ein etwas negativer Nachgeschmack zurück. Deshalb reicht es für das Buch insgesamt nur zu 3 Sternen.

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2 Kommentare zu “Rezension: VAN – „Declassified“

  1. Ich habe gerade erst vor einem Tag das Buch beenden können. Hatte es zwar sofort zu Veröffentlichung gekauft und angefangen zu lesen aber wegen dem McCoy Buch nach der ersten kurz Geschichte pausiert.

    Im ersten Moment war ich sehr sehr enttäuscht dass es sich bei diesem Vanguard Roman um kein richtiges Buch sondern um Kurzgeschichten handelt. Hab die erste Geschichte hält dem entsprechend mit etwas Abneigung gelesen gehabt.

    Rückblickend kann ich sagen dass mir die erste Geschichte relativ gut gefallen hat, aber dennoch die die mir am wenigsten gefallen hat.

    Die zweite Geschichte war da schon viel besser da ich den Tim doch mag und so hab ich ab dieser zweiten Geschichte das Buch regelrecht verschlungen. Der aus der Ich-Perspektive geschriebene schreib Stil war etwas ungewöhnlich, aber ich hab mich daran recht schnell gewöhnt gehabt.

    Ich fand die beiden Storys in der dritten Geschichte gleichermaßen interessant. Wobei ich sagen muss dass mir die Auflösung der Story um die Kolonisten doch gut gefallen. Typisch Star Trek mäßig. 🙂 eine Erinnerung dass wir uns im Star Trek Universum befinden. Beim lesen der Vanguard Reihe hat man doch das Gefühl als wäre die Menschheit genauso wie sie es heutzutage ist. Intrigen, Machenschaften, Lügen, Glücksspiel, Mord usw. Halt ganz anders als es zumindest die ersten beiden Star Trek Serien uns vermitteln. TOS und TNG. Daher bin ich mit der Auflösung der Kolonisten Geschichte doch zufrieden. Wobei auch hier angedeutet wird, dass man den Leuten in der Föderation nicht wirklich Vertrauen kann.

    Die vierte Geschichte war für mich die Beste wobei mich das Ende etwas enttäuschte. Alles war sehr spannend und flot geschrieben. Hat mich sehr gefesselt.
    Ich muss sagen dass mir die Geschichten mit Tim und Quinn am besten gefallen.

    Schade dass es auf die Ereignisse dieser Geschichte im weiterem Buch nicht richtig eingegangen wird, so wirkt das Buch als ein luken Füller. Nicht wirklich für die Vanguard Reihe relevant.

    Trotzdem waren die Geschichten an sich sehr gut. Alles im allen hat mir das Buch etwas mehr als dir gefallen. Wurde hier 4 Sterne vergeben.

    • Bei der dritten Geschichte war für mich wohl das Problem, dass sie mir schon wieder zu Star Trek-typisch war, so dass sie schon nicht mehr Vanguard-typisch war. 😀 Ich würde persönlich auch nicht TOS und TNG in einen Topf werfen. Die beiden Serien sind schon, was die Verhaltensweise der Personen angeht, doch wiederum recht unterschiedlich.

      Die vierte Geschichte hat gegenüber den anderen Storys den Vorteil, dass sie in den beiden folgenden Romanen nochmals aufgegriffen wird.

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