Rezension: DS9 – „The Left Hand of Destiny – Book 2“

Das zweite Buch der Duologie unterscheidet sich schon im ersten Drittel sehr stark von seinem Vorgänger. Wir erinnern uns: Ein Klingone namens Morjod hat mit einem gewalttätigen Umsturz Martoks Machtübernahme auf Kronos verhindert und sich selbst zum Imperator ernannt. Nach langem Kampf um ihr Überleben haben es Martok und die ihm loyalen Krieger geschafft, der unmittelbaren Gefahr zu entgehen. Buch 1 zeichnete sich also vor allem dadurch aus, dass ständig neue Gefahren aufgetaucht sind, die es von den einzelnen Betroffenen zu bekämpfen galt.

Während in Buch 1 also hauptsächlich die Einzelkämpfer unterwegs waren und den Gefahren fast im Minutentakt trotzten, steht am Beginn von Buch 2 die Interaktion und Konsolidierung im Vordergrund. Martok und seine loyalen Krieger – unter ihnen auch Kahless, Worf, Alexander und Ezri Dax, die sich als Mitglied des Hauses von Martok auf klingonisches Territorium begeben hat – versammeln sich im Konferenzraum des Birds of Prey Rotarran und tauschen ihre Geschichten aus. Diese Konferenzraumszene nimmt rund 80 Seiten ein. Solche Passagen sind oftmals sehr trocken, in diesem Fall ist es allerdings nicht so. Denn diese Passage wird zweimal durch sehr interessante, längere Erzählungen unterbrochen, die sich um einen jungen Martok drehen, als auch um die Vergangenheit von Morjods Mutter. Diese Erzählungen lösen so ziemlich alle Fragen, die nach Buch 1 noch offen waren, denn es stellt sich heraus, dass Morjods Mutter Gothmara eine Wissenschaftlerin war und schon seit langer Zeit versuchte, Macht über das Imperium als persönliche Vendetta für den Tod ihres Vaters zu erlangen. So erfahren wir, dass Gothmara bereits Jahre zuvor an der Erschaffung von Kahless‘ Klon als treibende Kraft hinter den Kulissen tätig war in der Hoffnung, dass Kahless‘ Wiederauferstehung einen Bürgerkrieg auslösen könnte.

Nachdem alle Karten auf dem Tisch liegen, wird von Martoks Getreuen schließlich erkannt, dass beim Planeten Boreth alles zusammenzulaufen scheint. Sowohl Kahless als auch Gothmaras  Hur’q-Klonen entstammen diesem Ort und die Klingonin scheint auf irgendeinen Weg Einfluss auf die dortigen Kleriker zu haben, um dort ungestört ihre Experimente durchführen zu können. Auf verschiedenen Schiffen und unterschiedlichen Kursen begeben sich Martok und seine Getreuen nach Boreth, aber nicht alle werden es zum Treffpunkt schaffen, sondern stattdessen Einlass ins Sto-vo-kor finden …

Und wo ich schon das Sto-vo-kor anspreche: Buch 2 hat einen sehr mystischen Anstrich erhalten. Beschränkte es sich im ersten Buch noch hauptsächlich auf Visionen von Martok, erfahren wir in Buch 2, dass wirklich was dran ist und dazu führt, dass Martok auf neue Kampfgefährten trifft, die über erstaunliche Fähigkeiten verfügen. Sie als „klingonische Jedi-Ritter“ zu bezeichnen, ist gar nicht abwegig. Allgemein ist ein gewisses „Star Wars“-Feeling diesem Roman nicht abzusprechen. Die „Rebellion“, angeführt von Martok, teilt sich auf mit verschiedenen Missionen, um sich schließlich am Ziel der Reise zu treffen und die entscheidende Schlacht gegen das Böse in einer Hoth-artigen Eiswüste zu schlagen. Okay, das mag sehr allgemein formuliert sein, aber während des Lesens sind mir diese Parallelen doch besonders aufgefallen. Und auch vom Tempo der Erzählung erinnert „The Left Hand of Destiny“ an einen Blockbuster. Die Geschichte von Buch 2 erscheint regelrecht prädestiniert für die große Leinwand. Allerdings auch mit zumindest einer Freigabe ab 16 Jahren. 😉 Die Brutalitätsschraube wurde im Vergleich zu Buch 1 zwar etwas heruntergeschraubt, die Gewalt wird nicht mehr ganz so detailliert beschrieben, aber rein von der Quantität her geht es auch in Buch 2 wieder heftig zur Sache. Mein Rat zu meiner Rezension zu Buch 1 bleibt also aufrecht: Diese Duologie ist wirklich nur was für Leute, die mit solcher Gewaltbeschreibungen in Romanen kein Problem haben.

Und natürlich sollte man auch was für Klingonen und ihre spezielle Art übrig haben, um diesen Roman zu mögen. Buch 2 bietet aber vielleicht den etwas besseren Einstieg. Während in Buch 1 die Charaktere oft lange Zeit nur allein mit ihren Gedanken waren und sich diese Gedanken zumeist um den Kampf und die unmittelbare Bedrohung gedreht haben, ist es in Buch 2 richtig erfrischend, die Charaktere zusammen zu sehen. Vor allem die Dialoge von Martok, Darok und Lady Sirella sind sehr amüsant, aber auch das Trio Worf-Alexander-Ezri funktioniert ausgezeichnet. Die Charaktere sind wirklich sehr gut getroffen. Das könnte vielen, die mit den Klingonen vielleicht nicht so viel anfangen könnten, beim Einstieg in die Geschichte helfen.

Fazit: Sehr spannender Roman mit einer epischen Geschichte. Eine Schwäche hat das Buch aber, nämlich das letzte Drittel. Der Grund: In diesem Teil der Geschichte mag es action-mäßig zwar ordentlich zur Sache gehen, aber mit der Zeit wird der Kampf auf Boreth doch recht eintönig und verläuft wenig abwechslungsreich. Allerdings gibt es auch in dieser Schlacht einen entscheidenden Wendepunkt, der ganz klar das Finale dieser Heldensaga einläutet. Und diese finalen Seiten sind wirklich ein echter Höhepunkt. „The Left Hand of Destiny“ gehört zu den wenigen Star Trek-Romanen, die echten Event-Charakter besitzen und verdient sich daher trotz einer gewissen Länge vor dem Finale doch noch knapp die Höchstnote! 6 Sterne!

Anmerkungen:

Genexperimente sind bei den Klingonen verpönt. Interessant, dass dieser Umstand bereits in diesem Roman Erwähnung findet. Die wirkliche Begründung, warum die Klingonen gegen Genexperimente sind, sollte erst zwei Jahre später die vierte Staffel von „Enterprise“ liefern.

Etwas sonderbar wirkt, dass das Schwert des Kahless am Ende der gleichnamigen DS9-Episode laut diesem Roman nicht im Gamma-Quadranten, sondern in einem abgelegenen Sektor des Klingonischen Imperiums im All treibend zurückgelassen wurde. Aus dem Ablauf der Episode nach hätte ich geschlussfolgert, dass es irgendwann auf dem Rückweg zur Raumstation ins All gebeamt wurde. Auch das PC-Game „Armada“ geht davon aus. Jedoch genau darüber nachgedacht, könnten Jadzia und Worf den Dahar-Meister Kor damals auch mit dem Runabout direkt nach Kronos zurückgebracht haben. Dass das Schwert im klingonischen Raum treibt, ist also nicht unvorstellbar, erscheint einem beim Lesen des Romans aber im ersten Moment etwas seltsam.

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