Rezension: „Twilight“

Mit den Rezensionen zu den „4400“-Romanen hat dieser Blog ja bereits mal über den „Star Trek“-Tellerrand geblickt. Nun geht’s weiter mit Rezensionen zu einer anderen Romanreihe, die diesmal kein Tie-In zu einer TV-Serie und bei der die Meinungen extrem weit auseinander gehen: Die „Twilight“-Reihe.

Aufmerksam bin ich auf diese Bücher erst durch die Verfilmungen geworden. Genauer gesagt durch Schimpftriaden und vernichtende Kritiken sowohl zu den Filmen als auch zu den Büchern. 😀 Also dachte ich mir, dass ich mir da selbst ein Bild davon machen sollte und habe beschlossen, einfach mal die Romane von Stephenie Meyer zu lesen. Begonnen habe ich natürlich mit dem ersten Buch „Twilight“ (deutscher Titel „Bis(s) zum Morgengrauen“).

Anmerkung: Als ich die Romane gelesen habe, hatte ich noch keinen der Filme gesehen, ich ging also völlig unvorbelastet an die Sache heran.


Erster Eindruck: Ich-Erzählform. Tja, ich bin kein Fan der Ich-Erzählung und würde selbst nie etwas in dieser Form schreiben, weil ich die Form zu stark einengend finde, wenn man sich immer nur an einen Charakter – in diesem Fall eine Jugendliche namens Bella – ran hängt. Aber das soll jetzt keine Abwertung vorab sein. Ich habe kurze Zeit vorher „Ghost“ von Robert Harris gelesen, der ebenfalls in dieser Form schreibt, und fand das Buch nicht schlecht (und war angesichts der Schluss-Pointe auch notwendig). Und man darf sich als männlicher Leser auch nicht daran stören, dass die Geschichte aus Sicht eines 17jährigen Mädchens geschrieben ist, das zu ihrem Vater in die kleine Stadt Forks (US-Staat Washington, bekannt für das schlechte Wetter) umzieht und sich mit ihrer neuen Umgebung vertraut macht.

Überrascht habe ich dann nach den ersten paar Seiten festgestellt, dass mir die Ich-Form im Englischen gar nicht so ungeschickt und hölzern vorkommt wie im Deutschen. Auch wenn Bella eine sehr Ich-bezogene Person ist. 😀 Trotzdem gelingt es im ersten Viertel der Autorin Stephenie Meyer schön, den Ort Forks und die vorherrschende Stimmung einzufangen. Es wird ein sehr düsteres Bild eines Ortes gezeichnet, der an sich aber sehr schön ist und nicht bedrückend wirkt. Die Vorstellung und Einführung der einzelnen Charaktere verläuft auch sehr schön fließend, man bekommt schnell ein Gefühl dafür, welche Personen für die Handlung wichtig werden und welche nicht so sehr. Zudem wird recht früh das Mysterium rund um Edward Cullen – einem neuen Schulkollegen von Bella – etabliert.

Der Einführungsteil ist also wirklich gut gelungen. Der Mittelteil hat dann doch einen gewissen Hänger. Ausgehend von einer sehr bedrohlichen Szene in der Stadt und Bellas Rettung aus dieser brenzligen Situation durch Edward gibt’s darauf folgend die ersten handfesten Informationen zur Auflösung des Mysteriums. Man bekommt eigentlich laufend neue Infos über den Vampirclan, zu dem Edward gehört, und ihre Fähigkeiten präsentiert. Leider vermischt sich der Informationsteil schon stark mit der etwas trägen Love-Story. Ich weiß nicht so recht, vielleicht muss man(n) eher Frau sein (:-D), um das gut zu finden, aber die Ich-Form der Erzählung ist hier wirklich ein Nachteil. Alles was Bella sich so denkt und fühlt wird durch die Ich-Form kommentiert. Es klingt fast so, als ob Bella hier Rechtfertigungen sucht, warum sie sich in Edward verlieben soll. Das gefiel mir nicht besonders und auch nicht, dass es zwischen zwei langen Szenen einen Schauplatzwechsel aber keinen Themenwechsel gab (die Wiese am See -> Bellas Zimmer). Auch fand ich Edward jetzt nicht so wirklich sympathisch beschrieben. Durch die Ich-Form merkt man irgendwie, dass Bella Aussagen von ihm beschönigt, die wie ich finde nicht immer in die Kategorie „liebevolles Necken“ fallen.
Außerdem gefiel mir nicht, dass Edward offenbar dem Kreationismus anhängt, das aber nur eine Erwähnung am Rande. 😉

Und dann kam das Baseballspiel! Ich bin kein besonderer Fan von Baseball, aber das Spiel und sein Verlauf standen auch nicht so im Mittelpunkt. Trotzdem läutet es das „Finale“ des Romans ein. Auftritt James, ein weniger netter Vampir, der im Gegensatz zum Cullen-Clan keine Skrupel hat, sein Blut von Menschen zu beschaffen.

Das letzte Viertel des Buches ist dann eine richtig schöne, spannende Thriller-Handlung. Gefiel mir eigentlich durchwegs, wobei es beim Showdown wieder den Nachteil der Ich-Erzählung gibt: Hat Bella ein Blackout, bekommt der Leser wieder nichts mit von der Handlung. Aber zumindest kann man es sich dann aufgrund von Informationsschnippsel zusammenreimen, was aus James geworden ist, was ja auch nicht unspannend ist.

Fazit: Es ist kein erstklassige Buch, dafür zieht es sich in der Mitte einfach zu stark. Aber es ist sicher nicht wirklich schlecht geschrieben (stilistisch halt einfach nicht ganz das, was man hauptsächlich liest). Die Charaktere werden gut bis ausreichend beschrieben, die Hintergründe interessant vorgetragen. Ich würde mir fast wünschen, Meyer schriebe einen Roman nur über Carlisle Cullens Vampir-Werdung.

Der Fantasy-Background dieser Geschichte kann mich also durchaus überzeugen. Ich muss jedoch sagen, dass ich auch allgemein in Sachen Vampir-Geschichten nicht wirklich vorbelastet bin und ich Meyers Adaption der Legenden wahrscheinlich offener gegenüberstehe als viele andere Kritiker, die sich vor allem an der Darstellung der Vampire (vor allem der Cullens) in dieser Romanreihe stoßen.

Der erste Roman der Reihe erhält von mir daher gute 4 von 6 Sternen. Ein guter Start, der Lust auf mehr macht.

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