Rezension: VOY – „The Eternal Tide“

Admiral Kathryn Janeway ist tot. Das war die Nachricht, die Captain Chakotay  am Beginn vom Kirsten Beyers erstem Voyager-Roman „Full Circle“ schwer getroffen hat und die Bewältigung dieser Nachricht hat viele Monate gedauert. In „The Eternal Tide“, dem vierten Voyager-Roman von Kirsten Beyer, ist Chakotay nun wieder im Reinen mit seinen Gefühlen und verrichtet seinen Job als Captain der Voyager unter dem Kommando der Flottenkommandantin Captain Afsarah Eden, die davor steht, einiges über ihre eigene Vergangenheit zu erfahren.

Während die Erkundungsflotte einen kleinen Zwischenstopp bei New Talax einlegt und es ein Wiedersehen mit Neelix gibt, drängt Chakotay seine Kommandantin dazu, sich vom MHN eingehend untersuchen zu lassen, um etwas mehr über ihre Vergangenheit in Erfahrung zu bringen. Das einzige, was Eden weiß ist, dass sie auf einem sonst verlassenen Planeten von zwei menschlichen Entdeckern gefunden wurde, die sie aber im Alter von 15 Jahren verlassen hatte um ihre eigene Entdeckerkarriere bei der Sternenflotte zu beginnen. Erst Jahrzehnte später während des „Full Circle“-Projekts entdeckte sie Hinweise darauf, dass ihre Wurzeln eventuell im Delta-Quadranten liegen könnten. So kann sie Sternenzeichen der Mikhal genauso problemlos lesen wie auch fremde Schriftzeichen als Sprache einer anderen Delta-Quadrant-Spezies erkennen. Die Untersuchung durch das MHN ergibt dann noch Seltsameres: Oberflächliche Scans weisen Eden zwar als Menschen aus, aber ein detaillierterer Blick verrät, dass ihre DNS offenbar verändert wurde. Und nicht nur das: Auch auf subatomarem Niveau ist Eden außergewöhnlich und lässt den Schluss zu, dass sie über besondere übernatürliche Fähigkeiten verfügen dürfte. Solche Fähigkeiten haben sich bei Eden zwar noch nicht manifestiert, aber die Untersuchungsergebnisse geben dem MHN, Chakotay und Counselor Cambridge doch Grund zur Besorgnis und sind Anlass für eine weitere Spurensuche. Denn die nächste geplante Erkundungsmission der Voyager führt in die Nähe des Mikhal-Außenpostens, auf dem die von Eden erkannten Sternzeichen einst von der Voyager-Crew entdeckt worden sind.

Während sich Eden zusammen mit Cambridge und dem MHN an Bord der USS Achilles zum Außenposten begeben und dort eine unglaubliche Entdeckung machen, begibt sich die Voyager wie geplant zum nahegelegenen Planeten der Kooperative (siehe gleichnamige TV-Episode der dritten Staffel) um nachzuforschen, ob auch diese genauso wie das Borg-Kollektiv von den Caeliar „umgewandelt“ worden ist. Auf dem Weg dorthin stellt sich aber eine neue Macht der Voyager in den Weg: Die Tarkon, die in den letzten Jahren stark expandiert und nun mit einer großen Anzahl an stark bewaffneten Raumschiffen in diesem Teil des Weltalls vertreten sind.

Und auch die Schiffe Quirinal, Esquiline, Curie und Hawking führen etwas weiter entfernt im ehemaligen Borg-Raum Nachforschungen durch und stoßen dabei auf ein sonderbares Objekt im All, das erstaunliche Ähnlichkeit mit einem vergleichbaren Objekt hat, das zur selben Zeit von Captain Eden auf dem Mikhal-Außenposten entdeckt wird. Im Verlauf der Nachforschungen stellt sich heraus, dass es sich um eine Brücke zum sogenannten „Omega-Kontinuum“ handelt, durch das sich die zerstörerische Macht von Omega im Weltall ausbreiten kann und dabei nicht nur das gesamte Universum, sondern gleich die Gesamtheit aller Universen bedroht. Selbst die allmächtig scheinenden Q sehen sich durch Omega bedroht.

Damit im Zusammenhang steht auch ein besonderer „Familienstreit“ im Q-Kontinuum. Denn Q-Junior verzeiht es seinen Eltern nicht, dass sie trotz besseren Wissens den Tod seiner Patentante – Admiral Janeway – nicht verhindert haben. Q und Lady Q weisen darauf hin, dass Janeways Tod eine notwendige Konstante war, um schließlich mittelfristig das Ende der Borg herbeizuführen. Eine Veränderung der Vergangenheit kommt daher nicht in Frage und auch eine Wiederbelebung in der Gegenwart steht nicht zur Diskussion, denn wenn die Q ein Gesetz haben, dann jenes, Verstorbene nicht mehr auferstehen zu lassen, wenngleich es auch in ihrer Macht stehen würde. Für Q-Junior eine unbefriedigende Entscheidung, denn er ahnt bereits von der Bedrohung durch Omega und weiß, dass diese Bedrohung in einer anderen Zeitlinie bereits einmal abgewendet worden ist: Nämlich in der einzigen Zeitlinie, in der Kathryn Janeway nicht gestorben ist und Jahre später als Admiral die Vergangenheit verändert hat, um die Voyager früher nach Hause zu schicken.

Die Schlussfolgerung ist klar: Um die Bedrohung abzuwenden muss Kathryn Janeway wiederauferstehen!

Fazit: Man merkt, es tut sich sehr viel im Universum und den diversen Kontinuen. Und das wäre auch nicht so schlimm, immerhin ist „The Eternal Tide“ ein sehr umfangreicher Roman und bietet an sich genug Platz für verschiedene Handlungsstränge. Leider kristallisiert sich ab ca. der Mitte des Buches eine Haupthandlung heraus, für die nach und nach eine Nebenhandlung nach der anderen auf der Strecke bleibt und nicht mehr weiter verfolgt wird. Nachträglich betrachtet wird ein recht großer Teil der Erzählungen der ersten Hälfte des Romans für den späteren Höhepunkt der Geschichte leider irrelevant. So beginnt „The Eternal Tide“ zwar sehr stark und mit den diversen Herausforderungen durchaus wie ein echter Event-Roman, verliert diesen Charakter aber in der zweiten Hälfte des Romans, wo es fast nur noch um die Eindämmung einer recht vage beschriebenen Raumanomalie geht. Viel zu viel Zeit wird darauf aufgewendet, eine technische Lösung zu finden, was sehr stark mit dem leider Star Trek-typischen und von mir persönlich wenig gemochten Technobabble garniert wird.

Im Lösungsansatz scheint Autorin Kirsten Beyer dann meiner Meinung nach auch etwas die Geschichte auf den Kopf zu fallen. Bei all den multiversialen, universalen und zeitübergreifenden Ereignissen und Konsequenzen verliert man als Leser recht leicht die Übersicht und so wirkt es zumindest auf mich, als habe auch Beyer diese nicht ganz zu Ende gedacht bzw. bereits auf recht wackelige Beine gestellt hat. Einerseits ist es schon schwer zu glaube, dass es tatsächlich nur eine einzige Zeitlinie gibt, in der Kathryn Janeway nicht gestorben sein soll. (Diese Zeitlinie sehen wir am Beginn des Voyager-Finales.) Denn immerhin ist diese nicht-manipulierte Zeitlinie sozusagen das „Original“ und sollte zumindest so ähnlich in unendlichen Ausprägungen im Multiversum existieren.

Dann ist da noch die bereits erwähnte Q-Regel, Tote nicht wieder auferstehen zu lassen. Durch diese ergibt sich leider ein Widerspruch zur TNG-Episode „Rikers Versuchung“, in der Q versucht, Riker von der Akzeptanz der Q-Mächte zu überzeugen. Um das zu erreichen ködert Q ihn jedoch gerade mit der Möglichkeit, Tote wiederzuerwecken. (Was Riker mit seinen in dieser Episode gewonnenen Kräften auch umsetzt.) Die „Allmacht“ der Q stellt also vor allem in dieser Story ein ziemlich großes Problem dar. Durchaus interessant empfand ich ja die Art, wie das Q-Kontinuum mit dem Omega-Kontinuum verbunden ist. Anderseits stellt sich mir die Frage, ob es dadurch nach der Lösung des Omega-Problems für die Q überhaupt noch möglich sein sollte, in Zukunft wieder aufzutreten. Der Schluss des Romans impliziert dies, aber der „Logik“ der Geschichte nach sollte dies eigentlich nicht mehr möglich sein, wenn die beiden Kontinuen tatsächlich so stark interagieren.

Betreffend Q (hier meine ich jenes Exemplar, das uns seit dem Pilotfilm von TNG bekannt ist) muss ich sagen, dass dieser am Schluss auch ziemlich uncharakteristisch handelt. Ich finde zwar, dass der bedrohliche und sogar ein wenig bösartige Q der frühen Auftritte in TNG mir mehr zusagt als der weichgespülte Menschenfreund von später. Aber die Wandlung am Ende scheint mir nach diesem Werdegang nicht nachvollziehbar. Ebenso schwer nachvollziehbar ist der Kurzauftritt von Kes. Ja, es ist schön einen vertrauten Charakter aus der TV-Serie wiederzusehen, aber mit den vielen Anspielungen auf in der Zwischenzeit geschehene Ereignisse, die nicht genauer erläutert werden, irritiert sie mehr, als dass sie etwas zur Geschichte beiträgt. Erst durch Recherche habe ich herausgefunden, dass sich diese Anspielungen auf den Roman „Evolution“ von 2006 beziehen.

Wo wir gerade bei den Q sind: Es gibt einige Passagen im Q-Kontinuum, die ausschließlich aus Dialogen bestehen. Dies ist etwas unglücklich, da auch alle Personen dort „Q“ heißen und sich so anreden. Es dauert daher gelegentlich einige Absätze bis man kapiert, wer was sagt. Und auch später als die Q auf den Schiffen der Erkundungsflotte auftauchen ist oft unklar, welcher Q gerade erschienen ist.

Die Einführung der Sternenflotten-Kampfflieger am Ende des vorangegangen Romans kommt in „The Eternal Tide“ wirklich sehr gelegen, sind sie doch die ideale Waffe, um mit den modularen Schiffen der Tarkon zurecht zu kommen. Die „TS-Flyer“ (Tactical Support Flyer) erscheinen aber wirklich übermächtig, vernichten ein Tarkon-Schiff nach dem anderen während sie selbst keine Verluste hinnehmen müssen. Natürlich hätte dann die Gefahr bestanden, diese Flyer als „Redshirts im Weltall“ zu sehen, die sich opfern während die „Heldenschiffe“ ihren Job machen. Anderseits erscheint mir ihre Übermacht gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Tarkons unrealistisch beschrieben.

Bewertung: Das Fazit klingt natürlich nicht sehr positiv. Und tatsächlich sind die Makel von „The Eternal Tide“ recht ähnlich jenen von Beyers zweitem Voyager-Roman „Unworthy“. Auch dieser Roman hatte eine sehr ansprechende Grundprämisse und hierbei stelle ich „The Eternal Tide“ sogar höher, da vor allem die erste Hälfte des Romans eine wirklich epische Geschichte verspricht. Ernüchterung tritt dann leider in der zweiten Hälfte auf, in der weniger gehandelt, dafür mehr – und schwer nachvollziehbar – theoretisiert wird. Aufgrund der abstrakten Natur der Bedrohung sind die Widersprüchlichkeiten der Handlung aber doch etwas besser getarnt als in „Unworthy“.

Aus diesem Grund, aber vor allem dank des starken Beginns, erhält „The Eternal Tide“ von mir einen Stern mehr und somit 3 von 6 Sternen.

Anmerkung:

Eine lobenswerte Erwähnung ist die Anspielung auf eine berühmte Szene des ersten „Ghostbusters“-Films wert. („Get her!“ – „That was your plan?“). 😀

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