Rezension: TNG – „Diplomatic Implausibility“

Autor Keith R.A. DeCandidos im Frühjahr 2001 veröffentlichter Roman „Diplomatic Implausibility“ ist zwar in der Reihe „The Next Generation“ erschienen, die Crew der U.S.S. Enterprise spielt aber nur eine untergeordnete Rolle. Im Zentrum der Geschichte steht vielmehr Worf, der seine erste Aufgabe als Föderationsbotschafter übernimmt. Weiters geht es auch um die Crew des Schlachtkreuzers I.K.S. Gorkon, auf dem viele Klingonen dienen, die wir bereits aus „The Next Generation“ und „Deep Space Nine“ kennen.

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Worfs erster Auftrag führt ihn zum Eisplaneten taD, der Heimat der al’Hmatti, die schon vor 200 Jahren von den Klingonen erobert wurde um dort den Rohstoff Topalin abzubauen. Doch während das Klingonische Imperium mit der Invasion von Cardassia beschäftigt war (siehe DS9-Staffel 4) gelang es den al’Hmatti, sich aus der Unterdrückung zu befreien, die klingonischen Überwacher zu überwältigen und einen Antrag um Mitgliedschaft an die Föderation zu stellen. Ein Antrag, der aufgrund des Dominion-Krieges nur geringe Priorität hatte. Und jetzt, wo der Krieg zu Ende ist, ist es bereits wieder zu spät, denn das klingonische Imperium hat taD längst zurückerobert. Doch der Keim der Rebellion ist in den al’Hmatti erhalten geblieben und so formt sich neuer Widerstand und der klingonische Gouverneur von taD sieht sich außerstande, gegen diesen vorzugehen. Um in der angespannten Situation zu vermitteln wird Worf als Föderationsbotschafter mit dem Segen von Kanzler Martok an Bord der I.K.S. Gorkon nach taD gebracht. Doch sowohl die Ansprechpersonen auf taD als auch Captain Klag von der Gorkon erschweren Worfs Mission.

Fazit: „Diplomatic Implausibility“ war damals der Wegbereiter für eine eigene Roman-Reihe rund um die Abenteuer des Schlachtkreuzers Gorkon zweieinhalb Jahre später, beginnend mit dem Roman „A Good Day to Die“. Und der Roman dreht sich tatsächlich zu einem großen Teil um die Klingonen, die an Bord der Gorkon dienen, stellt sie sehr gut vor, vermeidet aber, sie zu plakativ in den Vordergrund zu stellen. Da wir die Charaktere bislang nur als Gastcharaktere in TNG und DS9 kannten erscheint es ganz natürlich, dass der Leser laufend mehr Informationen über sie bekommt und die Leute durch ihre Interaktion untereinander besser kennenlernt. Der Roman wirkt auch deshalb nicht durch diese zusätzlichen Charaktere überfrachtet, da die bereits aus den Serien bestbekannten Charaktere von der Enterprise nur kurze Auftritte haben und das „Rampenlicht“ Captain Klag und Co überlassen. Die Klingonen von der I.K.S. Gorkon sind gut charakterisiert, lediglich damit, wie die anderen Klingonen den stellvertretenden Chefingenieur Vall sehen, habe ich ein Problem. Vall erinnert ein bisschen an Worfs Sohn Alexander, der ebenfalls in der Verteidigungsstreitmacht dient. Aber im Gegensatz zu Alexander ist Vall hoch kompetent, ein technisches Genie. Aber dass er als Kämpfer körperlich und charakterlich weniger geeignet scheint, scheint bei der Crew der Gorkon trotz Valls anerkannter Talente als unverzeihlich zu gelten. Dies fand ich nicht wirklich nachvollziehbar.

Mit Worf, dessen Mission nach taD die Grundlage für die Geschichte ist, steht auch ein bereits bestens bekannter Charakter im Mittelpunkt. Allerdings ist seine Vermittlungsarbeit mehr ein Vorwand, diese Eiswelt und ihre Bewohner dem Leser vorstellen zu können. Eigentlich legt Worf ziemlich viele „leere Kilometer“ zurück, während die Lösung des Problems schließlich nicht besonders aufregend war und eigentlich recht früh absehbar. Worf scheint mir an manchen Stellen des Romans auch nicht so ganz ideal getroffen. Man merkt kaum, dass dies Worfs erste diplomatische Mission ist, er ist schon zu souverän und – ich weiß, es klingt seltsam – er redet für seine Verhältnisse ziemlich viel. Passt natürlich zu einem Diplomaten, aber Worf zeichnete sich in den Serien eher durch sehr direkte, knapp formulierte und schnörkellose Sätze aus. Wenn er an ein oder zwei Stellen in diesem Buch etwas längere Vorträge hält, dann wirkt er sogar ein bisschen out-of-character.

Was im Roman zu gefallen wusste, waren die vielen Anspielungen, die DeCandido eingebaut hat. Seien es klingonische Speisen und Getränke, Holodeck-Kampfsimulationen oder die Charaktere selbst (einschließlich eines gewissen Jeremy Aster, der nach einem einmaligen Auftritt in TNG völlig von der Bildfläche verschwunden ist), so weckt jede Beschreibung Assoziationen mit den TV-Serien, ohne jedoch die Handlung dadurch relevant beeinflussen zu lassen. Ebenfalls hoch rechne ich dem Autor an, dass er auf den Begriff „Ehre“ weitgehend verzichtet hat. Natürlich kommt man in einem Roman, in dem es um Klingonen geht, nicht ganz ohne den Ehrenkodex der Klingonen aus. Aber zumindest bleiben einem Vorträge darüber, was ehrenvoll ist und was nicht weitgehend erspart.

Es gibt im Roman nicht nur Anspielungen auf die TV-Episoden, sondern auch vorrangig auf Romane von Peter David. So kommen sowohl Worfs Akademie-Kameraden Soletta, McHenry und Kebron (aus der Reihe „Starfleet Kadetten“ bzw. später in „New Frontier“) vor, als auch die Spezies Kreel, die Peter David für „Planet der Waffen“ erschaffen hat.

Interessanter als die Verbindung zu vorangegangenen Romanen ist die Verbindung zu einer Roman-Duologie, die es zum Zeitpunkt als „Diplomatic Implausibility“ geschrieben wurde noch gar nicht gab: Die Duologie „The Left Hand of Destiny“ ist zeitlich vor „Diplomatic Implausibility“ angesetzt, erschien aber erst zwei Jahre später. Daher war es gut möglich, dass es einige Widersprüche geben könnten, aber ich habe mit großer Freude festgestellt, dass „The Left Hand of Destiny“ sogar rückwirkend einige Erklärungen in einem großen, epischen Rahmen geliefert hat. So wird in „Diplomatic Implausibility“ das neue Flaggschiff von Kanzler Martok, die „Sword of Kahless“, eingeführt. Zwei Jahre später in „The Left Hand of Destiny“ hat man dann erfahren, warum die Negh’Var ersetzt werden musste und sogar warum Martoks neues Flaggschiff diesen speziellen Namen bekommen sollte. Ein wenig komplizierter ist die Sache jedoch mit dem Bird of Prey Rotarran. Zu diesem Schiff wird in „Diplomatic Implausibility“ lediglich gesagt, dass es gerade repariert wird, weshalb Leskit (den man aus der DS9-Episode „Martoks Ehre“ kennt) vorübergehend auf der Gorkon dient. Meinen Respekt vor den klingonischen Ingenieuren, die auch so ein Wrack noch bergen und zu einem einsatztauglichen Schiff umbauen können. 😀 Denn J.G. Hertzler und Jeffrey Lang (die Autoren von „The Left Hand of Destiny“) sind mit der Rotarran nicht gerade zimperlich umgegangen. 😉 Was ein kleines Kontinuitätsproblem darstellt betrifft eher die Ansichten, wie manche Charaktere vor allem über Worf, Drex und Martok denken. Währe DeCandido schon damals bekannt gewesen, was diese Charaktere noch vor den Ereignissen seines Romans durchleben sollten, hätten er wahrscheinlich ein paar Stellen anders geschrieben, wenngleich mir jene Stellen, in denen z.B. Klag seine Vorurteile gegen Worf (und im weiteren Sinne gegen Martoks vermutete „Vetternwirtschaft“) ablegt gut gefallen haben.

Bewertung: „Diplomatic Implausibility“ hat mir im Grunde sehr gut gefallen. Keith R.A. DeCandidos Stil ist angenehm und flüssig zu lesen, die neuen Charaktere sind sehr interessant. Allerdings ist die Auflösung nicht so der Bringer und die Sache mit Worfs Charakterisierung bzw. die Darstellung dass dies seine erste diplomatische Mission ist hat mir nicht so gut gefallen und auch wie mit dem Klingonen Vall umgegangen wird. Das wirkte etwas unstimmig. Ich schwanke bei der Bewertung zwischen 4 und 5 Sternen, aber da der Roman unterhaltsam und flott zu lesen war und in Summe gut unterhielt, gebe ich 5 von 6 Sterne.

5stars

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