Rezension: SFA – „The Gemini Agent“

Nachdem sich der zweite Roman „Die Grenze“ auf interne Ereignisse an der Akademie konzentriert hat, wird im dritten Roman wieder eine Bedrohung von außerhalb der Föderation behandelt. Und zwar die Romulaner! Bereits im ersten Roman von Rick Barba, „Die Delta-Anomalie“, hat sich Kadett Uhura mit der romulanischen Sprache auseinandergesetzt. Darauf aufbauend bekommt Uhura nun in „The Gemini Agent“ den Auftrag, abgefangene Funkaufzeichnungen aus dem irdisch-romulanischen Krieg neu zu übersetzen. Gleichzeitig erfährt der Leser, dass hinter der Neutralen Zone an der Ingangsetzung eines Projekts gearbeitet wird, das den Romulanern in einem potenziellen zukünftigen Krieg die Oberhand zusichern soll.

 

Der Roman erzählt von Ereignissen gegen Ende des ersten Akademiejahres von Kirk, McCoy, Uhura und – erstmals in einem Academy-Roman – Chekov. Der junge Kadett, dem der Ruf des 14jährigen Wunderkinds anhängt, bereitet sich gewissenhaft sowohl auf ein großes Flottenmanöver vor, als auch auf den Akademie-Marathon, den er unbedingt gewinnen möchte. Unterbrochen wird seine Vorbereitung darauf jedoch dadurch, dass seine Unterkunft versucht, ihn mittels Feuerlöschanlage zu ertränken. 😉 (Klingt komisch, liest sich aber recht amüsant.) In der sogenannten „Dead Week“ (eine ruhige Woche vor den Abschlussprüfungen) sind Streiche unter Kadetten zwar recht üblich, aber da dieser Zwischenfall beinahe tödlich für Chekov ausgegangen wäre, tritt der Sternenflottengeheimdienst auf den Plan.

Die Ermittlungen des Geheimdienstes bringen recht Sonderbares zu Tage. Alles scheint auf Jim Kirk als „Attentäter“ hinzudeuten, doch Kirk selbst leidet an Amnesie verursacht durch eine Virusinfektion, die selbst Dr. McCoy ein Rätsel ist. Gleichzeitig scheint irgendjemand großangelegt alle möglichen Datenbanken der Föderation anzuzapfen, um alles über das Leben von James T. Kirk zu erfahren.

Fazit: „The Gemini Agent“ ist das zweite Werk von Rick Barba und wie schon bei dessen Erstlingswerk präsentiert er uns wieder eine spannende, weitgehend mysteriöse Story, baut jede Menge Verweise auf das Star Trek-Universum ein und trifft die Charaktere Kirk und McCoy wieder perfekt. Auch die Uhura/Spock-Passagen können sich absolut sehen lassen (wenngleich Spock doch ein bisschen zu emotional rüberkommt) und wie sich Kirk und Chekov schließlich anfreunden ist auch sehr nett geschrieben. Rick Barba zeigt also wieder sehr gutes Gespür für den richtigen Ton bei der Interaktion der Hauptcharaktere, was ich auch schon bei „Die Delta-Anomalie“ sehr zu schätzen wusste.

Was im Vergleich zu Barbas erstem Roman aber bedeutend anders ist: Die Mystery-Handlung bleibt nicht so mysteriös. Tatsächlich bekommt man jede Menge vom Plan der Romulaner mit. Der Leser wird fast schon bombardiert mit Teilen des Plans, allerdings fehlt bis zum Finale noch das entscheidende Puzzlestück. So spekuliert man als Leser allerdings schon früh und wird wahrscheinlich bei den zwei, drei Theorien, die einem einfallen, vermutlich mit einer davon auch am Ende richtig liegen. Das nimmt zwar ein bisschen die Spannung gegen Ende, allerdings gibt es am Schluss noch einen tollen Twist, der doch noch zu überraschen weiß. Und zusammen damit gibt es interessanterweise auch eine Anspielung auf den 8. Star Trek-Roman von William Shatner, „Sternennacht“.

Insgesamt wieder ein gutes Buch der „Starfleet Academy“-Reihe, solide und unterhaltsam geschrieben. Allerdings einen großen Mangel gibt es: Er ist zu kurz! Auch die beiden Vorgängerromane waren nicht wirklich sonderlich umfangreich, aber bei „The Gemini Agent“ finde ich zum ersten Mal, dass dieser Roman zu kurz ausgefallen ist. Die zweite Hälfte des Romans hätte ruhig doppelt so ausführlich sein dürfen. So endet die „romulanische Verschwörung“ am Schluss einfach zu schnell und simpel  und jeder – sowohl auf romulanischer Seite als auch auf Föderationsseite – scheint sich mit den Geschehnissen widerstandslos abzufinden. Außerdem gibt es ein paar Nebenhandlungen, die plötzlich verschwinden. Was aus Chekovs Marathon wurde wird nicht erwähnt und auch Uhura sieht man letztmals nur dienstlich während des Manövers. Eine echte Schlussszene bekommt sie nicht, was auch für Spock gilt.

Hauptsächlich wegen diesen Versäumnissen bekommt „The Gemini Agent“ von mir nur 4 von 6 Sternen. Das ist zwar die gleiche Wertung wie bei den anderen beiden Academy-Romanen, aber „The Gemini Agent“ muss sich schon zumindest hinter „Die Delta-Anomalie“ einreihen.

Anmerkungen:

„Der Romulanische Krieg“ wurde ja zumindest schon zweimal in der Star Trek-Literatur ausgeführt. Einmal in „Year One“ und dann im Enterprise-Relaunch. Obwohl wir in beiden Fällen keine lückenlose Kriegschronik vorgelegt bekommen, scheint Rick Barba hier wieder eine eigene Ableitung der Geschehnisse vorauszusetzen, in der 2159 London von den Romulanern bombardiert worden ist. Im Enterprise-Relaunch gab es keinen direkten Angriff auf die Erde und in „Year One“ wird nur einer erwähnt, der am Anfang des Krieges, also 2156, stattgefunden hat. Wer übrigens an meiner eigenen Interpretation des Krieges interessiert ist, dem empfehle ich meine Fan-Ficiton-Trilogie „The Romulan War“. 😉

Interessant ist auch, dass die Romulaner im Jahr 2256 nicht sofort daran denken, in einen Krieg gegen die Föderation zu ziehen, sondern sich erst in rund 10 Jahren dafür ausreichend vorbereitet sehen. Macht also 2266 und das ist genau jenes Jahr, in dem die Romulaner in der alten Zeitlinie erstmals nach dem Krieg offensiv gegen die Föderation vorgegangen sind (siehe dazu TOS „Spock unter Verdacht“/“Balance of Terror“)

Allgemein präsentiert Rick Barba seinen Lesern wieder jede Menge Anspielungen auf das Star Trek-Universum, aber einmal liegt er doch etwas daneben: In einem Gespräch zwischen Spock und Uhura erwähnt Spock einen100jährigen Krieg zwischen Vulkaniern und Romulanern, den er auf das 20. Jahrhundert datiert. In der „Voyager“-Folge „Death Wish“ wird ein solcher Krieg zwar erwähnt, aber nie datiert. Da in der Serie „Enterprise“ („Minefield“) zudem gesagt wird, dass die Vulkanier noch im Jahr 2152 lediglich durch Gerüchte von den Romulanern wissen, ist eher anzunehmen, dass mit dem 100jährigen Krieg jener rund um die Zeit des Erwachens auf Vulkan gemeint war.

Etwas ungünstig gewählt ist außerdem der Name „Farragut“ für ein Raumschiff der Constitution-Klasse in diesem Roman. Zwar wird auch darauf hingewiesen, dass die erst in zwei Jahren fertiggestellte Enterprise anders als die bisherigen Schiffe dieser Klasse sein wird, aber im 11. Kinofilm – wo die Farragut zur Flotte gehörte, die nach Vulkan flog – sah man kein Schiff, dass auch nur eine annähernd ähnliche Konfiguration wie die Enterprise aufwies. Allerdings ist es schön, dass Rick Barba so viele bekannte Schiffsklassen während des Flottenmanövers erwähnt, wie die Saladin-Klasse, die Hermes-Klasse oder Frachter der Antares-Klasse.

In diesem Roman gibt es übrigens eine Situation, in der ein Sicherheitsbeamter auf die „Sektion 31“ hinweist. Allerdings nicht in Form der geheimnisvollen Organisation, sondern ganz normal als Möglichkeit, im Falle eines dringenden Notfalls andere Regelungen (im konkreten Fall die ärztliche Schweigepflicht) aufzuheben. Es scheint also zumindest in der neuen Zeitlinie auch Mitte des 23. Jahrhunderts noch diesen Paragraphen zu geben.

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