Rezension: “Die Tribute von Panem – Flammender Zorn”

Nachdem die Jubiläums-Hungerspiele für das Kapitol in einem Desaster geendet haben und mehrere Tribute – unter ihnen Katniss Everdeen – entfliehen konnten, wurde der Aufstand in den Distrikten noch weiter geschürt. Das Kapitol führt offen Krieg gegen die Distrikte und der erste leidtragende Distrikt ist Katniss‘ Heimat. Nur einen Monat nach ihrer Flucht steht sie inmitten einer Aschelandschaft. Dem Feuer sind weniger als 900 von ursprünglich 8.000 Bewohnern von Distrikt 12 entkommen.

Zuflucht wurde ihnen – wie auch Katniss und einigen anderen geretteten Tributen – in Distrikt 13 gewährt. Wie sich herausstellt, waren die Gerüchte wahr: Distrikt 13 wurde während des Aufstands vor 75 Jahren nicht zerstört. Die Bewohner des Distrikts machten lediglich einen Deal mit dem Kapitol: Sie waren bereit sich aus der Rebellion zurückzuziehen und verkünden zu lassen, das Kapitol hätte den Distrikt ausgerottet. Im Gegenzug durfte Distrikt 13 unterirdisch im Geheimen weiterexistieren, abgesichert durch die Atomwaffen, die in diesem Distrikt einst hergestellt wurden.

Distrikt 13 mag vorübergehend ein sicherer Hafen sein, aber angenehm ist das Leben dort nicht. Es geht militärisch streng zu, jeder im wehrfähigen Alter ist dort automatisch Soldat und mit den beschränkten Ressourcen wird extrem sparsam umgegangen. Am meisten stört Katniss jedoch, dass sie kaum die Möglichkeit erhält, ins Freie zu gelangen. Ihr kurzer Ausflug zu den Überresten von Distrikt 12 bringt sie aber schließlich dazu, einem „Wunsch“ des Kriegsrats nachzukommen: Sie soll die Hauptrolle in Propagandavideos spielen, die in allen Distrikten ausgestrahlt werden sollen, um die Truppenmoral zu steigern und weitere Aufstände anzuzetteln. Jedoch hat Katniss eine Bedingung für ihre Kooperation: Straffreiheit für Peeta, der damals nicht aus der Arena gerettet worden ist und der medial vom Kapitol ausgenutzt wird.

In den folgenden Wochen darf Katniss für die Erstellung weiterer Videos Distrikt 13 gelegentlich verlassen und nimmt – sehr zum Ärger von Distrik-13-Präsidentin Coin – auch an Kampfhandlungen teil. Doch ihre Aufgabe belastet Katniss mehr und mehr mit jedem „Gegenauftritt“ von Peeta in den Nachrichtensendungen des Kapitols. Sein körperlicher Zustand wird sichtbar schlimmer weshalb der Kriegsrat nur eine Möglichkeit sieht, um Katniss zu entlasten: Peeta wird aus den Fängen des Kapitols befreit. Doch erst nach seiner Befreiung stellt sich heraus, dass sich nicht nur sein physischer Zustand verschlechtert hat …

Fazit: Am Beginn des dritten Romans wird der Leser in Distrikt 13 eingeführt, das sich sowohl vom Kapitol als auch von den bislang bekannten Distrikten deutlich unterscheidet. Es kommt einem so vor wie eine riesige Kaserne. Eine sehr eintönige und humorlose Umgebung. Man kann gut nachvollziehen, dass es Katniss dort nicht gefällt. Durch die Erzählperspektive, die den Leser alles aus der Sicht von Katniss erleben lässt, fühlt man sich dort auch ziemlich eingesperrt und außer dass man hört, dass der Krieg läuft, bekommt man lange Zeit so gut wie gar nichts über dessen Verlauf mit. Es macht zwar Sinn, Katniss in Sicherheit zu behalten, immerhin ist sie das Aushängeschild der Rebellion. Anderseits wird der Leser dadurch auch von interessanteren Ereignissen auf den Kriegsschauplätzen weitgehend ferngehalten. Immerhin zielten die Ereignisse der ersten beiden Bücher auf den Ausbruch der Rebellion hin und nun, wo es soweit ist, erfährt man recht wenig.

Trotz fehlender Hungerspiele in diesem Roman (auch wenn das Eindringen ins Kapitol etwas weit hergeholt damit verglichen wird) stehen auch in „Flammender Zorn“ die Medien und ihr Umgang mit Kampf, Tragödien im Fokus. Die Propagandavideos – „Propos“ genannt – stellen für den größten Teil der Geschichte Katniss‘ persönliches Schlachtfeld während des Krieges dar. In Zusammengang mit den „Gegen-Propos“ von Peeta wird recht früh im Roman auch hinterfragt, ob Katniss sich nicht selbst von der Propaganda blenden lässt.

Richtig erfrischend sind dann zwischendurch die paar wenigen Ausnahmen, in denen Katniss auch Teil der Action ist. Sowohl die Passagen bei ihrem Besuch des Lazaretts als auch die Ereignisse in Distrikt 2 sind recht spannend beschrieben. Letztere vor allem deshalb, weil Gales Einstellung hier immer mehr ins Extreme umschlägt. Der Titel des Romans, „Flammender Zorn“ scheint von allen Charakteren am besten auf ihn gemünzt zu sein. Katniss selbst ist emotional hingegen eher hin- und hergerissen, was natürlich auch an der speziellen Peeta-Situation liegt. Dass durch die Gehirnwäsche des Kapitols Peetas Liebe zu Katniss völlig erlischt ist jetzt allerdings auch nichts ganz Neues, so etwas in der Art gab es z.B. schon in TV-Serien deren zentrale Figuren ebenfalls starke weibliche Charaktere waren. Scheint ein probates Mittel zu sein, um gegen solche „Heldencharaktere“ vorzugehen.

Aber dieser Schachzug erhöhte zumindest in der finalen Auseinandersetzung doch die Spannung, da Peeta nun durchaus ein legitimes Opfer des Krieges werden konnte. Und diese mitschwingende Spannung und offene Frage, was aus ihm wird, war auch recht wichtig, denn die finale Schlacht des Krieges verläuft etwas schleppend und ist vom Spanungsniveau nicht ganz vergleichbar mit den beiden Vorgängerromanen. Der interessanteste Teil des Romans ist für mich jedenfalls jener unmittelbar nach dem Ende des Krieges. In den letzten Kapiteln entscheidet sich dann das Schicksal von Katniss Everdeen und das ist auch gänzlich ohne Action-Sequenz sehr spannend zu lesen. Kurzfristig getrübt wird dieser Schlussteil durch eine sehr kurze Passage bei der Versammlung der überlebenden Tribute, in der Katniss meiner Meinung nach nicht nachvollziehbar handelt, aber diese Passage bleibt glücklicherweise aufgrund ihrer folgenden Taten ohne Konsequenzen.

Bewertung: Trotz der Kritik ist „Flammender Zorn“ ganz sicher kein schlechtes Buch. Die letzten Kapitel sind wirklich sehr interessant und am Schluss auch sehr emotional, wenn man miterlebt, wie Katniss und die Welt rundherum langsam aber sicher beginnt zu heilen, nachdem so viel Schlimmes passiert ist. Allein für diesen versöhnlichen Ausgang hat es sich schon gelohnt, die Trilogie zu lesen. Schade ist aber dennoch, dass man als Leser weitgehend von den unmittelbaren Konsequenzen der vorangegangenen Hungerspiele ferngehalten wird. So muss man sich in der ersten Hälfte des Romans mit einer Parallelhandlung zum Krieg begnügen, während gegen Schluss dann alles etwas überhastet wirkt und auch Katniss bei der Kriegsentscheidung eigentlich keine Rolle spielt. Mir erscheint der Raum, den die Vorgeschichte bis zu den eigentlich entscheidenden Passagen einnimmt, unverhältnismäßig lang bzw. vom Fokus her nicht so günstig gewählt.

Ich gebe daher dem Finale der Trilogie in Summe „nur“ starke 4 von 6 Sternen. Die letzte paar Seiten allein würden sich zwar die Höchstwertung sicher verdienen, aber die ersten drei Viertel des Romans stehen den ersten beiden Romanen (die von mir jeweils 5 Sterne erhielten) doch nach.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s