Rezension: TNG – „Cold Equations – Book 1: The Persistence of Memory“

Das erste Buch von David Macks neuer Trilogie „Cold Equations“ beginnt damit, dass sich Commander Geordi LaForge auf Bitte des Kybernetikers Bruce Maddox nach Galor IV beamt. Unerwartet materialisiert der Chefingenieur der Enterprise jedoch inmitten eines Krisengebiets, denn nur kurz vor Geordis Ankunft hat es einen Angriff auf Maddox‘ Labor gegeben und der Alarmstatus im Daystrom Annex von Galor IV ausgerufen worden. Maddox selbst hat den Angriff unbeschadet überstanden, doch sein Labor wurde verwüstet, die Computer mit seinen Forschungsdaten vernichtet. Und wie sich schnell herausstellt, sind die unbekannt gebliebenen Eindringlinge sogar in einen geheimen Nebenraum des Labors gelangt. Jedoch nicht um weitere Schäden anzurichten, sondern um einen Diebstahl bzw. eine Entführung zu begehen.

 

Sämtliche Androiden, die von Doktor Noonien Soong  gebaut worden sind und in den Jahren nach Datas Tod erforscht wurden, wurden von den Angreifern entwendet, einschließlich des einzigen funktionstüchtigen Androiden: B-4.

Die Suche nach den Entführern von B-4 (der noch immer alle Gedächtnisengramme seines Bruders Data in seinem weniger fortschrittlichen positronischen Gehirn trägt, was allerdings langfristig seine Existenz bedroht) wird noch mysteriöser, als durch die öffentlichen Straßen von Galor IV ein Mann streift, der einem jungen Doktor Noonien Soong zum Verwechseln ähnlich sieht. Ein Verwandter des vor über 10 Jahren verstorbenen Wissenschaftlers oder gar ein weiterer bisher unbekannter Android des Soong-Typs? Wer auch immer es ist, scheint dieselben Absichten wie Geordi und die Crew der Enterprise zu hegen. Denn genauso wie die Enterprise heftet sich auch der Unbekannte an das Schiff der Entführer, als diese Galor IV verlassen. Und ihr Ziel lässt vermuten, dass der Typhon-Pakt – das Bündnis aus Romulaner, Breen, Tzenkethi, Gorn, Tholianern und Kinshaya – hinter allem steckt. Ein kleines Außenteam der Enterprise soll im Geheimen in einen riesigen Stützpunkt der Breen eindringen, doch auf dem Weg dorthin, begegnen sie dem Ebenbild von Doktor Soong. Und wie es sich herausstellt, hat dieser nur darauf gewartet, bis das Team von der Enterprise eintrifft, um seine Geschichte zu erzählen …

Fazit: Der Roman „The Persistence of Memory“ ist in drei Teile gesplittet. Der erste Teil funktioniert vom Inhalt und vom Handlungsaufbau mit den Nachforschungen und den daraus resultierenden offenen Fragen ausgezeichnet als Fortsetzung des erstklassigen Romans „Das Unsterblichkeitsprinzip“/“Immortal Coil“ von Jeffrey Lang. Und auch Teil 2, der die Lebensgeschichte von Doktor Noonien Soong nach dessen vermeintlichem Tod erzählt, folgt ebenfalls durchaus dem Vorbild von Jeffrey Langs Roman, in dem ebenfalls ausgedehnte Rückblicke eine wichtige Rolle in der Erzählung spielten. Was Doktor Soong nach der Vortäuschung seines Todes alles erlebte, ist fast durchwegs spannend zu lesen und in Kombination mit „Das Untersterblichkeitsprinzip“ auch deshalb interessant, da Soong in den folgenden Jahren ein Leben führte, das wohl ganz ähnlich jenem des unsterblichen Flint (der in „Das Unsterblichkeitsprinzip“ eine zentrale Rolle spielte und auch in „The Persistence of Memory“ eine Rolle spielt) ablief. Darin liegt aber auch ein bisschen das Manko dieses Teils, da man von Flints Leben und Maßnahmen, wie er sich so viel Reichtum anhäufen konnte, leicht auf die Vorgehensweisen von Soong schließen kann. Der Mittelteil des Romans ist daher – obwohl interessant – recht überraschungsarm. Tatsächlich muss ich sagen, dass die Einbindung des Orion-Syndikats und Soongs Betreiben semi-legaler Geschäfte mich dann auch nicht mehr überrascht hat. Tatsächlich hatte ich schon weit früher angenommen, dass sich Soong mal in die gesetzlichen Grauzonen bewegen würde. Und was ebenfalls in diesem Teil für meinen Geschmack fehlt, ist die Beantwortung einiger offener Fragen bzw. die Klärung mancher Kontinuitätsprobleme aus TNG was die Themen „Juliana Tainer“ und „reparierter Emotions-Chip“ angeht. Nicht falsch verstehen: David Mack macht in diesem Teil des Romans eine Unsumme an Querverweisen. Aber gerade die Frage, wie Soongs Botschaft in Juliana Tainers Gehirn kam und wie der Emotions-Chip im Film „Generations“ plötzlich vom Status „zerstört“ in „funktionstüchtig“ wechselte, hätte durchaus noch Erklärung bedurft und während des Lesens dieses Romans hatte ich doch stets den Eindruck, dass die Erzählung diese Fragen noch beantworten würde. Anstatt solche Antworten zu den TV-Folgen und zum Kinofilm zu liefern hakt auch dieser Abschnitt des Romans sehr stark bei den Ereignissen von Jeffrey Langs „Das Unsterblichkeitsprinzip“ ein. Grundsätzlich sei gesagt, dass Mack das ziemlich gut macht, es für mich aber als Kenner von Langs Roman schwierig zu beurteilen ist, ob es notwendig ist, diesen vorab gelesen zu haben. Es gibt schon sehr, sehr viele Referenzen. Und auch wenn die Kenntnis des Romans vorab nicht notwendig ist, möchte ich an dieser Stelle dennoch eine absolute Leseempfehlung für „Das Unsterblichkeitsprinzip“ aussprechen. Es kann sicher nicht schaden, da Jeffrey Langs Roman auf jeden Fall zu den besten Star Trek-Romanen überhaupt gehört.

Teil 3 und das Finale des Romans ist dann schon deutlicher als Werk von David Mack zu erkennen. Er mischt hier seine typischen Ingredienzien ein, deren gezielte Anwendung inzwischen zu seinem Markenzeichen geworden ist. Kurz gesagt: Jede Menge Tod und Zerstörung! 😀 Action-mäßig geht es ordentlich zur Sache, wenngleich sich die Breen im entscheidenden Moment doch ein wenig dumm anstellen. Aber wie Mack die knifflige Situation auflöst, ist auf jeden Fall dennoch sehr spaßig zu lesen.

Bewertung: „The Persistence of Memory“ ist eine sehr unterhaltsame und interessante Lektüre, weist aber ein paar auch schon erwähnte Probleme auf. Neben dem erwähnten Spannungsdefizit im Mittelteil gibt es hin und wieder ein paar kurze Stellen, die etwas irritieren. Neben dem Verhalten der Breen ist das interessanterweise an einer gewissen Konsole auf der Brücke der Enterprise festzumachen. Ich weiß nicht warum das „Master System Display“ im ersten Teil des Romans eine so wichtige Rolle spielt. Zur Erklärung: Das MSD ist jene große Anzeige an der Rückwand der Brücke, die den Querschnitt der Enterprise und Überblick über die internen Funktionen des Schiffes gibt. Warum ständig unterschiedlichste Leute ihre eigenen Stationen verlassen um zum MSD zu gehen, um Sensorscans von Planeten und anderen Schiffen zu machen und Funkverkehr zu überwachen, hat mich mehrmals irritiert, wenngleich es inhaltlich keine Rolle spielt. Aber vielleicht hat der sonst so action-orientierte David Mack einfach die Protagonisten etwas umhergehen lassen wollen. Positiv anzumerken ist, dass dem Leser auf diese Weise viele meist langatmigen Konferenzraumszenen erspart bleiben. Ich glaube es gibt nur eine einzige im Roman, was durchaus ein gesundes Ausmaß ist. 😉 So haben selbst negative Auffälligkeiten noch ihre positiven Auswirkungen. 😀

Und grundsätzlich ist der allgemeine Eindruck des Romans absolut positiv. Ganz über die kleinen Macken kann ich nicht hinwegsehen, auch weil die Story mit etwas endet, was ich keinesfalls in dieser Rezension vorweg nehmen will, was mich persönlich doch etwas gestört hat und wo man wohl erst die Folgeromane der „Cold Equations“-Trilogie abwarten muss, um diese Entwicklung zu bewerten. Aber für gute 5 von 6 Sterne reicht es dennoch.

Anmerkungen:

In diesem Roman gibt es einige Entwicklungen zum Thema „Personalpolitik“, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ohne zu viel vorweg zu nehmen sei gesagt, dass es einige Andeutungen gibt, die offenbar ganz langsam und langfristig zu einer Personenkonstellation führen könnten, wie man sie aus dem Comic „Countdown“ kennt. Es liegen zwar noch ein paar Jahre (in-universe) vor uns, bis die Ereignisse der Romane zeitlich jene des Comics einholen, aber ein paar Tendenzen hin zum Status Quo von „Countdown“ sind nicht zu übersehen.

Ganz anders verhält es sich mit dem Roman „Indistinguishable from Magic“. Dieser TNG-Roman von David MacIntee scheint nun offiziell ignoriert zu werden. Zwar hat mir persönlich „Indistinguishable from Magic“ nicht besonders gut gefallen, aber allgemein spricht es nicht sonderlich für die aktuelle TNG-Reihe, die seit der „Second Decade“-Ära (beginnend mit „Tod im Winter“) in einer Kontinuität angesiedelt ist. Dass die Ereignisse und die ganz wenigen und relativ bedeutungslosen nachhaltigen Entwicklungen eines Romans nun nachträglich (und meiner Meinung nach absolut grundlos) einfach ganz offen im folgenden TNG-Roman geleugnet werden (offenbar eine Anweisung des Verlags und kein Alleingang von David Mack) wirft irgendwie ein schlechtes Licht auf die Reihe als gesamtes, die sich seit Mitte des letzten Jahrzehnts doch damit rühmt selbst quer über die Reihen miteinander vernetzt und aufeinander abgestimmt zu sein.

David MacIntee zeigt sich auch öffentlich sehr enttäuscht darüber, wie mit seinem Roman umgegangen wurde und vor allem, dass er darüber auch gar nicht informiert worden ist. Da er gerade mit „Indistinguishable from Magic“ sehr viel Arbeit hatte um das Buch so hinzukriegen, wie es der Verlag wollte ist nachvollziehbar, dass er nun die Entscheidung der selben Verantwortlichen, den Roman gleich vollständig aus der Kontinuität zu streichen, wie einen Schlag ins Gesicht empfindet.

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