Rezension: SFA – „Die Grenze“

Der zweite Roman der neuen „Starfleet Academy“-Reihe (Originaltitel „The Edge“) war vom amerikanischen Verlag „Simon Spotlight“ ursprünglich als erster geplant, ist jedoch schon früh zurückgereiht worden. Allerdings ist ziemlich eindeutig, dass „Die Grenze“ eine Geschichte erzählt, die vor den Ereignissen aus „Die Delta-Anomalie“ angesiedelt ist bzw. zumindest früher ansetzt.

 

Denn „Die Grenze“ erzählt von Geschehnissen, die sich über zumindest zwei Monate verteilet ereignen und setzt direkt am Beginn der Ausbildung von Kirk, McCoy und Uhura an, die eben erst in die Akademie eingetreten sind und gleich am Beginn einen Wüsten-Hindernis-Parcours meistern müssen und auch akademisch ziemlich unter Druck stehen.

Hier setzt auch die Hauptthematik des Romans an: Die Frage, wie manche Leute mit diesem Leistungsdruck umgehen. Denn wie sich bald herausstellt, haben sich einige Kommilitonen von Kirk, McCoy und Uhura illegaler medizinischer Methoden bedient, um die Akademie zu meistern. So hat sich ein Kadett namens Jackson einer schwerwiegenden Operation unterzogen, um schmerzbefreit die physischen Herausforderungen zu bestehen. Dies wird allerdings erst bei seiner Obduktion entdeckt! Denn völlig schmerzresistent hat Jackson keine Symptome seiner schweren inneren Verletzungen wahrgenommen und erlag ihnen schließlich. Dass es hierbei um keinen angeborenen sondern um einen künstlich herbeigeführten Zustand handelt, wird erst dank Dr. McCoy entdeckt, was dem Arzt jedoch Schwierigkeiten einbringen sollte.

Jim Kirk hingegen ist zwischenzeitlich damit beschäftigt, neue (weibliche) Bekanntschaften zu schließen, vor allem mit einer Kadettin namens Monica Lynne, der derselbe Draufgängertyp zu sein scheint, wie er selbst. Und Uhura muss sich den ungewünschten Avancen eines extrem arroganten und unsympathischen Andorianers erwehren, den sie allerdings näher kennenlernen muss, als Mister Spock sie darum bittet, an den Ermittlungen zum Fall Jackson teilzunehmen. Denn der Andorianer war der Stubengenosse von Jackson und zeigt sich über dessen Ableben alles andere als betrübt.

Fazit: Die „Starfleet Academy“-Romane werden ja als Jugendromane bezeichnet, aber auch dieses zweite Buch der Reihe kann sich absolut sehen lassen. Habe ich bei „Die Delta-Anomalie“ vielleicht an zwei, drei Stellen noch ein paar kleine „inhaltliche Abkürzungen“ entdeckt, unterscheidet sich „Die Grenze“ vom Stil her eigentlich gar nicht von anderen „Romanen für Erwachsene“. Absolut solide erzählt. Was aber auf jeden Fall sicher speziell für Jugendliche (aber nicht nur) an diesem Buch interessant sein wird, ist das Thema „Leistungsdruck“ und der Umgang damit. Eigentlich ein wirklich klassisches Thema, das auch sehr gut zu einem Roman über die Sternenflottenakademie passt und so ziemlich alle Handlungsstränge des Romans berührt. Kirk, McCoy und Uhura haben hier jeweils ihre eigenen Stränge, die sich teils berühren, aber nicht immer kreuzen. Denn was recht amüsant ist: Wenn die Autoren der Academy-Reihe eine inhaltliche Vorgabe haben, dann jene, dass sich Kirk und Spock in diesen Romanen nie begegnen dürfen. Mit diesem Wissen im Hinterkopf ist deren Beinahe-Aufeinandertreffen in diesem Roman von Rudy Josephs doch ziemlich unterhaltsam.

„Die Grenze“ ist ein guter Roman. Mir persönlich hat er zwar nicht ganz so gut gefallen wie „Die Delta-Anomalie“, aber definitiv sind diese beiden Romane sehr unterschiedlich. Denn wo „Die Delta-Anomalie“ mehr auf Handlung, Mystery und Spannung setzt, legt „Die Grenze“ den Schwerpunkt mehr auf das persönliche Dilemma der Charaktere. Glücklicherweise ohne dabei zu sehr ins Philosophische abzugleiten.

Abzüge gibt es aber trotzdem. Denn zwar war „Die Grenze“ stets gut und flüssig zu lesen, aber so wirklich Spannung kam nicht auf. Und auch der Science-Fiction-Anteil war recht gering, aber sicher auch deshalb, um den Leser von der ernsten Thematik des Romans nicht zu stark zu distanzieren. Leistungsdruck ist sicher etwas, mit dem jeder schon konfrontiert war und ich kann die Intention des Autors schon nachvollziehen, dass er den Leser durch die bodenständige Erzählart stärker dazu animiert, sich in die Geschichte und die Prämisse hineinzudenken.

Im Vergleich zum Vorgängerroman gibt es in „Die Grenze“ weniger Interaktion zwischen den vertrauten Charakteren. Kirk und McCoy haben recht wenige Szenen zusammen, Lynne kann hier trotz großer Präsenz in der Geschichte keinen ausreichenden Ausgleich liefern. Allerdings fand ich die Szenen, die Spock und Uhura miteinander hatten, sehr gelungen. Aber beim Lesen der Dialoge empfand ich die Charaktere im Vorgängerroman doch als besser getroffen. Unterm Strich verdient sich der zweite Roman allerdings auch 4 Sterne, also die gleiche Bewertung wie „Die Delta-Anomalie“, wenngleich die Romane nur schwer direkt miteinander vergleichbar sind. Der eine Roman hat durchaus seine Stärken dort, wo der andere seine Schwächen hat und umgekehrt.

Anmerkung:

Wie in „Die Delta-Anomalie“ gibt es auch in diesem Buch wieder Erwähnungen einiger bekannter Spezies, wie Betazoiden, Klingonen oder Denobulaner. Und mit Thanas steht natürlich ein Andorianer im Mittelpunkt der Handlung. Allerdings – auch wenn es jeweils nur indirekt angedeutet wurde – scheint Thanas mehr mit den wärme-liebenden und emotional zurückhaltenden „Roman-Andorianern“ des DS9-Relaunch gemein zu haben als mit den kälte-liebenden und aufbrausenden Andorianern aus „The Original Series“ und „Enterprise“. Allerdings wiederlegt Thanas selbst mit seinem Verhalten (wie übrigens auch häufig Shar im DS9-Relaunch) den Ruf, das Andorianer zurückhaltend wären. Dass ein Andorianer aber einen Wüstenlauf gewinnen kann, wirkt etwas sonderbar, wenngleich sich die Andorianer aus TOS/ETP allerdings auch nie über wärmeres Klima beschwert hätten (bzw. Menschen an Bord andorianischer Schiffe auch nie gefröstelt hätten).

Was Anspielungen auf das Star Trek-Universum angeht scheint sich „Die Grenze“ in Summe allerdings doch im Vergleich zum Vorgängerroman zurückzuhalten.

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