Rezension: TOS – „That which divides“

Gleich am Beginn dieses Romans folgt der Leser einer Forschungsmission der U.S.S. Huang Zhong, die im Kondaii-System einen von einer seltsamen Barriere umgebenen Planeten erkunden möchte. Von den alliierten Dolysianern, die im selben Sonnensystem beheimatet sind, erfährt die Crew des Forschungsschiffes, dass sich die Passage, die Zugang zum rohstoffreichen Planteten ermöglicht, nur alle drei Jahre für wenige Tage öffnet und dieser Turnus genutzt wird, um den auf dem Planeten abgebauten Rohstoff und Versorgungsgüter mit der dolysianischen Bergbaukolonie auszutauschen. Dem Versprechen folgend, dass der Weg durch die Passage völlig gefahrlos ist, dringt die Huang Zhong in die Barriere ein.

Sehr früh im Roman wird die Crew der Huang Zhong – eines kleinen Schiffs der Archer-Klasse mit einer überschaubaren Anzahl an Crewmitgliedern – ziemlich umfangreich vorgestellt. Dayton Ward ist es ja dank „Vanguard“ gewohnt, Geschichten mit mehr als nur einer Raumschiffbesatzung zu erzählen, insofern hatte ich mich schon früh darauf eingestellt, dass auch in „That which divides“ nicht nur die Enterprise-Besatzung im Mittelpunkt stehen würde. Doch es kommt auch wegen der detaillierten Einführung der Huang Zhong-Crew sehr überraschend, dass sich die Besatzung dieses unglücksseligen Schiffes rasch auf drei Überlebende reduziert. Denn der aktive Warpantrieb der Huang Zhong interferiert mit der Barriere und das Schiff erleidet schwere Schäden. Zwar kann es sich noch in den Orbit der Bergbaukolonie retten, wird dort auf der Suche nach einem Landeplatz aber plötzlich von einem Traktorstrahl erfasst und zum Absturz gebracht. Ein gleichermaßen tragischer wie mysteriöser Zwischenfall, denn die Dolysianer verfügen nicht über Traktorstrahltechnologie.

Wie die Enterprise-Crew bei ihren Nachforschungen feststellt, verbirgt sich hinter dem mysteriösen Angriff auf die Huang  Zhong eine uralte, überlegene Technologie, die die Geheimnisse eines ausgestorbenen Volkes beschützt. Tja, wer „A Decade of Storm“ gelesen hat der weiß, dass dies absolut eine Story nach meinem Geschmack ist! Und noch interessanter wird es, als sich herausstellt, dass dieses ausgestorbene Volk bereits aus TOS bekannt ist (der Titel des Romans könnte hier einen entscheidenden Hinweis geben) und die Romulaner aufkreuzen um sich diese Technologie anzusehen. Oder besser gesagt um sich was auch immer anzusehen, was sich die Föderation ansehen will. Auch die Crew des romulanischen Schiffs wird von Dayton Ward wieder sehr ausführlich beschrieben und verzichtet (größtenteils) auf die üblichen Bösewicht-Klischees.

Bis die Geschichte aber richtig an Fahrt gewinnt, muss man aber durch ziemlich viele Seiten blättern. Denn nach dem Absturz der Huang Zhong geht es bis ca. zur Hälfte des Romans ziemlich gemächlich weiter, ehe all diese Entdeckungen und Handlungen wirklich zu Tage treten. Eigentlich schade, denn die Geschichte enthält alle Zutaten für einen wirklich spannenden Page-Turner, doch Dayton Ward dehnt die Geschichte für meinen Geschmack zu stark und füllt sie eigentlich durchgehend mit zu viel unnötiger und teilweise wiederholter Exposition. Wirklich schade, denn „That which divides“ ist eine schöne, wirklich klassische TOS-Geschichte, die auch gut als TV-Folge funktioniert hätte. Eigentlich alles da, was dazu gehört und – im Gegensatz zu vielen anderen TOS-Romanen – ohne Einfügung eines „Fremdkörpers“, der sich für den Kenner schwer mit TOS assoziieren ließe. Lustig ist auch, dass die Enterprise-Crew selbst augenzwinkernd über gewisse TOS-typische Elemente spricht. Wie dass sich Kirk seine Uniform zerreißt (McCoy dazu: „Es war mal wieder fällig.“) oder das „Totquatschen“ eines fremden Computers („Wo ist Jim, wenn man ihn mal braucht?“).

Fazit: Dayton Ward  macht mit seiner Geschichte, die jeden Fan der „Original Series“ sicher gut gefallen wird, eigentlich alles richtig. Allerdings dämpft Wards Schreibstil – der mir in dieser ausschweifenden Art in seinen vorangegangenen Romanen noch nicht aufgefallen wäre – das Lesevergnügen bedeutend. Ein typischer Kandidat für 3,5 Sterne, da ich aber keine halben Sterne vergebe und der abschließende Eindruck doch positiv war, gebe ich ganz knapp 4 Sterne.

Anmerkung:

Da diese Geschichte gegen Ende von Kirks erster 5-Jahres-Mission angesiedelt ist, sind diesmal auch die aus „The Animated Series“ bekannten Charaktere Arex und M’Ress dabei. Wenngleich Arex‘ Spezies hier – wie allgemein in den Romanen – als Triexianer bezeichnet wird und nicht wie laut den TAS-Produktionsinfos als Edosianer.

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