Rezension: “Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“

Irgendwann in der fernen Zukunft existieren die Vereinigten Staaten von Amerika nicht mehr. Nach vielen Naturkatastrophen und anschließenden Kriegen um die Ressourcen gibt es nur noch Panem, ein Staat bestehend aus einem prächtigen, schillernden Kapitol und 12 umgebenden Distrikten, die die Aufgabe haben, die jeweils vor Ort existierenden Ressourcen zu gewinnen, zu verarbeiten und dem mit strenger Hand herrschenden Kapitol zur Verfügung zu stellen. In Distrikt 12, dem Kohle-Distrikt von Panem, lebt Katniss Everdeen zusammen mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester Prim und versucht in dieser trostlosen Welt zu überleben.

Obwohl erst 16 Jahre alt hat es sich Katniss zur Aufgabe gemacht, ihre Familie zu versorgen, denn unmittelbar nach dem Minenunfall, der Katniss‘ und Prims Vater das Leben gekostet hat, war ihre Mutter in Apathie verfallen und das Überleben im verarmten Distrikt 12 wurde zu einer noch größeren Herausforderung. Die Lage verbesserte sich erst, als Katniss das 12. Lebensjahr erreichte und damit eine Privileg ausnutzen durfte, das allen 12- bis 18jährigen in den Distrikten zusteht: der Bezug von Gütern – in Distrikt 12 Getreide und Öl – durch den Staat. Doch dieses Privileg hat einen nicht zu verachtenden Preis. Je mehr Güter bezogen werden, desto häufiger nimmt der Name des Beziehers in einer tödlichen Lotterie teil.

Denn das Kapitol fordert von den Distrikten jedes Jahr menschliche Tribute. Um die totalitäre Herrschaft des Kapitols in aller Öffentlichkeit anzuerkennen werden die Distrikte gezwungen, jährlich einen Jungen und ein Mädchen ins Kapitol zu schicken, wo sie trainieren, in einer Parade vorgeführt und der Öffentlichkeit präsentiert werden. All das, nur um schließlich in eine große Naturarena entlassen zu werden mit der Aufgabe, sich gegenseitig während der sogenannten „Hungerspiele“ umzubringen. 24 betreten die Arena, nur ein Tribut darf sie lebend verlassen. Und während es in den reicheren Distrikten sogar Freiwillige gibt, die sich aus Prestige dieser Herausforderung stellen, muss in den meisten Distrikten das Los entscheiden. Und Katniss ist sich bewusst, dass sie als jahrelange Bezieherin von Gütern schon jede Menge Lose im Topf hat. Doch zu ihrer Überraschung wird nicht ihr Name gezogen, sondern jener von Prim. Ihre kleine Schwester, die als 12jährige erstmals an der Lotterie teilnehmen muss und nur ein einziges Los unter Tausenden hatte, wird ausgewählt, um in den sicheren Tod zu gehen. Für Katniss, die ihre Schwester über all die Jahre beschützt hat, gibt es nur eines, das sie tun kann, um ihre Schwester zu retten: Sie meldet sich freiwillig als Tribut.

Fazit: Obwohl ich in meinem Leben schon Hunderte Romane gelesen habe, stellt „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“ wohl eine Premiere für mich dar. Denn nicht nur, dass der Roman in der von mir eher wenig gemochten Ich-Erzählform verfasst ist, so ist er ebenfalls in der Gegenwartsform geschrieben. Da alles aus der Sicht von Katniss erleben, bietet der Roman dem Leser sozusagen einen „Live-Einstieg“ in die Gedankenwelt der Protagonistin. Am Beginn des Romans, der die Welt von Welt von Panem und von Distrikt 12 ausreichend und ungezwungen beschreibt, wirkt diese Erzählform noch etwas sonderbar, da nicht viel Besonderes passiert. So gibt’s es hin und wieder doch immer wieder ein paar Passagen die ein wenig primitiv wirken, wenn Katniss erzählt, dass sie in der Früh aufwacht, aufsteht, ins Badezimmer geht, dieses und jenes Kleidungsstück anzieht, etc.

Aber zum Glück werden die Ereignisse schon recht bald spannender, wenn die Lotterie beginnt und sich Katniss entscheidet, statt ihrer Schwester Prim in den sicher scheinenden Tod zu gehen. Ab diesem Zeitpunkt beginnt eine Odyssee, die für Katniss und den Leser viele neue Eindrücke bereithält, vor allem das dekadente Kapitol und die auffälligen Unterschiede zum Leben in den Distrikten. Ab diesem Zeitpunkt macht sich die Erzählweise wirklich verdient, da Tribute naturgemäß Einzelkämpfer sind, vorab jedoch vor allem mit dem anderen Tribut aus ihrem Distrikt Zeit verbringen. In Katniss‘ Fall ist handelt es sich beim anderen Tribut um den Bäckerssohn Peeta Mellark, der für sie schwer zu durchschauen ist. Sowohl vor als auch während der Hungerspiele ist es interessant, Katniss‘ Gedanken und Spekulationen zu folgen. Trickst er sie aus? Ist er wirklich in sie verliebt? Spielt er nur eine Rolle, um den Sponsoren zu gefallen, die die Tribute während der Spiele mit Geschenken unterstützen können? Ich rechne es dem Roman hoch an, dass hier nicht auf zu kitschige Art eine Romanze in die Geschichte gequetscht wird, sonder dies alles Teil des Spiels ist. Zudem sorgt die zu einhundert Prozent romantikfreie Persönlichkeit von Katniss auch dafür, dass sich hier – zumindest aus ihrer Sicht – keine Liebelei entwickelt. Aber auch ganz grundsätzlich gefiel mir Katniss Everdeen wirklich sehr gut. Ein Charakter mit Ecken und Kanten – wenngleich aus heutiger Sicht vielleicht nicht mehr so ganz originell, da es momentan wohl im Trend liegt (vor allem in US-TV-Serien), junge, weibliche Charaktere als starke und unabhängige Heldinnen in den Mittelpunkt von Geschichten zu stellen.

Bewertung: Autorin Suzanne Collins hat in ihrem ersten Roman der Panem-Trilogie wirklich tolle Arbeit geleistet, interessante Charaktere in einer interessanten Welt vorgestellt und sehr spannende Hungerspiele beschrieben, die vor Gewalt strotzen und mitunter auch nicht mit Grausamkeiten sparen. Als einzigen wirklich nennenswerten Kritikpunkt würde ich mal den Schluss nennen. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Aufbegehren gegen das System gewünscht oder zumindest eine gewisse Absicht, dass hier in den folgenden Romanen noch etwas passieren wird. So endet das Buch ein wenig unbefriedigend mit zu viel Katzbuckeln vor dem Kapitol und mit etwas wenig Perspektive für den weiteren Verlauf der Geschichte. Was mich aber nicht davon abhält, jetzt gleich im Anschluss den zweiten Roman der Trilogie zu lesen. 😉

„Tödliche Spiele“ erhält von mir starke 5 Sterne! Interessante SciFi-Welt, starker Hauptcharakter und jede Menge Spannung und Action. Ich bin gespannt, ob die Verfilmung (lief im März 2012 im Kino, erscheint August 2012 auf DVD/Blu-ray) mit dem Roman mithalten kann.

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