Rezension: TOS – „The Rings of Time“

Dem Leser wird relativ früh klar gemacht, dass in diesem Roman zwei Handlungsstränge – einer im Jahr 2020, der andere im Jahr 2270 angesiedelt – unweigerlich zusammenlaufen werden. Von Kapitel zu Kapitel wird zwischen beiden Zeiten ständig gewechselt und die Parallelen sind mehr als deutlich: Im Jahr 2020 bricht Colonel Shaun Christopher mit dem ersten Impuls-Raumschiff der Menschheit zum Saturn auf, dessen Ringe leichte Instabilitäten aufweisen und der bald die Passage eines großen Kometen erwartet. Im Jahr 2270 wird die Enterprise zu einer Minenkolonie auf einem kleinen Mond im Inneren der Ringe des Gasriesen Klondike VI gerufen. Die Ringe destabilisieren sich stark und gefährden die Kolonie, während sich auch hier ein Komet dem Planeten nähert.

Diese Parallelen sind natürlich kein Zufall und es ist auch keine große Überraschung, als sich beide Handlungen erstmals kreuzen und Captain Kirks Bewusstsein in den Körper von Colonel Christopher transferiert wird und umgekehrt. Während Christopher im 23. Jahrhundert mit dem Wechsel nicht besonders gut zurecht kommt, täuscht Kirk zwecks Erhaltung der Zeitlinie vor, Colonel Christopher zu sein.

Ab hier verlaufen die Handlungen wieder eine ganze Weile getrennt voneinander und es nach dem Bewusstseinstausch auch ein wenig langweilig, wenn einerseits Spock und McCoy bzw. in der Vergangenheit Kirk die gleichen Überlegungen anstellen. Hier gibt es also gewisse Wiederholungen und es werden Informationen wiedergekaut, die dem Leser bereits bekannt sind. Erst gegen Ende hin kommt dann wirklich Spannung auf, wenn Kirk in der Vergangenheit und Christopher in der Zukunft Katastrophen für die Saturn-Mission bzw. die Minenkolonie verhindern können. Allerdings erscheinen beide Problemlösung wenig glaubhaft. Wie Christopher zur Rettung der Minenkolonie beiträgt, ist schon fast zu primitiv, während Kirk die Saturn-Mission rettet, indem er MacGyver spielt (was aber wenigstens auch ganz direkt angesprochen wird) und von einigen günstigen Zufälligkeiten profitiert.

Wenngleich die Stimmung auf den Raumschiffen während den Missionen gut vermittelt wird (gut getroffene TOS-Atmosphäre im 23. Jahrhundert bzw. ein Hauch von „2001 – Odyssee im Weltraum“ im 21. Jahrhundert) hat die Geschichte am Schluss einige Probleme mit der Glaubwürdigkeit. Das trifft auch nach der Bewältigung der beiden unmittelbaren Krisen zu, wenn es darum geht, Kirks und Christophers Bewusstsein wieder in die entsprechenden Körper zu transferieren. Zudem bleibt die Geschichte einige Erklärungen schuldig, während die Anspielung auf künftige Ereignisse im TNG-Pilotfilm „Der Mächtige/Mission Farpoint“ entbehrlich gewesen wären.

Dieser Roman von Greg Cox bekommt von mir lediglich 2 Sterne. „The Rings of Time“ ist leider einer seiner schwächeren Romane, wenngleich Cox auch vorher nicht unbedingt dafür bekannt war, hochdramatische, spannende Action-Sequenzen zu schreiben. Hätte er das in diesem Roman geschafft, hätte es für das Fehlen einer seiner Stärken vielleicht etwas entschädigt. Denn meistens gelingt es Cox aus der sich aufbauenden Handlung Spannung zu erzeugen. Das funktioniert in „The Rings of Time“ hauptsächlich wegen des etwas seltsamen Lösungskonstrukts nicht. Ich kann zwar seine Absicht dahinter erkennen, aber das macht die Auflösung auch nicht glaubwürdiger.

Anmerkungen:

Es ist interessant zu sehen, wie ähnlich sich doch die Jahre 2012 und 2020 sind. Es gibt eine Wirtschaftskrise, hohe Arbeitslosigkeit, kaum Interesse an der Raumfahrt, ja nicht einmal eine aktuelle TV-Serie dazu. Mit dem Blick 8 Jahre in die Zukunft könnte man meinen, dass Greg Cox mit seiner Prognose nicht allzu viel Risiko eingeht. Allerdings leitet er seine Aussagen von der sehr guten DS9-Doppelfolge „Gefangen in der Vergangenheit“ ab, die eine solche Krise bereits Anfang 1995 vorausgesagt hat. Wirklich erschreckend, wie akkurat die Voraussage war, wenngleich ich doch hoffe, dass sich die Lage bis 2020 wieder etwas erholt und zumindest ein Großteil der westlichen Welt ihre Lehren daraus zieht.

Wie schon in seinen „Eugenics Wars“-Romanen bringt Cox in den Passagen, die 2020 angesiedelt sind, viele zeitgenössische Begriffe unter: MacGyver, Will Smith, Lady Gaga, Bill Gates, Steve Jobs, Blog, Tablet-Computer usw.

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