Rezension: „Die Prinzessin vom Mars“

Edgar Rice Burroughs kennt man hierzulande eher als Erfinder von Tarzan. Seine Science-Ficition-Romane rund um Hauptmann John Carter, den es Ende des 19. Jahrhunderts unverhofft auf den roten Planeten Mars verschlägt sind eher weniger bekannt, wenngleich sie für viele Generationen späterer Science-Ficiton-Autoren und Filmemacher eine Inspiration waren, wie für George Lucas oder James Cameron. Aber erst 100 Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Abenteuers von John Carter im „The All-Story-Magazine“ wurde der Stoff erstmals groß von Hollywood verfilmt. Anlass genug, mir nun mal den ersten Roman der Reihe „Die Prinzessin vom Mars“ durchzulesen.

Die Geschichte wird im Grunde als Manuskript präsentiert, das von John Carter viele Jahre nach seinen Abenteuern auf dem Mars verfasst wurde. Die Erzählung beginnt zu dem Zeitpunkt, als er nach dem Bürgerkrieg zu einem Goldschürfer wurde und tatsächlich das Glück hatte, auf eine gewaltige Goldader zu stoßen. Doch schnell stellte sich heraus, dass in diesem Teil von Arizona auch sehr feindlich gesinnte Indianer lebten. Auf der Flucht vor diesen flüchtete Carter in eine sonderbare Höhle, die die Indianer zwar nicht zu betreten wagten, die aber auch eine ungewöhnliche Wirkung auf Carter hatte. Denn ohne zu wissen warum, findet er sich plötzlich auf einer fremden, öden Welt wieder. Ihm wird schnell klar: Er ist auf dem Mars! Dort, wo er mit seiner an irdische Schwerkraft gewöhnte Muskulatur über gewaltige Kräfte verfügt und mit einem Satz ohne Mühe meterweit springen kann. Und diese Fähigkeiten erweisen sich auch als höchst nützlich, denn Carter ist nicht allein auf dem Mars. Geschätzt für seine Fähigkeiten wird er schnell von riesenhaften, wilden und kriegerischen Marsmenschen – den Tharks – aufgenommen. Carter erlernt deren Sprache und beginnt deren Kultur und Wesenszüge zu verstehen. Vor allem letztere unterscheidet sich enorm von der Art der Menschen und so sehnt sich Carter – trotz guter Unterbringung bei einer aufgeschlossenen Frau namens Sola und mit einem treuen Marshund Woola, der ihm nicht von der Seite weicht, ausgestattet – bald nach der Gesellschaft ihm ähnlicher Wesen.

Und Carter muss nicht lange warten, denn während eines Gefechts, bei dem die Marsmenschen fortschrittliche Luftschiffe abwehren, fällt ihnen einer der Passagiere eines solchen Schiffes in die Hände: Eine verführerisch schöne Frau, die beinahe aussieht wie ein Mensch!

Fazit: John Carters erstes Abenteuer auf dem Mars beginnt wirklich sehr interessant und erzählt sehr schön Schritt für Schritt wie ein Mensch einen ersten Kontakt mit den Bewohnern des Mars hat, sich langsam an diese gewöhnt und ständig neue Informationen erhält. So schlüpft man als Leser fast direkt in die Rolle von John Carter, der einerseits recht sympathisch ist, aber auch recht offensichtlich ein absoluter Strahlemann und Gentleman ist, der stets bereit ist, der holden Maid zur Hilfe zu eilen, fiese Gestalten auf Leben und Tod zu bekämpfen und nebenbei der einzige Tierfreund auf dem Mars zu sein scheint. 😀

Ein wenig störend empfand ich in der ersten Hälfte der Erzählung jedoch gewisse Vorgriffe. Da wir hier ein angebliches Manuskript von John Carter persönlich verfasst lesen, bietet er zwischendurch gelegentlich weitere Informationen an, die er jedoch erst später erhalten sollte. Das gibt dem Buch an diesen Stellen einen etwas dokumentarischen Touch. Ansonsten ist die Geschichte aber sehr lebhaft und in einer Art verfasst, die man durchaus als „schön altmodisch“ bezeichnen kann. Anzunehmen, dass dies Übersetzerin Franziska Willnow zu verdanken ist, die diese Art von Sprache sehr gelungen wohl aus dem 100 Jahre alten Original übertragen hat.

Autor Edgar Rice Burroughs beschreibt am Beginn sehr behutsam und detailreich Carters erste Erlebnisse auf dem Mars. In der zweiten Hälfte des Romans – ab dem Zeitpunkt der ersten Flucht vor den Tharks – hetzt er jedoch etwas. John Carter erlebt auf einer Art Odyssee ein Abenteuer nach dem anderen und lernt viele Personen kenne, die mitunter allerdings nicht viel zur Handlung beitragen. Es wirkt ein bisschen wie Sightseeing auf dem Mars. Zumindest bis zum Finale, das eine sehr ausgedehnte Schlacht zwischen den Völkern auf dem Mars beschreibt. Hier hätte ich es schön gefunden, wenn Burroughs die Schlacht so beschrieben hätte, dass sie nicht nur durch plumpe Stärke gewonnen wird. Von einem Strahlemann wie Carter hätte man durchaus noch einen Genieblitz erwarten können. Diesen spart man sich aber für die letzten paar Seiten auf, die auch direkt eine Fortsetzung ankündigen, die im Roman „Die Götter des Mars“ erfolgen wird. Jedoch erschien mir der rettende Einfall von Carter etwas sonderbar, da er ihm meiner Meinung nach schon ruhig ein bisschen früher hätte haben können und nicht erst unmittelbar vor dem sicheren Tod. 😉

Bewertung: Wenngleich in „Die Prinzessin vom Mars“ Edgar Rice Burroughs die von John Carter beobachteten Wunder auf dem Mars stets als wissenschaftliche Erkenntnisse verkauft, ist der Roman recht eindeutig dem Genre „Fantasy“ zuzuordnen, besetzt mit den klassischen Figuren eines Märchens wie den glorreichen, unbesiegbaren Helden, die wunderschöne Prinzessin, verfeindete Könige. Dazu mischt sich ein bisschen Western und sehr viel blutiger Kampf – natürlich stets mit dem richtigen Sieger. 😉 Also im Grunde eine Geschichte mit Happy End-Garantie, wenngleich die letzten Seiten einen Cliffhanger beinhalten, der Lust machen soll, die Fortsetzung zu lesen. Und das gelingt gar nicht schlecht. „Die Prinzessin vom Mars“ ist weitgehend ein schön geschriebenes Buch, das sich gut  und flüssig lesen lässt, aber durchaus eine etwas komplexere Geschichte hätte erzählen können. Dennoch, knapp 4 Sterne sind für diese 100 Jahre alte Geschichte durchaus verdient.

Anmerkung: Die Verfilmung von Disney Pictures im Jahr 2012 mit dem Titel „John Carter“ ist keine direkte Wiedergabe dieses Romans. Zwar entwickelt sich die Geschichte allgemein in dieselbe Richtung, man könnte den Film aber wohl besser als durch die Romane inspiriert bezeichnen. Es kommen die meisten Personen aus dem Roman vor, einige aber auch nicht und die Figuren wurden auch etwas anderes positioniert und charakterisiert. John Carter bekommt im Film zum Beispiel eine tragische Vergangenheit mir Frau und Tochter und ist im Benehmen etwas ungehobelter als der Supermann im Roman. Prinzessin Deja Thoris ist im Film auch deutlich emanzipierter.

Durch die Terns (die erst im zweiten Roman vorkommen sollen) wurde die Geschichte auch durch eine weitere Fraktion auf dem Mars erweitert und die Geschichte dadurch nicht so geradlinig wie der Roman. Mir persönlich hat der Film sehr gut gefallen und finde recht schade, dass dieser – auch wegen der extrem hohen Produktionskosten und einigen Marketing-Problemen bei Disney – nicht sehr erfolgreich lief. Eine Fortsetzung auf der Kinoleinwand scheint eher unwahrscheinlich. Und wenngleich ich die Geschichte im Film schon deutlich ansprechender fand als jene des ersten Romans, werde ich in absehbarer Zeit sicher auch noch den einen oder anderen Mars-Roman von Edgar Rice Burroughs lesen um zu erfahren, was John Carter noch alles erlebt hat.

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