Rezension: DS9 – „Mission Gamma 1: Zwielicht“

„Zwielicht“ beginnt gleich mal mit einer ausgedehnten  Action-Sequenz, die auch mehr oder weniger unmittelbar an den Vorgängerroman anschließt. In „Dämonen der Luft und Finsternis“ war es auch einer meiner Kritikpunkte, dass aus der Jarada-Nebenhandlung eigentlich nicht viel gemacht wurde. Gleich am Beginn von „Zwielicht“ zeigen die Jarada aber gleich ihr Temperament, was beinahe zur Vernichtung der Defiant führt und gleichzeitig auch ihren Kommandanten – Commander Vaughn – als erfahrenen und zurückblickenden Mann charakterisiert, der in seiner 80jährigen Karriere schon viele Krisen durchgemacht hat.

Allgemein geht der Autor bei Vaughn – aber auch bei der Darstellung anderer Charaktere – in diesem Buch sehr in die Tiefe und betrachtet so ziemlich jede nur mögliche Facette seiner Persönlichkeit. Und von denen gibt es bei einem über 100 Jahre alten Mann mehr als genug. Da finden sowohl seine frühere Karriere und sein Karrierewechsel (siehe den Romanzweiteiler „Offenbarung“) wie auch seine sich leicht verbessernde Beziehung zu seiner Tochter Prynn Platz. Beides sind Elemente, die für Commander Vaughn wichtig im Verlauf dieser Geschichte wichtig werden, steht die Defiant doch nach der Umrüstung zu einem „halben“ Wissenschaftsschiff kurz davor, eine dreimonatige Forschungsmission im Gamma-Quadranten durchzuführen – unter Vaughns Kommando und mit Prynn als Steuerfrau. Ich finde es allerdings seltsam, dass die Defiant durch den Umbau ihren Shuttlehangar samt Shuttles verliert. Das widerspricht doch eigentlich der Erfahrung, die die Sternenflotte in 200 Jahren mit der Zuverlässigkeit des Beamens gemacht hat. 😉 Mysteriöserweise ist besagter Hangar samt Shuttles später jedoch wieder vorhanden, als sie praktischerweise während einer Mission gebraucht werden. 😉

Abgesehen von diesem Kontinuitätsfehler halte ich den Aufwand, aus der Defiant ein typisches Starfleet-Allround-Schiff zu machen für unwirtschaftlich, wenn die Flotte bereits genug Schiffe im Dienst hat, die vom Stapellauf weg solche Allround-Schiffe sind.

Während die Defiant umgerüstet wird, geht auch auf der Raumstation und auf Bajor etwas vor sich. Vorbereitungen für einen erneuten Versuch, Bajor in die Föderation aufzunehmen, werden vorangetrieben. Als vorderste Repräsentaten der Föderation treten hierbei Shars Mutter in ihrer Funktion als Mitglied des Föderationsrats auf, wie auch Admiral Akaar (der auch in der „Titan“-Reihe und „Destiny“ eine Rolle spielt) von der Sternenflotte, der auch ein alter Freund von Commander Vaughn ist und dem ersten Eindruck nach gewisse Vorbehalte gegen Colonel Kira zu hegen scheint. Auch dieser Teil der Handlung stellt wieder die Charaktere stark in den Vordergrund und analysiert ihre Motivationen und ihre Handlungen in der Vergangenheit sehr stark. Die Geschichte kommt dadurch allerdings nicht wirklich voran, was für den einleitenden Beginn eines Romans aber durchaus entschuldbar ist. Aufgrund der ausgedehnten Exposition, die der Autor hier betreibt, würde ich sogar behaupten, dass man mit dem Relaunch von DS9 sogar relativ problemlos mit „Zwielicht“ beginnen kann, ohne die vorherigen 4 Romane lesen zu müssen. Fast alle Hintergründe zu den Veränderungen, die es seit dem Ende der TV-Serie gegeben hat, werden nochmals erläutert.

Die wirklich sehr ausgedehnte Einleitung des Romans endet mit dem Aufbruch der Defiant in den Gamma-Quadranten und ihrer ersten Mission, der friedlichen Kontaktaufnahme mit einem Volk namens Vahni Valthupali. Ich finde es interessant, dass es sich hierbei um ein Volk handelt, das non-verbal kommuniziert. Denn der handlungsvorantreibende Dialog zwischen Personen scheint Autor David R. George III nicht besonders zu liegen, weshalb er ihn auch durch Kreation eines solchen Volkes zu umgehen scheint.

Jedenfalls läuft die erste Mission der Defiant reibungslos ab – bis kurz vor Schluss. Denn aus unerklärlichen Gründen wird der Planet der Vahni von schweren Erdbeben erschüttert und zeitglich explodiert der Mond des Planeten. In der folgenden Rettungsaktion kann die Defiant (auch dank des Vorhandenseins ihrer Shuttles ;-)) das Schlimmste verhindern, doch schnell wird klar, dass dies nur der Anfang vom Ende war. Der Planet und sein Mond wurden von einem unbekannten Energieimpuls getroffen. Nicht zum ersten Mal, wie die Vahni gestehen. Und bereits der nächste Impuls könnte das Ende des Planeten bedeuten. Um diesen zu verhindern oder zumindest abzulenken folgt die Defiant dem Weg des Energieimpulses und findet dort einen unwirtlichen Planeten vor, auf den sich Vaughn, Shar und Prynn mit einem Shuttle begeben um Nachforschungen anzustellen.

David R. George III schreibt durchwegs sehr detailliert und ausführlich, er geht sehr genau auf die beschriebenen Personen ein und blickt gut in sie hinein. Allerdings führt das auch immer wieder mal zu etwas langatmigen Passagen, die sich auch leicht hätten vermeiden lassen, wäre der Autor nicht ganz so weit abgeschweift. Nicht unbedingt sinnloses Geschwafel, aber dennoch hätte es mir gefallen, wenn George sich etwas öfter an die Devise „Weniger ist mehr“ orientiert hätte. Die Charaktere und ihre Motivationen hätte man sicher auch kompakter beschreiben können und gelegentlich wirken Passagen so, als seien sie nur dazu da, das Vergehen der Zeit darzustellen. Wenn z.B. einmal Kasidy Yates‘ Haus einmal im Spätherbst und einmal im Winter von verschiedenen Besuchern aufgesucht wird. Da beide Passagen – wie leider die meisten in diesem Buch – eigentlich nichts dazu beisteuern, die Handlung voranzutreiben, wäre es sinnvoller gewesen, den Inhalt dieser beiden Passagen in nur einer einzigen zusammenzufassen.

Allgemein ist der Punkt „Handlung“ ein Problem dieses Romans. Es passiert nämlich relativ wenig. Für ein so umfangreiches Werk wie „Zwielicht“ (fast 600 Seiten) für meinen persönlichen Geschmack sogar mehr als eindeutig zu wenig. Die Exposition liest sich noch mit Interesse und der Hoffnung, dass diese nur die Einleitung für eine umfangreiche und interessante Geschichte darstellt. Doch eigentlich ist die Einleitung noch das Beste am Roman. Vielleicht mit Ausnahme der Szenen mit Taran’atar auf DS9 und auch die Szenen mit Quark, Ro und Treir sind noch recht unterhaltsam. Die Story um Taran’atar wird ab einem gewissen Punkt aber einfach nicht mehr fortgeführt. Und schließlich wird erst über einen simplen Catering-Auftrag an Quark wieder eine Verbindung zu Bajors Föderationsbeitritt generieret, der zwischendurch auch mal mehrere Hundert Seiten nicht mehr thematisiert wurde. Dies empfand ich als etwas seltsamen „Erzählweg“. Begrüßenswert – wenngleich auch sehr untypisch im Vergleich zum restlichen Roman – war hingegen, dass sich zumindest in dieser Nebenhandlung etwas tut. Dass das Gipfeltreffen an Bord der Raumstation tatsächlich so schnell Früchte trägt, war angesichts des gemächlichen Tempos des restlichen Romans fast nicht zu erwarten. Hier wissen die letzten rund 60 Seiten durchaus zu überraschen.

Aber allgemein in der 2. Hälfte des Romans betreibt David R. George III auch wieder sehr viel Charakterdarstellung was mal abgesehen von diesen letzten Seiten auf Kosten der Handlung geht. Jene Handlung im Gamma-Quadranten – die eigentlich prädestiniert wäre, um dem Buch auch einen Spannungsbogen zu geben – ist zwar inhaltlich okay, hätte aber eindeutig spannender sein können. Da der Autor nämlich die Gedanken der Charaktere deutlich mehr Bedeutung beimisst als dem Dialog oder der Aktion, ist man als Leser fast auf jede „überraschende“ Wendung in der Handlung vorbereitet, da sich einer der Charaktere eine solche Möglichkeit ohnehin schon mal so oder so ähnlich gedacht. Dieser Stil – den man durchaus als „totale Enthüllung“ beschreiben kann – eignet sich wahrscheinlich auch schwer für Mystery-Handlungen, in denen der Leser eigentlich mitfiebern und miträtseln sollte.

Was mir ebenfalls negativ auffiel, waren die oftmals recht ausführlichen Ortsbeschreibungen. Der Autor beschreibt die Bewegungen seiner Charaktere sehr detailliert, immer wieder wird darauf hingewiesen, in welchem Korridor jemand den Turbolift verlässt, wo er sich gerade befindet, wie viele Decks er gerade zurückgelegt hat, auf welchem Deck er gerade ist und in welche Richtung er abbiegt. Ich schätze, dass dieses Verlangen, die Charaktere herumwandern zu lassen, auch der Grund ist, warum die winzigen Shuttles der Defiant (das Shuttle Chaffee kennen wir aus der Serie) jede Menge Raum für drei Personen lassen, um hin und her zu gehen, Kisten von A nach B zu tragen und sogar ein hinteres Abteil aufzusuchen. Die Dinger müssen wahre Platzwunder sein!

Fazit: Die negativen Aspekte überwiegen in „Zwielicht“ leider deutlich. So gut David R. George III auch die Charaktere beschreibt, umso größere Defizite hat der – wirklich lange – Roman mit der Handlung und dem Spannungsaufbau. Für fiktive Biografien der DS9-Charaktere wäre dieser Stil zwar ideal, aber „Zwielicht“ ist nun einmal kein Sachbuch, sondern ein Roman. Und für fast 600 Seiten beinhaltet dieser für mich zu wenig Handlung. Das, was an Handlung vorhanden ist, ist entweder nicht besonders spannend beschrieben (Gamma-Quadrant-Handlung) oder geschieht so plötzlich, dass keine Zeit bleibt, Spannung aufzubauen (Bajor/DS9-Handlung).

Eine ziemlich spannungsarme Angelegenheit also, für die ich selbst gemessen am Umfang relativ lang gebraucht habe, um das ganze Buch zu lesen. Obwohl die Geschichte im Gamma-Quadranten durchaus Mystery-Charakter hat – was mir eigentlich sehr zusagt – verspürte ich wenig Ambition, ständig weiterlesen zu wollen um herauszufinden, was dahinter steckt. An sich ist die Geschichte inhaltlich zwar solide und würde 3 Sterne schon verdienen. Nur kommt der Inhalt mit zu viel störendem und unhandlichem Verpackungsmaterial daher, weshalb es nur für 2 von 6 Sternen reicht.

 Anmerkung:

Natürlich setzt sich die bereits in den vorangegangenen DS9-Relaunch-Romanen Beschreibung der Andorianer fort, was sich natürlich mit dem später produzierten „Enterprise“ beißt. Andorianer mögen es in den Romanen demnach weiterhin gerne warm. Und auch der Heimatplanet wird als „Andor“ und nicht „Andoria“ bezeichnet. Das ist besonders interessant, da gerade die TV-Serie „Deep Space Nine“ damit begann, den Namen „Andor“ (bis einschl. TNG verwendet) durch „Andoria“ zu ersetzen. Nun, zumindest das Autoren-Duo Judith und Garfield Reeves-Stevens, die in der 4. Staffel auch zum Autorenstab von „Enterprise“ gehörten, lieferten in einem Interview eine Erklärung hierfür, demnach „Andor“ der Name des Planeten (ein unbewohnbarer Gasriese) und „Andoria“ der Name eines Mondes sei, auf dem die Andorianer leben. Dargestellt wurde dies auch in der „Enterprise“-Episode „Die Aenar“. Eine Erklärung für das bevorzugt warme Klima der Buch-Andorianer ist das aber natürlich nicht. 😉

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