Rezension: TOS – „Das Zentralgehirn

Ich bin eine großer Fan der Romane des Autoren-Duos Judith und Garfield Reeves-Stevens, die unter eigenem Namen wie auch als Ghostwriter für William Shatner erstklassige Star Trek-Romane wie „Die Föderation“, „Die Rückkehr“, „Die Erste Direktive“, „Collision Course“ oder die DS9-Trilogie „Millennium“ geschrieben haben. Lediglich ihr Erstlingswerk aus dem Jahr 1988, „Das Zentralgehirn“ (Originaltitel „Memory Prime“) kannte ich bislang noch nicht und ich war schon gespannt darauf, ob sich auch dieser Roman schon durch jene Elemente auszeichnete, die ihre späteren Werke zu wahren „Pageturner“ machten.

Und tatsächlich führen die Autoren den Leser gleich am Beginn an einen unbekannten, zwielichtigen Ort und in eine Handlung, die dem Leser zuerst noch schleierhaft ist: Ein angeblicher Vulkanier trifft sich mit einem angeblichen Klingonen auf einer abgelegenen, trostlosen Welt, um sich als Auftragsmörder anheuern zu lassen.

In der Zwischenzeit wird die U.S.S. Enterprise unter Captain Kirks Kommando als eines jener Schiffe ausgewählt, die die namhaftesten Wissenschaftler der Föderation zur Verleihung der Nobel- und Zee-Magnees-Preise zum zentralen Datenarchiv „Memory Prime“ bringen soll. Kirks Freude darüber hält sich in Grenzen, bedeutet dies für sein Schiff doch, wieder zu den Zentralwelten der Föderation zurückzukehren. Spock hingegen ist – für vulkanische Verhältnisse – regelrecht aus dem Häuschen und freut sich wie der Großteil der Crew darüber, sich mit den Wissenschaftlern auszutauschen. Doch Spocks Freude währt nur kurz. Beim letzten Zwischenstopp auf Starbase 4 kommen Soldaten unter der Führung von Commodore Wolfe an Bord, die keine Erklärung abliefern und Spock ohne Begründung in seinem Quartier unter Arrest stellen. Wie Kirk herausfindet, scheint die Sternenflotte zu befürchten, Spock würde ein Attentat auf einen oder alle Wissenschaftler an Bord der Enterprise vorbereiten. Ein Verdacht der sich erhärtet, als ein Sabotageakt entdeckt wird.

Doch auch auf Memory Prime geht seltsames vor. Die dort heimischen künstlichen Intelligenzen – als „Wegfinder“ bezeichnet – verhalten sich recht sonderbar und scheinen etwas zu verheimlichen. Gleichzeitig wird das Militärkontingent auf dem Stützpunkt in den Kriegszustand versetzt und weitere vulkanische Forscher inhaftiert.

Dies allein sind die Ereignisse der ersten rund 120 Seiten und in dieser Art geht es auch weiter. Wie auch die späteren Romane der Reeves-Stevens ist auch „Das Zentralgehirn“ eine extrem handlungsorientierte Geschichte, die mit einigen überraschenden Wendungen aufwarten kann. Dabei kommen allerdings die Charaktere etwas zu kurz. Die bekannten Charaktere von der Enterprise-Besatzung sind zwar gut getroffen, aber so wirklich auf sie eingegangen wird nicht. Auch nicht so recht auf die Nebencharaktere, was allerdings den positiven Nebeneffekt hat, dass die Geschichte durch deren unbekannte Motivationen fast bis zur letzten Seite mysteriös und spannend bleibt. Wenngleich das Spannungslevel nicht ganz so hoch ist wie bei den späteren Romanen der beiden Autoren. Und auch die Auflösung der Geschichte erscheint dann etwas umständlich und vielleicht sogar ein wenig unstimmig. Denn vor allem Commodore Wolfes Verhalten erscheint auch nach der Auflösung sonderbar oder zumindest arg überzeichnet.

Fazit: Die späteren Romane der Reeves-Stevens haben mir zwar besser gefallen, aber trotzdem ist „Das Zentralgehirn“ sehr lesenswert und gehört sicher zu den besseren beim Heyne-Verlag erschienenen Romane. Es reicht für solide 4 Sterne.

Anmerkungen:

Da das Buch aus dem Jahre 1988 ist, sind einige Informationen in diesem Roman – vor allem den Warpantrieb betreffend –  durch spätere Canon-Informationen widerlegt worden. So z.B. dass Zefram Cochrane nicht von der Erde stammte, sondern von Alpha Centauri und Alpha Centauri keine irdische Kolonie ist, sondern von einem humanoiden Volk bewohnt wird, das mit den Menschen verwandt ist. Auch die Beschreibung des innere Aufbaus einer Warpgondel entspricht nicht unbedingt dem, was die TNG-Folge „Der Fall Utopia Planita“ zeigte. Sie passt allerdings auch nicht so recht zu dem, was die bereits in den70ern ausgestrahlte TAS-Episode „Die gefährliche Wolke“ zeigte.

Allerdings bietet der Roman eine weitere interessante Betrachtung des Romulanischen Krieges. Zusammen mit meinem eigenen Fan-Ficition-Roman die zumindest vierte, die ich kenne.

Advertisements

4 Kommentare zu “Rezension: TOS – „Das Zentralgehirn

  1. Du hast es Gelesen. Freut mich. Ich glaube ich werde es auch dieses Jahr lesen. Dank deiner Rezensioon hab ich irgendwie wieder Lust auf diese Geschichte. 🙂

    • Ja, das Buch hat in mir auch die Lust, auf weitere Reeves-Stevens-Romane geweckt. Ich werde wahrscheinlich dieses Jahr wohl zumindest noch deren erste Shatner-Trilogie lesen. Die Reeves-Stevens-Romane gehören wirklich zu meinen absolute Favoriten, wäre also schön, auch die mir bereits bekannten nach und nach in diesem Blog zu rezensieren.

      • Ja, bitte mach weitere Rezensionen zu den Bänder. Ich lese deine rezis sehr gerne. Ja, die erste Trilogie des „Shatnervers“ gefällt mir auch sehr gut. Würde sie auch am liebsten noch mal lesen aber da warten so viele Bücher aus dem Star Trek bereich um gelesen zu werden. Bei mir wird es demnach doch etwas länger dauern bis diese lese. Ich würde wie wir uns schon darüber unterhalten, die letzte Trilogie lesen.
        Wie geschrieben, ich würde mich über deine Rezension freuen. Natürlich in laaaanger Fassung 😉
        Nichts wie ran an das nochmalige lesen 🙂

        Hast du auch für die Enterprise Bücher Reihe rezensionen geschrieben gehabt, oder hast du vor welche zu schreiben?
        Ich bin aktuell bei dem Enterprise 2 Band. Ich tue mich irgendwie schwer mit dem lesen.

  2. Ich werde wahrscheinlich nicht alle drei Trilogien in einem Schwung lesen, aber mit den ersten drei Bänden mal den Grundstein für die Komplett-Rezension von Shatners Büchern zu schaffen ist sicher nicht so verkehrt. Außerdem habe ich mal auch wieder wirklich Lust auf „Die Asche von Eden“. Aber zuerst lese ich mal den umfangreichen nächsten DS9-Roman „Zwielicht“.

    Wegen der Länge der Rezensionen: Das lässt sich nicht immer so leicht beeinflussen. Gerade bei so handlungsorientierten Geschichten wie jenen der Reeves-Stevens muss man aufpassen, nicht zu viel zu spoilern. Ich versuche bei meinen Rezensionen zumindest nie die Auflösung vorweg zu nehmen, aber gerade beim Stil der Reeves-Stevens ist es schwer, da die beiden ja so gerne überraschende Wendungen einbauen, die in eine bestimmte Richtung deuten, die sich aber später wieder um 180 Grad wieder drehen kann oder eine völlig neue Interpretationsmöglichkeit erhält. „Die Asche von Eden“ dürfte aber durchaus für eine längere Rezension gut sein, da lässt sich mehr zum Umfeld der Personen schreiben, das sich von der üblichen Sternenflotten-Missionsumfeld unterscheidet. In der Hinsicht hat „Das Zentralgehirn“ eher weniger geboten.

    Die ersten vier Enterprise-Relaunch-Romane habe ich schon vor ein paar Jahren gelesen, das ist die Erinnerung nicht mehr frisch genug, um eine ausführliche Rezension zu schreiben. Grundsätzlich ist ja „Enterprise“ meine Lieblingsserie, aber den Relaunch haben die Autoren Mangels und Martin meiner Meinung nach ziemlich verhunzt. Meine Meinung zum gesamten Relaunch findest du auch am Schluss meiner Rezension (unterhalb der Sterne) des letzten Romans „To Brave the Storm“ https://rumschreiber.wordpress.com/2012/02/06/rezension-etp-%E2%80%9Ethe-romulan-war-to-brave-the-storm/
    Da habe ich mit meiner eigenen „The Romulan War“-Trilogie definitv was besseres abgeliefert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s