Rezension: Comic – „Countdown“

Dieser Comic läutete die Renaissance der Star Trek-Comics im deutschen Sprachraum ein. Die Erzählung der Vorgeschichte des elften Star Trek-Films wurde von Cross Cult im April 2009 – gerade rechtzeitig vor dem Kinostart des Films – aufgelegt.

Allerdings sei eines vorweg gesagt: „Countdown“ – auch wenn er die Vorgeschichte zum Film erzählt – wurde erst nach dem Kinofilm produziert. Daher ist die Geschichte, die wir im Film in Form von Spocks Gedankenverschmelzung mit dem jungen Jim Kirk sehen, im Comic ausformuliert und der Ablauf der Handlung nicht ganz identisch, wenngleich aber alle wichtigen Elemente – auch fast in exakt den selben Bildern wie im Film – vorhanden sind. Da die Geschichte von Bob Orci und Alex Kurtzman stammt, hat „Countdown“ formell einen „Semi-Canon“-Status, wie alle Produzentenaussagen auch. Allerdings hat Bob Orci selbst – da der Comic erst nachträglich erschien und er auf den etwas unterschiedlichen Geschichtsablauf darin hingewiesen wurde – eingeräumt, dass man „Countdown“ nicht als definitiv annehmen sollte. Ich persönlich finde das etwas schade, da die Differenzen meiner Meinung nach einerseits zu vernachlässigen sind und im Interpretationsspielraum einer Gedankenverschmelzung liegen. Und anderseits, weil „Countdown“ wirklich eine interessante Vorgeschichte liefert.

Die Kenntnis des elfte Star Trek-Films (der mir übrigens hervorragend gefallen hat), nimmt natürlich ein wenig vorweg: Der Auslöser für die Zeitreise, die der Romulaner Nero und der alte Spock unternehmen, ist die Zerstörung von Romulus. Allerdings haben wir im Film einiges nicht erfahren: So z.B. dass die Supernova, die Romulus zerstört hat, vom Hobus-Stern ausging und Nero mit der Narada – die am Beginn des Comics noch kaum Gemeinsamkeiten mit dem gleichnamigen Schiff in Star Trek 11 hat – in der Nähe war und als einer der wenigen Romulaner die Gefahr erkennt, die von dieser Supernova ausgeht.

Der romulanische Senat ist alles andere als überzeugt davon, dass die Supernova eine Gefahr für das Imperium ist. Der Föderationsborschafter auf Romulus – Spock – hat es daher nicht leicht, die Romulaner davon zu überzeugen, dass diese Supernova eine gefährliche Ausnahme darstellt. Und schon gar nicht, da Spocks Lösungsvorschlag vorsieht, dass das Imperium eine große Menge Decalithium an Vulkan überstellt, da dort die Technologie existiert, diese Substanz in Rote Materie umzuwandeln, die die Supernova stoppen und in ein Schwarzes Loch umwandeln vermag. Der einzige, der Spock ernsthaft Gehör schenkt, ist Nero von der Minengilde. Er ist davon überzeugt, dass sich der Senat irrt und verbündet sich mit Spock, um sein Volk – und seine schwangere Ehefrau – vor der drohenden Vernichtung zu retten. Zusammen – und auch unter der Mithilfe der U.S.S. Enterprise unter dem Kommando eines bekannten Androiden – bricht die Narada auf, um Decalithium zu sammeln. Dies ist jedoch nur der Beginn einer beschwerlichen Reise, die Nero als Captain eines Minenschiffs beginnt und durch Verlust und Trauer in den Wahnsinn getrieben als Captain mit einem gewaltigen Schlachtschiff beendet.

Fazit: „Countdown“ erzählt eine wirklich gelungene Vorgeschichte zum elften Kinofilm, die natürlich eine Fortsetzung des alten Universums darstellt. Rund 8 Jahre nach „Nemesis“ erfahren wird viel über die TNG-Crew, dass Captain Picard nun Botschafter ist (wie im TNG-Finale „Gestern, heute, morgen“ vorhergesagt), Geordi nun ziviler Schiffsbauer (und der eigentliche Konstrukteur von Spocks Schiff) ist. Sowie dass Datas Gedächtnismuster tatsächlich irgendwann in diesen 8 Jahren den Prototyp-Androiden B4 übernommen haben und dieser nun Captain der Enterprise ist. Noch interessanter als diese vielen TNG-Anspielungen ist aber natürlich die Frage, ob „Countdown“ als Zusatzliteratur zum Kinofilm funktioniert. Ja, absolut! Während sich der Film naturgemäß primär darum gekümmert hat, die „neuen alten Helden“ einzuführen, ist die Einführung von Nero in „Countdown“ sowie dessen Relation zu Spock sehr gelungen.

Womit ich etwas Probleme hatte, war das Verhalten der Vulkanier. Eigentlich ist es nicht mehr als ein wenig Bürokratie, die das Aufhalten der Supernova verzögert und somit zur Zerstörung von Romulus aber später zur Rettung der Föderation führt. Allerdings ist dies auch wieder ein Umstand, der gut zu Neros Zorn auf die Vulkanier passt. Trotzdem ist dieser Mittelteil des Comics ein wenig Unrund. Deshalb – und weil die Zeichnungen von David Messina zwar oft sehr gut sind, aber deutlich stärker in der Qualität schwanken als z.B. jene von John Byrne in „McCoy“, gebe ich 5 von 6 Sterne.

Anmerkungen:

David Messina hat sich bei den Uniformen bei „Star Trek Online“ bedient. Die Schnittmuster der Sternenflottenuniformen in „Countdown“ sind mehr oder weniger identisch mit solchen, die es auch beim Online-Rollenspiel gibt, das zeitlich ja jenseits des Jahres 2400 angesetzt ist und in seiner Vorgeschichte auch die Ereignisse aus „Countdown“ berücksichtigt.

Eine technologische Weiterentwicklung ist auf der Enterprise-E zu beobachten. Zwar sieht alles sehr vertraut aus, aber an den Brücksenstationen gibt es vor den Konsolen schwebende Holo-Displays. Das sollte all jene freuen, die sich schon immer darüber beschwert haben, dass es den wichtigsten Brückenstationen an großen Bildschirmen fehlt. 😀

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