Rezension: ETP – „Rosetta“

„Rosetta“ kennzeichnet nicht nur den letzten „Enterprise“-Roman von Dave Stern, sondern auch gleichzeitig den letzten „Enterprise“-Roman, ehe das Autorenduo Mangels&Martin seinen Relaunch startete. Daher finden die Ereignisse dieses Romans noch während der laufenden Serie statt, und zwar zwischen den Episoden „Verbunden“ und „Dämonen“ der 4. Staffel.

Wie man am Cover-Motiv bereits erkennt, geht es in diesem Roman vorrangig um Hoshi Sato. Dave Stern hat bereits in „Der Preis der Ehre“ Malcolm Reed und in „Daedalus“ Trip Tucker in den Mittelpunkt der Handlung gestellt. Diesmal kommt die Kommunikationsoffizierin der NX-01 zu dieser Ehre und wird hier vor regelrecht existenzielle Zweifel gestellt. Denn was hat es nur zu bedeuten, wenn das Sprachgenie und Wunderkind plötzlich mit der Übersetzung einer fremden Sprache überfordert ist? Eine Nachwirkung der „Behandlung“, die ihr die Xindi in „Countdown“ zu Teil werden ließen?

Konkret geht es um die Übersetzung der Sprache einer recht feindselig eingestellten Spezies, den Antianna, die offenbar Besitzansprüche auf Territorium stellen, das eigentlich die thelasianische Konföderation für sich beansprucht. Dies ist jedoch nur eine Annahme, bleibt die ständig wiederholte Nachricht der Antianna doch völlig rätselhaft für Hoshi und auch für die Thelasianer, die die Anführer einer Art Handelsgilde sind. Mit den Thelasianern – konkret Gouverneur Sen – an der Spitze dieser Gilde haben sich die Antianna allerdings einen kampfbereiten Gegner gesucht, denn Sen würde nur zu gerne die Waffen sprechen lassen. Sen und seine Beziehung zu den anderen Gildenmitgliedern erinnert hier ein wenig an den Imperator und den imperialen Senat aus „Star Wars“. (Die Hauptstadt ist dazu ähnlich pompös wie Coruscant beschrieben.) Im Endeffekt geben sich alle zufrieden und jubeln Sen gerne hoch erfreut zu, wenn dieser Taten verspricht. Dieser Art von Demokratie ist Sen auch nicht besonders abgeneigt, doch hätte er besser nicht die Führungsoffiziere der Enterprise eingeladen, die beim Einflug in die thelasianische Konföderation bereits Bekanntschaft mit den Antianna gemacht haben. Denn Captain Archer bringt die versammelten Konföderationsmitglieder auf eine weit friedfertigere Linie und schwört sie darauf ein, alle Bemühungen zu unternehmen, um die geheimnisvolle Sprache der Antianna zu übersetzen. Das hindert Sen jedoch nicht daran, eine große Kriegsflotte aufzustellen. Was auch das letzte sein sollte, das er als thelasianischer Gouverneur tun sollte …

Das klingt zuerst ja nach einer relativ schlichten Geschichte, doch aus dieser überschaubaren Ausgangslage holt Dave Stern sehr viel heraus. Hoshis Vergangenheitsbewältigung ist dabei eigentlich nicht mehr als eine Randnotiz, Hoshi kann bis zum Schluss des Romans ihre Kombinationsgabe schließlich entscheidend einsetzen. Ich würde sogar sagen, man erhält mehr Einsichten darüber, wie das Übersetzen völlig fremder Sprachen – zumindest im Star Trek-Universum – funktionieren könnte, als Einsichten über Hoshi selbst.

Aber auch die anderen Hauptcharaktere der Serie sind währenddessen sehr beschäftigt – allen voran Archer, der sich auf eine interessante wenngleich unfreiwillige Reise begibt. Und was oberflächlich betrachtet wie eine Story nach Schema-F aussieht, entpuppt sich mit der Zeit als sehr gut in die 4. Staffel eingearbeitete Geschichte, die sich erst nach und nach entfaltet. Müsste ich „Rosetta“ abgesehen vom SciFi- und Star Trek-Setting noch einem Genre zuordnen, dann wäre es wohl das Krimi-Genre. Besonders der Handlungsstrang um Lieutenant Reeds und Ensign Mayweathers Nachforschungen beschreibt eigentlich klassische Ermittlungsarbeit.

Was jedoch stört: Während die Geschichte rund um Hoshi mit einem wirklich überraschenden Science-Ficiton-Twist abgeschlossen wird, bleibt die zweite Handlung eher offen. Am Ende bleibt das starke Gefühl zurück, Dave Stern habe hier bereits Vorarbeit für eine Fortsetzung geleistet. Leider bekam er die Chance dazu nicht mehr und Mangels&Martin haben in ihren Relaunch-Romanen dieses offene Ende auch nicht mehr aufgeschnappt.

Ebenfalls ein wenig zu bemängeln habe ich, dass die Geschichte in der Mitte etwas an Fahrt verliert. Also ungefähr zu jenem Zeitpunkt, als aus einer Geschichte zwei werden. Jede für sich ist interessant, aber ich denke, man hätte sie auch etwas flotter erzählen können. In Summe bekommt der Roman daher „nur“ solide 4 Sterne.

Anmerkungen:

Die Jahreszahlen in der dem Roman vorangestellten „Historian’s Note“ sind falsch. Statt 2254 und 2255 müsste es 2154 und 2155 lauten. Die Ereignisse finden zwischen den ETP-Episoden der 4. Staffel „Verbunden“ und „Dämonen“ statt.

Der „Azure-Nebel“ wird im Roman erwähnt. Doch in der ein paar Jahre später erschienen „Destiny“-Trilogie wird behauptet, der Nebel wäre erst 2168 aufgrund einer Supernova entstanden.

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