Rezension: “Eclipse”

Die „Twilight-Saga“ wird fortgesetzt mit Band 3, „Eclipse“ (Deutscher Titel: „Bis(s) zum Abendrot“. Vorweg: Nachdem mir „New Moon“ eigentlich sehr gut gefallen hat, fand ich „Eclipse“ jetzt nicht mehr so prickelnd. Das liegt vor allem an der Darstellung der drei Hauptcharaktere, die in diesem Roman von Stephenie Meyer sehr unsympathisch beschrieben wurden und alle ziemlich Kredit bei mir verspielen. Daher beginne ich diese Rezension mal nicht mit der Geschichte selbst, sondern mit den Charakteren.

 

Allen voran sei hier Jacob erwähnt, der sich extrem unreif benimmt, indem er eine intime Beziehung zu Bella regelrecht erzwingen will. Meyer beschreibt seine erzwungen Küsse ziemlich gut, da kommt wirklich nicht auch der Hauch von Zärtlichkeit oder Romantik rüber. Der erste Kuss zwischen den beiden ist regelrecht abstoßend und schon wie eine Vergewaltigung beschrieben. Hinzu kommt dann noch Jacobs völlige Ignoranz von Bellas Reaktion. Klar tut ihm Erwiderung – ein Faustschlag – nicht weh, aber der Gedanke dahinter sollte ihm nicht entgangen sein. Auch der zweite Kuss ist nicht viel besser, kommt noch dazu daher mit einer Drohung, sich sonst in dem bevorstehenden Kampf umbringen zu lassen.

Bella ist aber auch nicht besser. Jacob gibt ihr eigentlich jeden Grund, um den engen Kontakt mit ihm total abzubrechen. Dass sie ihm dauernd so schnell vergibt und am Schluss sich sogar eingesteht, dass sie mehr als nur freundschaftliche Liebe für ihn empfindet, kommt mir schon ziemlich absurd vor. Es wirkt irgendwie so, als ob die Jacob sicherheitshalber auf der „Ersatzbank“ behalten möchte, falls es mit Edward doch nicht klappt. 😀 Also auch wenn es nicht angesprochen wird, scheint sie Angst zu haben, am Ende allein dazustehen. Positiv aber: Am Schluss sieht Bella ein, dass sie ziemlichen Mist gebaut hat.

Edward kommt eigentlich noch am besten weg, wenn Bella auch wieder mal ein ziemlich idealisiertes Bild von ihm zeichnet und sich im Vergleich ständig einzureden versucht, wie schlecht sie selbst doch eigentlich ist. Auch macht es ihm Jacob auch ziemlich leicht, im direkten Vergleich gut auszusehen. Aber sein „Sex-Ultimatum“ kommt natürlich ziemlich altbacken daher. Es wird zwar verschleiert durch die Forderung „Sex erst kurz vor der Umwandlung zum Vampir“, da die Umwandlung aber wiederum an die Heirat verbunden wird, wird da automatisch das prüde „Sex erst nach der Hochzeit“ daraus. Hier kann ich die Kritik vieler an der Prüderie der Romanreihe schon nachvollziehen.

Soweit mal zu den Hauptcharakteren, jetzt mal zur Handlung: Die war ziemlich geradlinig. Während „Twilight“ und „New Moon“ eigentlich tolle Story-Twists hatte, ist bei „Eclipse“ der Handlungsverlauf von Beginn an klar. Die Herausforderung wird früh erkannt, man sieht viel Vorbereitung und am Ende kommt der Kampf gegen die von Victoria angeführte Armee neuer Vampire, die sie gegen die Cullens ins Feld führt, um für James‘ Tod im ersten Roman Rache zu nehmen. Ziemlich simpel, aber mal ehrlich, ein Klassiker wie „Rocky“ läuft auch nicht anders ab. 😀 Aber es ist halt hier schon störend, dass der „große“ Kampf von den Cullens immer als ziemlich easy dargestellt wird und dieser es auch am Ende war. Dass es einen „Überraschungsangriff“ auf Edward, Bella und Seth geben wird, war eigentlich schon früh offensichtlich. Victoria schneidet in diesem Kampf aber jetzt auch nicht sonderlich gut ab und beweist auch, mit einer Neugeborenen-Armee nichts anfangen zu können. Vor allem da zuerst gesagt wird, sie wäre nur zufällig auf die Fährte von Edward gestoßen, lässt sie recht unfähig aussehen. Anderseits wird später dann wieder gesagt, sie hätte bewusst die Armee als Ablenkung benutzt, was allerdings Alice dank ihrer Fähigkeit wiederum hätte voraussehen müssen.

Die Kritik klingt jetzt natürlich ziemlich vernichtend, trotzdem ist „Eclipse“ alles andere als ein schlechter Roman. Meyers Schreibstil gefällt mir inzwischen ziemlich gut, wenngleich es in „Eclipse“ wieder den Nachteil gibt, immer nur einen Schauplatz zu haben und so zwangsläufig den Endkampf zu Bellas Aufenthaltsort zu verlegen. Dennoch war Edwards Schlachtfeldbericht doch sehr gut und der Endkampf beim Zelt ziemlich spannend, wobei hier der Teil „Seth versus Riley“ besser war, weil deutlich ausgeglichener.

Auch die Erzählungen der Vergangenheit sind sehr gut, endlich bekommt auch Jasper einen Hintergrund. Seine Erzählung über den Vampierkrieg im Süden war ziemlich mitreißend und wie Edward dann vom ersten Aufeinandertreffen der Cullens mit Alice und Jasper erzählte, war echt witzig. Highlight des Romans sind aber wohl die Indianergeschichten am Lagerfeuer.

Fazit: „Eclipse“ würde ich als den bisher schwächsten Band beurteilen. Er liest sich zwar sehr flüssig, aber inhaltlich gibt es doch einige Kritikpunkte, die ich aber nicht zwangsläufig an den Charakteren festmachen will. Die Schattenseiten ihrer Persönlichkeit mal so deutlich herauszustreichen ist unterm Strich keine schlechte Idee. Aber zumindest einen Sympathieträger hätte Meyer schon noch übrig lassen können. Mit Charlie, der sich auf Jacobs Seite schlägt, und einer depressiven Alice fallen noch dazu zwei weitere programmierte Sympathieträger total weg. Hat mich aber am Schluss für Alice gefreut, wie sie beinahe auf einem Trip war. 😀 Dennoch erhält „Ecplise“ nur schwache 4 von 6 Sterne.

Anmerkung:

Die Verfilmung des Romans schneidet übrigens innerhalb der Reihe besser ab als die Vorlage. Da das Buch beinahe schon wie ein Kinofilm beschrieben ist (siehe hierzu meinen „Rocky“-Vergleich) funktioniert die Geschichte auf der Leinwand bzw. auf dem Bildschirm besser. Es ist auch von Vorteil, dass die Cullens im Film den Kampf gegen Victorias Armee nicht so sehr auf die leichte Schulter nehmen wie es im Roman rüberkommt.

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