Rezension: “Star Trek – The Art of the Film”

Das Design-Buch zum im Jahr 2009 erschienen Kinofilm „Star Trek“ ist natürlich besonders interessant, da dieser Film nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell eine ganz andere Richtung einschlägt als die Star Trek-Produktionen der Jahrzehnte zuvor. Wir erinnern uns: Durch die Zeitreise der Narada und deren Ankunft im Jahr 2233 wird ab diesem Zeitpunkt die Geschichte verändert und ab diesem Moment gehen viele Dinge einen anderen Verlauf. Und das gilt auch für viele Design-Entscheidungen, wenngleich doch vieles immer noch sehr vertraut, aber doch ein wenig anders aussieht.

Obwohl Autor Mark Cotta Vaz im Star Trek-Franchise noch ein unbeschriebenes Blatt war, ist er doch schon seit vielen Jahren für ähnliche Design- und Art-Books zu verschiedenen Kinofilmen bekannt. Dass er zuvor noch nie ein Buch zum Thema Star Trek veröffentlicht hat, ist diesem Buch aber an keiner Stelle anzumerken. Sehr schön beginnt er das Buch mit einer stimmungsvollen und bildlich untermalten Beschreibung des Teaser-Trailers und des Weges, den das Franchise bis zur Realisierung des 11. Kinofilms genommen hat. Und auch Produzent und Regisseur J.J. Abrams steuert ein recht humorvolles Vorwort und – wie es sich gehört – mächtig viel Lob für sein Art Department bei. Hauptsächlich Leute, denen Abrams bereits seit Jahren vertraut und die ihn u.a. durch „Alias“ oder „Mission: Impossible III“ begleitet haben.

Die Kapitel des Buchs behandeln meist einen besonderen Schauplatz des Films, vage in der Reihenfolge wie sie im Film vorkamen und dann mit allem Drum und Dran, von Set- bis hin zum jeweiligen Kostüm-Design. Daher widmet sich das erste Kapitel des Buchs auch der U.S.S. Kelvin – jenem Schiff, das in den ersten rund 15 Minuten des Films im Mittelpunkt steht. Bilder des fertigen CGI-Modells (mit und ohne Kampfschäden), Konzeptzeichnungen des Schiffsinneren und -äußeren sowie die Shuttles stehen hier im Mittelpunkt. Eine große Anzahl an Bildern – auch in verschiedensten Stilrichtungen, von der einfachen Skizze bis zur beinahe fotorealistischen Zeichnung – säumen dieses Kapitel wie auch alle folgenden. Interessant ist das Kapitel „Rura Penthe“, das auf jene Szenen des herausgeschnittenen Klingonen-Handlungsstrangs eingeht. Trotz der Kürze dieses speziellen Kapitels (2 Seiten der insgesamt 160 Seiten des Buches) erhascht man einen guten Blick auf das Outfit der Klingonen und eine konzeptionelle Zeichnung des Fabrikskomplexes auf dem klingonischen Gefängnisplaneten.

Raumschiff-Fans kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten, viele Konzeptzeichnungen zur Enterprise, der Kelvin, der Narada und selbst der – nur in der Kobayashi-Maru-Simulation gezeigten – klingonischen Schlachtkreuzer finden sich im Buch und offenbaren, wie nah am Original-Design von Matt Jeffries aus den 1960ern das Design des neuen Films mitunter ist. Vieles wirkt also vertraut, aber hat doch einen besonderen, unverkennbaren neuen Dreh erhalten.

Fazit: 160 Seiten klingen jetzt nicht nach einem besonders dicken, ausführlichen Buch. Aber in Summe kann ich behaupten, dass mir nichts abgeht. Sets, Requisiten, Masken, Kostüme, alles hat seinen Platz in diesem Buch, das neben den fertigen „Endprodukten“ auch viel alternatives Material herzeigt und es ermöglicht, einen genaueren Blick auf Designs zu werfen, die im fertigen Film nur kurz, nur im Hintergrund oder (wie Rura Penthe) gar nicht vorkamen. Kein Zweifel, auch in dieser neuen Reinkarnation von Star Trek sind wieder große Künstler an den Zeichentischen, den Kleiderpuppen und den Schminkkommoden am Werk.

Für das Buch selbst wäre alles andere als die Höchstnote unverdient: 6 von 6 Sternen! Das gilt sowohl für den Inhalt, als auch für die Aufmachung. Ein robustes, schönes Hardcover mit glänzendem Schutzumschlag.

Anmerkung:

Wer sich nicht gleich das Buch besorgen möchte, sich aber zumindest für Designskizzen interessiert, kann übrigens auch einige Skizzen und Zeichnungen von Ryan Church, James Clyne und John Eaves auf deren Homepages einsehen:

Ryan Church

James Clyne

John Eaves

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