Rezension: DS9 – „The Left Hand of Destiny – Book 1“

Obwohl die Geschehnisse der Duologie „The Left Hand of Destiny“ ebenfalls nach den Ereignissen des DS9-Serienfinalis angesiedelt sind und auch unter dem Label „Deep Space Nine“ erschien, zählt die Duologie nicht zum eigentlichen Relaunch. Und die Raumstation und die Ereignisse in der Nähe des Wurmlochs, auf Bajor oder Cardassia spielen auch – zumindest im ersten Buch – kaum eine Rolle. Der Darsteller des Martok, J.G. Hertzler, verfasste hier mit Co-Autor Jeffrey Lang zwei Bücher, in denen es um das Klingonische Imperium unmittelbar nach dem Ende des Dominion-Krieges geht und die – wie könnte es anders sein? – auf dessen Kanzler genauer eingehen.

Gleich in der eröffnenden Alptraum-Sequenz wird im Eilverfahren auf den ersten Seiten so ziemlich alles aufgearbeitet, was wir in der TV-Serie über den Charakter Martok erfahren haben. Vor allem seine düsteren Gedanken, in denen er sich hinterfragt und recht deutlich Minderwertigkeitskomplexe offenbart, seinen Kampf um Akzeptanz reflektiert und dass er es nur der Gnade eines Freundes verdankte, nun Kanzler des Hohen Rates zu sein. Ein Privileg, das kaum einem Mann aus dem Ketha-Flachland zuteilwerden könnte. Ein Umstand, der ihm auf den Kopf fällt, als er mit der Negh’Var erstmals seit dem Tod seines Vorgängers nach Kronos zurückkehrt, um dort von den Ratsmitgliedern als Kanzler angelobt zu werden.

Doch so weit kommt es gar nicht: Noch ehe sich Martok zur Ersten Stadt hinunterbeamt, beobachtet er auf dem Hauptschirm der Negh’Var-Brücke eine gewaltige Explosion mitten in der Stadt. Der Hohe Rat ist Geschichte, mit Ausnahme einiger weniger Ratsmitglieder, die sich jedoch mit jenem Mann verbündeten, der für den Anschlag auf die klingonische Regierung verantwortlich war: Morjod.

Morjod bekennt sich in einer Video-Botschaft zum Anschlag und bezeichnet die getöteten Ratsmitglieder als Verräter, die einen von der Föderation gewünschten Kanzler anerkennen wollten, der nicht einen Tropfen adeligen Blutes in sich trägt. Trotz seiner ungeheuerlichen Tat gelingt es Morjod, Zwietracht zu säen und einen großen Teil der klingonischen Bürger gegen Martok, Worf und die Föderation aufzuwiegeln, was auch Worfs Sohn Alexander, die Föderationsbotschaft in der Ersten Stadt und das Haus des Martok unmittelbar zu spüren bekommen und im direkten Angriff auf die Negh’Var gipfelt.

Ein großer Umsturz der Machtverhältnisse auf Kronos wird in Gang gesetzt. Die Handlung wechselt nach der Ankunft der Negh’Var sehr schnell zwischen verschiedenen Orten des Geschehens, um zu zeigen, dass Morjods Putsch wirklich allumfassend und durchdacht ist. Nach dem Anschlag auf den Hohen Rat überschlagen sich daher die Ereignisse regelrecht, wodurch die erste Hälfte dieses Romans sehr actionreich ist. Man fragt sich daher aber auch recht lange, woher Morjod die nötigen Mittel hatte, um einen solchen Umsturz durchzuführen. Er protzt regelrecht mit seinen Möglichkeiten und es gibt lange Zeit keine Erklärung dafür, wie er unerkannt den Putsch vorbereiten konnte. Selbst gegen Ende der ersten Hälfte des Romans, als ein wenig über Morjods bisherige politische Karriere (in der er sich sehr bedeckt gehalten hat) bekannt wird, scheint es immer noch recht unglaubwürdig, dass er einen solchen Coup hätte durchführen können.

Erst nach der Mitte des Buchs wird ein wenig Tempo rausgenommen, die Helden bekommen etwas Zeit, ihre Wunden zu lecken und Entscheidungen zu treffen. Eine willkommene Verschnaufpause nach dem rasanten Auftakt. In diesem Teil des Romans werden auch Mysterien weitergeführt rund um einen nicht namentlich genannten Mann, der sich auf die Seite von Worf und Alexander schlägt, und um eine Frau, die anscheinend hinter Morjods Handlungen steht. Beide Identitäten werden kurz vor Schluss auch dem Leser offenbart.

Fazit: Ich rechne es der Geschichte sehr hoch an, dass der in den TV-Serien inflationär gebrauchte Begriff „Ehre“ in diesem Klingonen-Roman so gut wie gar nicht vorkommt bzw. auch kein Handlungsmotiv ist. „The Left Hand of Destiny“ zeigt eine ganz offen geführte politische Konfrontation. Und da diese von Klingonen geführt wird, kommt es zu schwerwiegenden Kollateralschäden. Eine Vorwarnung: Blut fließt eimerweise und die Leichen türmen sich zu Bergen. Vor allem die erste Hälfte als auch Finale des Buchs beinhalten sehr ausgedehnte und intensive Kampfsequenzen.

Allerdings ist das Finale des ersten Buchs noch nicht das Finale der Geschichte. Das eigentliche Problem – Morjod – ist nach dem Ende von Buch 1 noch nicht gelöst, aber zumindest Martok, Worf & Co haben zumindest mal die unmittelbaren Folgen von Morjods Putsch überstanden. Insofern ist die Aufteilung der Geschichte in zwei Bücher wesentlich nachvollziehbarer als z.B. beim DS9-Relaunch-Auftaktroman „Die Offenbarung“. Man beendet als Leser Buch 1 von „The Left Hand of Destiny“ durchaus mit dem Gefühl, dass mal eine kleine Geschichte abgeschlossen wurde, aber die große Problemlösung – und die Beantwortung der damit zusammenhängenden offenen Fragen – noch in Buch 2 wartet. Daher würde ich Buch 1 als durchaus gelungenen Auftakt bezeichnen, der Lust auf die Fortsetzung macht. 5 Sterne sind durchaus verdient, allerdings sei die Warnung wiederholt: Das Buch ist wirklich nur für jene etwas, die mit übermäßiger Brutalität kein Problem haben. In dieser Hinsicht sticht „The Left Hand of Destiny“ aus der Masse hunderter Star Trek-Romane auf jeden Fall hervor.

Anmerkungen:

Der „Voyager“-Relaunch-Roman „Full Circle“ stellt sich als nicht gerade Leserfreundlich heraus, indem er das größte Ereignis von „The Left Hand of Destiny“ bereits vorwegnimmt. Glücklicherweise entpuppte sich das aber nicht als so schlimm wie befürchtet, da dieses Ereignis ohnehin fast ganz am Beginn von „The Left Hand of Destiny“ eintrat. Dennoch wäre die Erwähnung des Anschlags in „Full Circle“ definitiv nicht notwendig gewesen. Denn nicht alle Leser lesen – vor allem Jahre zuvor erschienene Romane – in der Erscheinungsreihenfolge. Vor allem wenn die Romane nicht zur selben Romanreihe gehören.

Eine Klingone, der keine besonders große Rolle in diesem Roman spielt, trägt den Namen Mubarak.

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