Rezension: Comic – „McCoy“

Ich lese nur recht selten Comics, doch als vor ein paar Jahren das offizielle Prequel des elften Star Trek-Films „Countdown“ in dieser Form erschienen ist, bin ich wieder auf den Geschmack gekommen und habe mir kürzlich den Comicband „McCoy“ (Originaltitel: „Leonard McCoy – Frontier Doctor“) gekauft.

Gleich das Titelbild empfinde ich als wirklich gelungen: McCoy vor einer Gruppe diverser Aliens mit unterschiedlichsten Wehwehchen stehend und „Der nächste!“ rufend. Nur schade, dass der Titelzusatz „Frontier Doctor“ (Doktor im Grenzgebiet) verloren gegangen ist, der die Vielfältigkeit von McCoys Patienten auch direkt erklärt hätte.

Die Geschichte ist zwischen dem Ende der Originalserie und dem ersten Kinofilm angesiedelt und beginnt damit, dass Admiral Kirk einen Brief seines Freunds Leonard McCoy zugestellt bekommt, der beim „Medizinschen Grenz-Programm der Föderation“ tätig ist und mit einem Kollegen (und bald schon einer blinden Passagierin) mit dem kleinen Raumschiff Joanna von einer abgelegenen Welt zur nächsten fliegt und bei kleineren und größeren medizinische Notfällen helfend eingreift.

Das Buch setzt sich aus fünf Geschichten zusammen, die McCoy in Form eines Briefes verfasst und an Admiral Kirk auf der Erde schickt. Daher wird in den Geschichten abgesehen von der üblichen Handlung, auch öfters von McCoy mitkommentiert. Dies ist hin und wieder zwar ganz nett zu lesen, gelegentlich aber auch störend, wenn er die erzählte Handlung in kurzen Abständen ständig unterbricht. Zumindest McCoys Ausdrucksweise ist aber ziemlich gut getroffen.

Die Geschichten selbst sind von unterschiedlicher Qualität und der Umstand, dass es eigentlich nicht möglich ist, mehr als zwei hintereinander zu lesen ist wohl auch der beste Beweis dafür, dass für keine Star Trek-TV-Serien jemals 5 „Doktor-Folgen“ hintereinander gezeigt wurden. Nach den ersten beiden Geschichten, die vom Konzept her noch sehr ähnlich sind, ist die dritte Geschichte thematisch schon etwas anders gelagert, finden sich McCoy und seine Crew doch auf einem wahren Kriegsplaneten wieder und treffen dort einige alte Bekannte wieder. Diese Geschichte stellt einen gewissen Wendepunkt dar, McCoy und seine bisherigen Kameraden gehen getrennte Wege und McCoy bleibt vorübergehend auf der U.S.S. Yorktown, wo Christine Chapel inzwischen Chefärztin ist. Mit ihr zusammen darf er in der vierten Geschichte ein sich auf dem Schiff ausweitende Seuche bekämpfen, was wiederum den ersten beiden Storys inhaltlich ähnelt. Das Finale hingegen hat dann eigentlich überhaupt nichts mehr mit McCoys Arbeit zu tun. Hier besucht er einen alten Freund, der ihm kurz vor dessen sicheren Tod in ein erstaunliches Geheimnis einweiht. Die 5. Geschichte ist gleichzeitig eindeutig die interessanteste, wenngleich der Schluss etwas offen wirkt. Man kann zwar leicht erahnen, was McCoy am Ende vor hat, aber da dem Leser die Umsetzung dieses Vorhabens nicht gezeigt wird, bleiben Zweifel zurück, ob das funktionieren kann

FAZIT: Diese Comic-Sammlung bietet drei eher konventionelle Arzt-Geschichten und zwei die ein wenig hervorstechen. In Summe sind die Geschichten aber eher Standardkost und auch wenn der stets grantige McCoy sehr gut getroffen ist, hätten die Geschichten wohl ein wenig mehr Humor vertragen können. Ein paar der Geschichten stimmen schon recht schwermütig und hätten zwischendurch eine Auflockerung gut vertragen können. Aber dazu fehlt McCoy (dem Charakter wie auch dem Buch selbst) leider eine wichtige „Zutat“: Spock. So sind die Geschichten zwar nicht unsympathisch, aber eben auch nicht wirklich etwas Besonderes. Daher gibt es nur 3 von 6 Sternen für den Comic.

Zu den Zeichnungen: Wirklich sehr schöne Bilder, die John Byrne hier abliefert. Sie haben eine sehr angenehme, durchgehende Ästhetik, sind ausreichend detailliert und weisen mitunter hübsche Designelemente auf. Wenn es allerdings einen Charakter gibt, den er nicht so gut getroffen hat, dann ist es Admiral Kirk, der nur dank seiner Admiralsuniform erkennbar ist.

Anmerkungen:

Es gibt 3 Anhänge in diesem Buch. Skizzen, ein Portrait über John Byrne und eine Übersicht der Verknüpfungen zur TV-Serie. Leider ist dieser letzte Anhang zwar informativ, aber relativ nutzlos zum Nachschlagen. Es wird nämlich jeweils eine Seite angegeben, auf der sich die entsprechende Andeutung im Comic befindet. Kleines Problem daran: Der Comic hat keine Seitennummerierung!

Ebenfalls auffallen ist, dass der Text in den Sprechblasen in den Seitenmitten manchmal schwer zu lesen. Gelegentlich kratzen die Buchstaben schon am Bund. Manchmal hat man fast Angst, man würde das Buch in der Mitte auseinanderreißen müssen, um alles lesen zu können.

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