Rezension: Comic – „Nero“

Während sich der Vorgänger-Comic „Countdown“ mit der Vorgeschichte Neros im alten Universum auseinandersetzte, füllt der nach der Figur benannte Comic ebenfalls eine Lücke in Neros Lebenslauf. Der Comic erzählt die Ereignisse aus Neros Perspektive nach, die zwischen der Beschädigung der Narada (gleich am Beginn von Star Trek 11) und dem Auftauchen der Narada im Orbit von Vulkan stattfanden.

Der Comic erzählt vor allem am Beginn jene Geschichte, die bereits für die Verfilmung geplant gewesen wäre. Bereits im Kinofilm hätte die schwer beschädigte Naradas von Klingonen geentert werden sollen, die das Schiff in den Orbit von Rura Penthe bringen und die überlebenden Romulaner in die dortigen Dilithium-Minen schicken. Diese Szenen landeten auf dem Boden des Schneideraums, doch „Nero“ erzählt diese Zwischengeschichte recht ausführlich. Interessant fand ich vor allem – obwohl mir die geschnittenen Szenen aus dem Film bereits vorab bekannt waren – dass mir erst durch den Comic aufgefallen ist, wie hervorragend gewählt Rura Penthe als Schauplatz war. Immerhin waren Nero und seine Getreuen früher Minenarbeiter und so überrascht es nicht, dass sie aufgrund ihrer Qualifikationen und ihres Wissens um den Bergbau ein – relativ – privilegiertes Leben in den Dilithiumminen führten und deshalb mehr als 2 Jahrzehnte überlebt haben.

Vor allem die ersten beiden Kapiteln von insgesamt vier sind sehr interessant zu lesen und überbrücken den langen Zeitraum trotz weniger zur Verfügung stehender Seiten sehr gut.

Das dritte Kapitel ist … naja, nennen wir es „sonderbar“. Hier wird ein Bezug zwischen Neros Wissen über den Ankunftszeitpunkt und -ort von Spock in der neuen Zeitlinie und V’Ger hergestellt. Ja, richtig gelesen. Die alte, aufgemotzte Raumsonde, die von einem Maschinenplaneten aus zur Erde zurückgeschickt wurde, hat eine Begegnung mit Nero bzw. der Narada. Denn das Schiff macht sich selbstständig und folgt einem „Ruf“ von V’Ger. Das liegt daran, dass die Narada, die wie wir aus „Countdown“ wissen durch Borg-Technologie zu einem Kriegsschiff verwandelt wurde, von V’Ger als ähnliches „Wesen“ erkannt wird. Diese Handlung spielt natürlich mit der Theorie vieler Fans, dass V’Ger einst von den Borg gefunden und umgerüstet wurde. Allerdings wird in „Nero“ nur darauf hingewiesen, dass eine Ähnlichkeit besteht und nicht, dass es tatsächlich die Borg waren, die V’Ger zurückschickten.

Auch wenn diese Begegnung etwas seltsam anmuten mag, hat auch das dritte Kapitel seine Momente. Einerseits zeichnet David Messina viele bekannte und ikonische Orte detailreich nach. Anderseits gefällt mir auch, dass Nero fühlt, dass V’Ger sich gerne wünscht, Nero zu „assimilieren“, bzw. im Jargon des 1. Star Trek-Films, mit ihm zu verschmelzen. Doch V’Ger scheitert an dem Versuch, da Nero etwas besitzt, dass V’Ger nicht aufnehmen kann: Neros Hass! Ich finde, das ist schon einer sehr aufschlussreiche Stelle im Buch.

Im vierten und letzten Kapitel begegnet Nero schließlich Spock wieder. Besonders interessant an diesem Kapitel sind vor allem die Einblicke in Spocks Gedanken, der einen wirklich schön nostalgisch werden lässt, wenn sich trotz Gefangenschaft an Bord der Narada seine Gedanken darum drehen, dass seine alten Freunde wieder am Leben sind und dass er sie gefährdet hat. Spock zieht hier also keine Linie zwischen dem alten und neuen Universum. Auch begreift er, dass jener Nero, den er vor Romulus‘ Vernichtung begegnet ist, nicht mehr existiert und nur noch Hass von ihm übrig geblieben ist.

Fazit: „Nero“ ist als Lückenschließer des Kinofilms ebenso stark wie „Countdown“. Vielleicht einerseits etwas stärker, weil „Nero“ während und nicht vor den Ereignissen des Films spielt. Anderseits wiederum schwächer, weil der Zusammenhang mit V’Ger etwas aus dem Hut gezaubert wirkt. In Summe würde ich „Nero“ minimal schwächer bewerten als „Countdown“, aber immer noch 5 Sterne wert.

David Messina kann sich in diesem Buch vor allem durch die schöne Wiedergabe vertrauter Umgebungen auszeichnen wie auch bei der großen Weltraumschlacht im vierten Kapitel. Bei den Figuren ist die Qualität hingegen etwas schwankend.

Anmerkung:

Ein Kolorierungsfehler ist sehr auffällig. Als Nero Spock schlägt, tropft rotes Blut von Spocks Unterlippe. Es sollte eigentlich grün sein.

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