Rezension: „Die Götter des Mars“

Der Neffe von John Carter staunt nicht schlecht, als er zwölf Jahre nach dem Tod seines Onkels von diesem ein Telegramm erhält mit der Bitte, ihn zu treffen. Es stellt sich heraus, dass Carter nach seiner Rückkehr zur Erde durch seinen Tod schließlich wieder auf den Roten Planeten teleportiert worden ist und er dort eine Möglichkeit gefunden hat, nach Belieben zwischen den Planeten hin und her zu reisen. Doch sieht Carter im Mars – Barsoom in der Sprache der Einheimischen – nun seine wahre Heimat und ist ein letztes Mal zurückgekehrt, um seinem Neffen Lebewohl zu sagen und ihm ein Manuskript zu überreichen, in dem Carter all seine Abenteuer aufgezeichnet hat. Der Roman „Die Götter des Mars“ beschreibt eines dieser Abenteuer.

 

In einem Moment war John Carter noch sterbend am Ufer des Hudson River gelegen, im nächsten Moment fand er sich auf dem Mars wieder. Doch Carter hat gewisse Probleme, diese sonderbare Umgebung als Teil des Roten Planeten wiederzuerkennen: In einem gewaltigen Tal, umgeben von riesigen Gebirgen aus Gold und Edelsteinen, findet Carter nicht nur einen Wald bestehend aus gewaltigen Mammutbäumen sondern auch einen bis zum Horizont reichenden See, in den ein Fluss mündet. Es handelt sich im den mythischen Fluss Iss, der im Tal Dor endet, dem Ziel vieler Pilger, deren letzte Ruhestätte und jener Ort, wo sich Lebenden hinbegeben, um nach den Toten zu suchen. Und obwohl die idyllische Gegend einladend und durchaus ein Paradies sein könnte, ist sie in Wahrheit eine Todesfalle. Denn im Tal wohnen nicht nur die wilden, weißen Affen von Barsoom, sondern auch ein sonderbares Pflanzenvolk, das Jagd auf alle Neuankömmlinge macht. So auch auf eine Gruppe von Thark-Kriegern, die von Carters Freund Tars Tarkas angeführt werden.

Als sich die Kreaturen des Tals auf die Thark stürzen kann Carter nicht anders, als mit den Thark Seite an Seite zu kämpfen. Nur Carter und Tars Tarkas können dem Gemetzel entkommen und flüchten in eine finstere Höhle, von wo aus sie nach weiteren Auseinandersetzungen bemerken, im Reich der Therns zu sein. Wie sich herausstellt sind die hellhäutigen Bewohner des Mars die Herren über das Tal Dor und fördern den Irrglauben, dass dort die Erlösung und das Paradies warten. Doch in Wahrheit glauben sie, in den Kreaturen des Tal Dors wiedergeboren zu werden und sorgen durch Verbreitung des Irrglaubens lediglich dafür, dass sich die roten und grünen Menschen des Mars diesen Wesen freiwillig als Nahrung anbieten.

Doch die Therns sind nicht die einzigen religiösen Fanatiker auf dem Mars. Im Krieg liegen sie mit den geheimnisvollen Schwarzen Piraten, die immer wieder Angriffe auf den Tempel der Therns starten. Ein solcher Angriff bietet Carter auch die Möglichkeit zur Flucht vor den Therns, er wird dabei jedoch von seinen Fluchtgefährten getrennt und fällt den Piraten genauso in die Hände wie Phaidor, die Tochter des ranghöchsten Therns. Ab hier beginnt John Carters Reise in eine ihm völlig unbekannte Welt, tief unterhalb der Oberfläche des Mars, auf der er nicht nur einem neuen Waffenbruder begegnet, sondern auch seinem Sohn, der von den Schwarzen Piraten und deren grausamen Göttin Issus gefangen gehalten wird.

Fazit: Auch das zweite Buch von Edgar Rice Burroughs‘ Mars-Saga beginnt wieder auf der Erde, Anfang des 20. Jahrhundert (das Buch ist von 1913!) und ist diesmal keine fiktive Niederschrift von John Carter selbst sondern eine Geschichte die sein Erbe aus dessen Manuskript erstellt. Das macht allgemein aber keinen Unterschied, die Story ist wie auch der erste Roman aus der Ich-Perspektive von John Carter verfasst, lediglich bei einer Fußnote wird man an die Begebenheiten des Vorworts erinnert, die Burroughs selbst und nicht John Carter zum Autor des Romans machten.

Wie man aus der Beschreibung des Inhalts schon herauslesen kann, startet Carters neues Abenteuer auf dem Mars mit einem wahren Action-Feuerwerk. Sicher, auch der erste Roman strotzt nur so vor Kampfgetümmel und Verfolgungsjagden. Aber „Die Götter des Mars“ übertrifft den Vorgängerroman bei weitem. Positiv anzumerken ist jedoch bei all dem, dass die Beschreibung der Kämpfe besser geworden sind. Im Verlauf des Romans gibt es verschiedenste Kämpfe mit verschiedensten Zielen und tatsächlich hat man diesmal sogar das Gefühl, dass diese Kämpfe Carter nicht mehr so leicht fallen wie im ersten Buch. Er wird mehr gefordert. Und seine Gedanken beim Kampf sind auch bedeutend düsterer. Denn während Carter im ersten Buch wie ein Gentlemen den Kampf als notwendiges Übel ansieht, sorgt er sich hier sehr um das Schicksal seiner Frau und seines Sohnes und seine düsteren Ahnungen machen seine Kämpfe oft zu einem Akt der Rache und so findet er mitunter sogar Genugtuung in der Tötung des Feindes. Das macht John Carter zwar nicht gerade zu einer freundlichen Person, aber doch deutlich glaubwürdiger als es der Strahlemann im ersten Buch war.

Das Thema Religion wird ebenfalls sehr vordergründig behandelt und hier ist der Roman doch recht deutlich mehr Science-Ficition als Fantasy. Denn Hauptthema der Geschichte es ist eindeutig zu zeigen, dass nichts mystisches hinter Religion steckt, sondern nur machtbesessene Menschen die einen Kult erschaffen, den es nach John Carters Ansicht zu zerschlagen gilt. Natürlich macht der Roman keine eindeutige Aussage die Religion als Gesamtes als etwas Schlechtes verurteilt. Aber zumindest das Glaubenssystem des gesamten Mars bringt Carter in dieser Geschichte zu Fall und die Umstände sind natürlich auch so, dass man Carter kaum widersprechen könnte.

Etwas anderes, das mir zwar aufgefallen ist, aber ich kaum bewerten kann, ist wohl das Thema Rassismus. Zur Erklärung: Die neueingeführten Marsbewohner dieses Romans sind die weißhäutigen Therns und die dunkelhäutigen Piraten. Etwas auffällig ist hierbei, dass die weißhäutige Fraktion in der gesamten Geschichte von Burroughs als „Therns“ bezeichnet wird, während die dunkelhäutige Fraktion nicht als „Piraten“, sondern beinahe durchgängig als „Schwarze“ bezeichnet werden. Das stößt schon etwas übel auf. Aber anderseits muss man auch bedenken, dass der Roman von 1913 ist, eine Bürgerrechtsbewegung damals nicht einmal Zukunftsmusik und die Bezeichnung „Schwarze“ damals in den USA wahrscheinlich noch eine der harmloseren Bezeichnungen für Afroamerikaner war. Wie gesagt, ohne Zeitzeuge dieser Epoche zu sein lässt sich die Art der Beschreibung der Piraten kaum werten, aber aus heutiger Sicht wirkt die Bezeichnung allein rassistisch. Allerdings muss man auch anmerken, dass die Figur John Carter – ein Mann aus den Südstaaten – an keiner Stelle des Romans einen rein rassenbezogenen Groll gegen die Piraten hegt sondern allein etwas gegen deren Handlungen hat, die sich von jenen der weißhäutigen Therns auch nicht sonderlich unterscheiden. Und im Gegensatz zu den Therns findet Carter bei den Piraten auch einen verlässlichen Verbündeten.

Bewertung: „Die Götter des Mars“ ist eine wahre Tour de Force, ein extrem rasantes Abenteuer. Und obwohl ausgedehnte Action-Sequenzen in Romanform meist schnell sehr mühsam zu lesen sind, bleibt der Roman dennoch sehr abwechslungsreich und streut immer wieder neue Entdeckungen ein. Jedoch hält sich das Erstaunen über solche Entdeckungen bei John Carter diesmal doch relativ in Grenzen, man merkt, er ist jetzt schon ein abgebrühter Mars-Krieger, den nichts so leicht erstaunt. Als Ausgleich bekommen wir aber hin und wieder einen Blick in die dunklen Tiefen von John Carter selbst, was der Figur sicher nicht schadet und ein Pluspunkt ist.

„Die Götter des Mars“ erhalten von mir 5 von 6 Sternen, also einen Stern mehr als der Vorgänger. Die Geschichte des zweiten Buchs wirkt trotz höherem Action-Anteil etwas runder und hat bis zum finalen Cliffhanger einen schönen Handlungsbogen. Lediglich am überbordenden Gigantismus bei der Entscheidungsschlacht störe ich mich etwas. Eine Null weniger bei der Anzahl der Schiffe und Krieger hätte das Ganze etwas glaubwürdiger gestaltet. Im Gegenzug erscheint die Geschichte dafür allerdings prädestiniert für einen großen Kino-Blockbuster mit hohem Schauwert. Achja, und was ebenfalls auch ein wenig schwer begreifbar war, war die Geografie der Unterwelt von Issus Reich gegen Ende. Den Wegen der Protagonisten war teilweise etwas schwer zu folgen.

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