Rezension: “Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe“

Es sind ein paar Monate vergangen seitdem die 74. Hungerspiele von Panem mit dem überraschenden Sieg beider Tribute aus Distrikt 12 – Katniss Everdeen und Peeta Mellark – geendet haben. Doch noch haben sie nicht ihren Frieden, denn um die Erinnerung an die Hungerspiele und die drohende Auslieferung neuer Tribute an das Regime von Präsident Snow aufrecht zu erhalten, müssen alle Sieger der Spiele öffentliche Auftritte in den Distrikten und im Kapitol über sich ergehen lassen.

 

Im Vergleich zum Kampf auf Leben und Tod ein Klacks, möchte man meinen. Doch für Katniss ergibt sich daraus durchaus ein Problem. Denn während dieser Tour muss sie wieder die hoffnungslos Verliebte an der Seite von Peeta spielen. Und das muss sie nicht nur tun, um den Schein aufrecht zu erhalten, sondern auch, weil ihr Leben und die Leben geliebter Personen davon abhängt.

Präsident Snow persönlich macht ihr deutlich, dass Katniss‘ Jagdgefährte Gale der erste sein würde, der stirbt, sollte es Katniss nicht schaffen, die Bevölkerung in den Distrikten von ihrer Liebe zu Peeta in ausreichendem Maße zu überzeugen. Denn ihre Selbstmorddrohung am Ende der Hungerspiele wurde nicht in allen Distrikten als Akt der Liebe interpretiert, sondern als Verhöhnung und Aufbegehren gegen das Regime im Kapitol. Und trotz intensiver Bemühungen und einem klärenden Gespräch mit Peeta, das die beiden zu Freunden werden lässt, scheint die Lage aussichtslos. Denn der Keim der Rebellion ist bereits am Sprießen. Im deutlich strenger überwachten Distrikt 11 wird Katniss Zeugin einer spontanen Hinrichtung und nach ihrer Rückkehr nach Hause erfährt sie von offenen Aufständen in Distrikt 8. Sie merkt, dass Präsident Snow ihr eine unmögliche Aufgabe gestellt hat und beschließt, mit allen ihr nahestehenden Personen in die Wildnis zu fliehen, ehe das Kapitol Bestrafungsmaßnahmen gegen sie durchführen kann.

Doch es ist zu spät! Kaum hat sie diesen Beschluss gefasst, taucht auch plötzlich ein neuer, hartherziger Oberster Friedenswächter in Distrikt 12 auf, der Gale – der sich lieber der Rebellion anschließen würde anstatt zu fliehen – beinahe zu Tode peitschen lässt. Katniss ist nun selbst fest entschlossen, einen Aufstand in Distrikt 12 anzuzetteln, was allerdings von Tag zu Tag aussichtsloser erscheint, denn die Sicherheitsvorkehrungen werden immer strenger und das gilt auch für die Bestrafungen für selbst kleinste Zuwiderhandlungen, die unter dem vorherigen Obersten Friedenswächter noch geduldet wurden. Doch all diese Vorkehrungen vergrößern noch Katniss‘ Zorn auf das Regime und als hätte Präsident Snow dies geahnt, kommt zum 75. Jubiläum der Hungerspiele eine neue Regelung zum Einsatz: Die 24 Tribute werden aus den Reihen der bisherigen Sieger der Hungerspiele ausgewählt. Katniss und Peeta müssen zurück in die Arena!

Fazit: Der zweite Roman der Panem-Trilogie besteht aus zwei sehr unterschiedlichen, aber jeweils sehr gelungenen Teilen. In der ersten Hälfte werden Ereignisse eines längeren Zeitraums behandelt was genug Zeit gibt, die veränderten Lebensumstände von Katniss, Peeta und deren Familien und Freunde zu erläutern, wie auch die mit der Zeit die sich ständig verschlechternde Lage in Distrikt 12. Die Wut von Katniss schwappt dabei gelungen auf den Leser über bis man wirklich nur noch Abscheu für Präsident Snow und seine Herrschaft empfindet und man den Aufständischen in den einzelnen Distrikten wirklich die Daumen drückt. Doch der Triumph wird weder ihnen noch dem Leser gegönnt, vor allem in der zweiten Hälfte des Romans scheint eine Katastrophe auf die andere zu folgen. Beginnend schon mit den neuen Regeln für die Auswahl der Tribute bis hin zu den Hungerspielen selbst. Denn auch öffentlichen Solidaritätsbekundungen bei den Interviews zum Trotz, folgen die meisten Tribute bei den Spielen sofort ihrer Aufgabe und gehen aufeinander los. Wobei nach dem großen Gemetzel beim Füllhorn die Beschaffenheit der Arena selbst zum noch größeren Feind wird. Die Arena ist völlig anders beschaffen als noch im Vorgängerroman und hält jede Menge (genauer gesagt 12 ;-)) interessante Fallen bereit. Der Kampf, den die Tribute gegen die Arena ausfechten, steht schon symbolisch leicht erkennbar für den Kampf der Distrikte gegen das Kapitol. Zieht man den direkten Vergleich mit den eher längeren Hungerspielen des ersten Romans bekommt man schnell den Eindruck, dass das Kapitol die Tribute nur möglichst schnell selbst abschlachten will, der Kampf Tribut-gegen-Tribut spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Allerdings sind die anderen 22 Tribute neben Katniss und Peeta auch diesmal sehr interessante Charaktere, eine sehr bunt gemischte Truppe, in der vor allem Finnick, Johanna, Wiress und Beetee herausstechen.

Also obwohl der Roman in der zweiten Hälfte wieder einen Schwenk in Richtung Handlung des ersten Romans nimmt, unterscheidet er sich doch recht deutlich, was die Beschaffenheit des Szenarios und den Handlungsablauf angeht. Auch die Vorbereitungen auf die Jubiläumsspiele wird von Suzanne Collins diesmal auf das notwendigste reduziert um die Wiederholungen zu reduzieren. Es gelingt ihr gut, diese ähnlichen Szenen neu zu beschreiben und anders ablaufen zu lassen und dabei Katniss‘ Erfahrung aus dem Vorjahr zu nutzen. Deshalb ist auch dieser Part des Romans spannend und bei den Spielen selbst geht es ja wie schon erwähnt wirklich Schlag auf Schlag.

Bewertung: „Gefährliche Liebe“ ist eine sehr stimmige Fortsetzung des ersten Panem-Romans. Wieder sehr spannend und emotional vielleicht sogar noch mitreißender als der erste Roman, denn das Grauen wartet nicht nur in der Arena, sondern schon in Katniss‘ Heimat. Wenn ich etwas bemängeln muss, dann ist es – wie beim ersten Roman schon – wieder ein bisschen der Schluss. Diesmal aber aus einem gänzlich anderen Grund, denn mit dem Cliffhanger ist mein Bedürfnis nach „Forshadowing“ wirklich mehr als zufriedenstellend erfüllt worden. Nein, das Problem lag ein bisschen darin, dass Katniss mir ein bisschen schwer von Begriff erschien. Die wahren Absichten von Spielmacher Plutarch hätten ihr durchaus früher in den Sinn kommen können. Daher wirkt der Schluss etwas überladen, als Katniss an Bord des Hovercrafts so viele Informationen erhält, die sie sich „unterwegs“ schon hätte zum Teil zusammenreimen können. Und etwas, was ich ebenfalls im ersten Moment gewusst habe: Als erwähnt wurde, wie lang der Draht auf Beetees Spindel ist, hatte ich schon gleich direkt vor Augen, was Katniss am Ende des Romans damit machen wird. 😉

Dies hat gerade am Schluss für mich doch etwas die Spannung rausgenommen, aber dennoch ist auch „Gefährliche Liebe“ wieder ein mitreißender Roman, den ich regelrecht verschlungen habe. Wie schon „Tödliche Spiele“ erhält auch der Nachfolger von mir 5 von 6 Sternen!

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