Rezension: “Star Trek – The Next Generation Sketchbook – The Movies – Generations & First Contact”

Die Autorin J.M. Dillard, die auch mehrere Star Trek-Romane verfasst hat, präsentiert in diesem Sachbuch größtenteils Entwürfe von John Eaves, einem langjährigen Designer, der seit dem 7. Kinofilm am Star Trek-Franchise arbeitet und vor allem auch den Serien „Deep Space Nine“, „Voyager“ und „Enterprise“ seinen Stempel aufgedrückt hat. In diesem „Sketchbook“ geht es aber vor allem (aber nicht ausschließlich) um Eaves‘ Zeichnungen zum 7. und 8. Kinofilm.

Das „Sketchbook“ ist leider nur in englischer Sprache erschienen, aber natürlich stehen bei dieser Art von Büchern natürlich die Bilder im Vordergrund. Wer der englischen Sprache mächtig ist, erfährt aber zu den einzelnen Designobjekten noch zusätzliche Informationen, wie Inspirationsquellen, Gedanken zu alternativen Ansätzen und die Beschreibung des Wegs, den ein Objekt vom Papier zum fertigen Endprodukt gemacht hat. Diese Passagen sind angenehm zu lesen, denn sie wirken fast so, als würde Dillard ein Interview mit John Eaves führen. Die Verwendung der direkten Rede gibt einem als Leser auch einen besseren Draht zum Künstler und es gibt ihm die Möglichkeit, gelegentlich kleine Anekdoten zu erzählen. Wie z.B. dass eine seiner ersten Arbeiten für den 7. Kinofilm „Treffen der Generationen“ die Aufgabe war, einen neuen Kommunikator für die Sternenflotte zu entwerfen. Eaves gibt zu, damals lediglich mit der Originalserie, aber nicht mit „The next Generation“ vertraut gewesen zu sein und legte als ersten Entwurf eine Skizze eines aufklappbaren Kommunikators vor, wie er von Captain Kirk & Co verwendet worden war.

Gleich mitgeliefert zu dieser Anekdote werden natürlich auch die Bilder von Eaves folgenden Kommunikatoren, die nach eine Belehrung durch Produktionsdesigner Herman Zimmerman die Form von Uniformabzeichen hatten, wie für die TNG-Ära typisch.

Das Buch liefert so ziemlich Einblick in die Entstehung von allen möglichen Sets, Modellen und Schiffen. Beginnend vom Re-Design der Excelsior-Klasse für die Enterprise-B über der Überarbeitung der Brücke der Enterprise-D, Guinans Quartier oder der Champagner-Flasche, mit der die Schiffstaufe am Beginn des 7. Kinofilms vorgenommen wurde. Wirklich sehr umfangreich, obwohl jener Abschnitt, der sich mit dem. 7. Kinofilm beschäftigt, nicht mal ein Drittel des Buchs ausmacht.

Die Enterprise-B, eine modifizierte Variante der Excelsior.

Die Enterprise-B, eine modifizierte Variante der Excelsior.

Dem 8. Kinofilm „Der Erste Kontakt“ wird weit mehr Raum gegeben. Das liegt natürlich auch daran, dass für diesen Film sehr viel neu erschaffen werden musste, während man bei „Treffen der Generationen“ auf viel Vertrautes aus der TV-Serie und den vorangegangenen Kinofilmen zurückgreifen konnte. Für „Der Erste Kontakt hatte Eaves weit mehr zu tun, allen voran die Erschaffung einer neuen Enterprise. Auch hier ist es sehr interessant, verschiedenste Varianten für das neue Flaggschiff zu sehen. Neben der von Eaves entworfenen Enterprise wurden für den Film von ILM aber auch andere Sternenflottenschiffe erstellt. In diesem Abschnitt des Buchs werden also auch die Arbeiten anderer Designer umfangreich präsentiert. Auch der Prozess, wie bei ILM aus ein paar Plastikformen eine neue Enterprise entstanden ist, wird dokumentiert. Auch Kostüme – entworfen von Deborah Everton und Gina Flanagan – dürfen nicht fehlen genausowenig wie Phoenix-Missionsabzeichen von Doug Drexler.

Mein Lieblingsabschnitt des Buchs betrifft aber wieder Designs, die es nicht in den fertigen Film geschafft haben: Die Borg von Ricardo Delgado! Für den Kinofilm benötigten die kybernetischen Bösewichter natürlich ein Upgrade und Delgados Entwürfe sind wohl am besten als „abstoßend elegant“ zu bezeichnen. Zu seinem Borg gehörten transparente Oberflächen, die Gewebe und entblößte Wirbelsäulen und Schädeldecken. Delgados Borg-Königin erhielt einen spinnenartige, düstere Eleganz. Die Entwürfe erinnern nicht nur ein wenig an jene von HR Giger („Alien“) und Delgado erschuf bereits zuvor viele Sets für die Raumstation Deep Space Nine, dessen cardassianische Architektur ja auch bereits stark vom vertrauten Star Trek-Look abwich. Mit Delgados Borg hätte der 8. Kinofilm sicher einen ebenfalls sehr ungewöhnlichen Look erhalten.

Alles in allem ist auch dieses „Sketchbook“ mit dem etwas holprig langen Titel eine zu 100 % empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich für die Produktion und vor allem die Designaspekte der Star Trek-Filme 7 und 8 interessieren. 6 von 6 Sternen. Einziger Kritikpunkt ist, dass es sich nicht um ein Hardcover handelt. Die Klebebindung ist leider nicht ganz ideal, wodurch sich leider im Lauf der Zeit durch häufiges Blättern schon ein paar Seiten gelöst haben.Hier ist also Vorsicht angeraten, wenngleich ein Buch mit rund 1000 Illustrationen natürlich dazu einlädt, immer wieder mal aus dem Regal genommen und einfach mal so aus purer Lust an der Kunst des Produktionsdesigns durchgeblättert zu werden.

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