Rezension: TOS – „Ex Machina“

Die Geschehnisse des Romans „Ex Machina“ sind unmittelbar nach den Ereignissen des ersten Star Trek-Kinofilms angesiedelt. Die Geschichte baut sowohl auf den Ereignissen des Kinofilms, wie auch auf den Ereignissen der TV-Episode „Der verirrte Planet“ auf. In „Der verirrte Planet“ haben Kirk und Spock ein als Asteroiden getarntes Habitat der Fabrini – Yonada – wieder auf Kurs zu seinem Zielplaneten gebracht, wo nun drei Jahre später deren Kolonie steht. Doktor McCoy hat rückblickend jedoch weniger angenehme Erinnerungen an diese Zeit, heiratete er damals doch unbedacht die Hohepriesterin Natira, die nun um seine Hilfe bittet.

 

Während des ausgedehnten Testflugs der umgebauten Enterprise (der am Ende des ersten Kinofilms begann) wird McCoy von Natira kontaktiert, die nun Gouverneurin der neuen Fabrini-Kolonie Lorina ist und es mit Unruhen in der Bevölkerung und Terroranschlägen zu tun hat. Trotz Hilfe durch die Föderation, die Bewohner an das Leben außerhalb von Yonada zu gewöhnen, gibt es einerseits eine große Gemeinde Unzufriedener, die meinen, Natiras Regierung würde durch die Zusammenarbeit mit der Föderation die Fabrini-Kultur verleugnen. Und anderseits gibt es auch eine extremistische Gruppe,  die Anschläge auf Regierungsgebäude und auf Natira selbst verübt und es am liebsten hätte, würden sich alle wieder dem Orakel unterwerfen – jenem Hauptcomputer von Yonada, der 10.000 Jahre lang dafür gesorgt hat, dass die Fabrini ihr Habitat als Planeten wahrnahmen und falsches Denken mitunter tödlich bestraft hat.

Obwohl allen offenbart wurde, dass das Orakel nur eine Maschine ist, wird es weiterhin von der extremistischen Gruppe unter dem Kommando eines Mannes namens Dovraku verehrt, da es sie nicht kümmert, dass ihr „Gott“ künstlicher Natur ist. Da die lebenden Fabrini-Generationen nie mit Computer zu tun hatten, sehen sie im Orakel immer noch ein Wunder und etwas Verehrungswürdiges. Und als ob das nicht schlimm genug wäre, sehen sie in der Ankunft von James T. Kirk eine zusätzliche Provokation, denn in der gesamten Geschichte der Föderation hat wohl sonst noch kein anderer Mensch jemals so viele Computer „zu Tode geredet“ wie der Captain der Enterprise. Und gerade die Tatsache, dass er dies mit V’Ger nur wenige Wochen zuvor nicht geschafft hat, gibt den Extremisten zusätzlichen Auftrieb.

Das Zusammentreffen mit V’Ger hat auch einige Veränderungen für Spock gebracht, dessen Ansichten über Logik und Emotionen durch die Gedankenverschmelzung mit V‘Ger nicht nur für die Dauer des Films, sondern nachhaltig beeinflusst worden sind. Da Spock sich auf die Suche nach der richtigen Balance zwischen Emotion und Logik begibt, stößt er bei anderen Vulkaniern an Bord der Enterprise auf Ablehnung.

Und auch Doktor McCoy hat seine Schwierigkeiten mit der Besatzung des neuen Schiffes, das (wie wir erfahren auf Deckers Bestreben hin) mehr unterschiedliche außerirdische Wesen beherbergt als jedes andere Sternenflottenschiff zuvor. Zu seinen Zweifeln, wie er als „einfacher Landarzt“ mit Aulacri, Betelgeusen, Deltanern, Megariten oder Zaraniten zurechtkommen soll, bereitet ihm auch das Wiedersehen mit Natira einige Probleme, da die Gouverneurin noch immer Gefühle für McCoy hegt, er sich aber nicht sicher ist, was er für sie empfindet, stand seine Hochzeit mit ihr doch einst unter dem Schatten seines bevorstehenden Todes.

Fazit: Die Beschreibung klingt jetzt mal stark danach, als wäre „Ex Machina“ eine typische TOS-Story die sich primär um das Dreigestirn Kirk/Spock/McCoy dreht. Der Roman bietet aber weit mehr und beschäftigt sich mit allen bekannten Charakteren und allgemein auch sehr mit der zwischen TOS und dem ersten Kinofilm vergangenen Zeit. Er ist auch deshalb interessant zu lesen, da er sozusagen die „Movie-Ära“ der klassischen Serie auf den neuesten Stand bringt. In späteren Serien geprägte Begriffe und Eigenschaften von Spezies, Personen und Gegenstände streut Autor Christopher L. Bennett geschickt ein. Einzig schade nur, dass die Sache mit der Veränderung der Klingonen (der erste Kinofilm markierte ja den ersten Bildschirmauftritt von Stirnwulst-Klingonen) noch nicht mit den Informationen aus der 4. Staffel der Serie „Enterprise“ abgeglichen wurden, aber der Roman dürfte wohl ziemlich zeitgleich mit der entsprechenden TV-Episode entstanden sein.

Aber die Klingonen sind nur eine Randnotiz. Allgemein nutzt Bennett das erste Drittel des Romans, um in die Movie-Ära einzuführen. Er ergreift dabei die Möglichkeit, auf einige Details des Kinofilms einzugehen. Beginnend von der Schiffsknappheit der Sternenflotte (die Enterprise war ja das einzige Schiff in Reichweite von V‘Ger), was anhand der Aufzählung von verloren gegangenen Schiffen in TOS und anderen TOS-Romanen sehr schlüssig erscheint. Auch technische Terminologie, die es nur im ersten Kinofilm gibt (Warp 0.7, 0.8 etc.) wird kommentiert und auch gleich hinzugefügt, dass Kirk nicht damit rechnet, dass sich diese lange halten wird. 😉 Auch die wechselnde Position der Wissenschaftsstation auf der Brücke zwischen den ersten beiden Kinofilmen wird durch Kirk kommentiert, der sich in Zukunft wieder in Brückendesign wünschen wird, das jenem vor dem Umbau ähnlicher ist. Es gibt sogar eine Erklärung, was die komischen schwarzen Boxen an der Vorderseite der Uniformen sein sollen. Auch warum wir auf der Enterprise im ersten Kinofilm so viele verschiedene Spezies sehen wird wie schon zuvor erwähnt erläutert. Diese Spezies-Vielfalt treffen wir ja auch vor allem in den Romanen der 80er-Jahre an, nochmals erweitert um einige andere abstruse Wesen, über die sich Bennett sogar ein bisschen in Form von McCoys typischen Kommentaren lustig macht.

Aber durch McCoy kommt auch die Begründung, warum man allein aus praktischen Gründen (medizinische Versorgung, Lebenserhaltung) nicht zu unterschiedliche Crews zusammenstellen sollte. Ich hätte mir da wirklich gewünscht, die Autoren der Titan-Reihe hätten dies beherzigt, ist dort doch einer meiner häufigen Kritikpunkte das Mitschleppen der „Aliens-of-the-week“. Das ist aber auch einer der wenigen Negativpunkt von „Ex Machina“, nämlich dass Bennett den Außerirdischen mit ihren sonderbaren Eigenschaften sehr viel Raum einräumt. Eindeutig zu viel des Guten, denn diese Aliens mit ihren seltsamen Namen und unterschiedlichen Eigenschaften sind dann irgendwann nicht mehr auseinanderzuhalten.

Kommen wir aber nun zum Wichtigsten: der Story! „Ex Machina“ ist wirklich spannend erzählt, beinhaltet sehr viele Themen und die Erfordernisse, sich mit politischen und religiösen Themen auseinanderzusetzen und ständig Nachforschungen zu betreiben. Die Geschichte bleibt dadurch sehr abwechslungsreich und da sich so viele Themen ihren Platz im Buch teilen müssen, kippt die Geschichte nicht einmal im Showdown in eine Richtung, sondern verknüpft auch am Spannungshöhepunkt viele Aspekte. Bennett hat eine sehr gute Balance gefunden, wenngleich er natürlich nicht über seinen Schatten springen konnte und an einigen Stellen wieder sehr wissenschaftlich wird. So fügt er meiner Meinung nach doch an ein paar Stellen zusätzliche Erklärungen hinzu, wo es nicht notwendig gewesen wäre. Grundsätzlich ist es auch sehr löblich, wie er Anspielungen auf die anderen Star Trek-Filmen und -Serien einbaut. Etwas zwiespältiger sehe ich die Anspielungen auf andere Romane, da wahrscheinlich die wenigsten alle Star Trek-Romane (über 500 nach derzeitigem Stand!) gelesen haben. Anspielungen die ich erkannt habe bezogen sich hauptsächlich auf den Roman „Sektion 31: Der dunkle Plan“, aber es waren sicher noch weitere, die ich zwar als solche wahrgenommen habe, aber nicht zuordnen konnte.

Bewertung: „Ex Machina“ ist wirklich ein hervorragender Roman und Plädoyer für weitere Romane der Movie-Ära. (Auch wenn sich diese laut Aussage von Christopher L. Bennett leider nicht so gut verkaufen wie Romane in der TOS-Ära.) Das Buch nutzt die Möglichkeit, sowohl die Essenz als auch die Details des ersten Star Trek-Kinofilms Revue passieren zu lassen und gleichzeitig auf eine „gute alte“ Geschichte der TV-Serie aufzubauen und diese Geschichte rund um Yonada und die Fabrini weiterzuentwickeln. Der Roman bietet daher sowohl einen hohen – vielleicht manchmal auch zu hohen – Informationsanteil, schöne Charaktermomente und auch eine spannende Story. Ein toller Ansatz und fast durchgängig hervorragend umgesetzt. Ich gebe dem Roman daher die Höchstnote: 6 Sterne! Auch wenn es wie erwähnt ein paar Negativpunkte gibt, fallen diese so gut wie gar nicht ins Gewicht. Dafür einen vollen Stern abzuziehen wäre wirklich kleinlich von mir.

Anmerkung:

Auch wenn der erste Kinofilm wohl vor allem aufgrund des etwas reduzierten Tempos nicht jedermanns Sache ist, ist der Roman eine wirkliche Empfehlung für jeden Star Trek-Fan. Es wäre durchaus möglich, dass „Ex Machina“ einen neuen Blickwinkel hinzufügt, die bei einem erneuten Sehen des Kinofilms einiges in neuem Licht erscheinen lässt bzw. Erklärungen zu offenen Fragen nachliefert.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s