Rezension: Comic – Ongoing #15 + #16 “Mirrored”

Am Anfang der Geschichte steht eine kleine philosophisch-wissenschaftliche Debatte im Freizeitraum der Enterprise. Scotty und McCoy unterhalten sich über die Existenz verschiedener alternativer Realitäten. Mit einfachen Worten versucht Scotty dem Doktor zu erklären, woher Spocks älteres Ich gekommen ist und dass es unbegrenzt viele Paralleluniversen geben könnte und damit auch unbegrenzt viele Montgomery Scotts, was McCoy scherzhaft als schrecklichen Gedanke abtut. Dabei hat der gute Doktor natürlich keine Ahnung, dass es in anderen Universen weit schlimmeres gibt, als einen alternativen Scotty. Zum Beispiel das Terranische Imperium …

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Ausgabe #15

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Ausgabe #16

Sternzeit 2258,56: Die klingonische Heimatwelt ist unter den Waffen des Terranischen Imperiums gefallen. Das logische Ende dieses Krieges, wie Captain Spock vom Raumschiff I.S.S. Enterprise denkt während er die brennenden Ruinen von Qo’nos betrachtet. Zur gleichen Zeit hat sich der Erste Offizier der Enterprise – Commander James T. Kirk – von der Front entfernt, um sich zu einer anderen klingonischen Welt zu begeben: Rura Penthe. Sein Ziel: Tödliche Rache am aus der Zukunft stammenden Romulaner Nero zu nehmen, der über zwanzig Jahre zuvor das terranische Kriegsschiff Kelvin mit Kirks Vater an Bord zerstört hatte und unmittelbar danach von den Klingonen geschnappt und eingekerkert wurde.

Doch Kirks Plan endet nicht mit Neros Ermordung. Er hat weit größere Ziele, die er mithilfe von Neros Raumschiff Narada, das einst bei Neros Gefangennahme von den Klingonen beschlagnahmt worden war, erreichen will. Mit dem technisch fortschrittlichen Schiff will er die Macht im Imperium an sich reißen und einen radikalen Kurswechsel hin zu einem rein von Menschen dominierten Reich. Und erster Leidtragender ist Captain Spock und alle jene Crewmitglieder der Enterprise, die nicht zu Kirk übergelaufen sind. Und sein nächstes Ziel ist eine ganze Nummer größer: der Planet Vulkan! Dabei kommt es Kirk gerade recht, dass er in den Datenbanken der Narada Hinweise auf ein neuerliches Erscheinen jener Raumanomalie findet, durch die einst Nero in der Vergangenheit gelandet ist. Auch wenn es keinen Hinweis darauf gibt, was durch die Anomalie hindurch kommen wird, hatte Nero offenbar geplant, vor Ort zu sein wenn sie sich öffnet. Grund genug für Kirk, sich die Sache genauer anzusehen …

Fazit: Die Story ist eine Art Mischung aus dem letzten Kinofilm und der „Enterprise“-Episode „In a mirror, darkly“. Wie Commander Archer erlangt auch Commander Kirk in diesem Comic die Kontrolle über ein mächtiges Raumschiff und will sich durch radikales Vorgehen gegen die nicht-menschlichen Mitglieder des Imperiums zum neuen Machthaber aufschwingen. Der große Unterschied zur TV-Episode ist natürlich, dass hier das Setting eine Spiegeluniversums-Abwandlung des neuen Universums ist. Man sieht hier also ein neues Spiegeluniversum, das sich zum neuen Universum so verhält wie das alte Spiegeluniversum zum Prime-Universum. Ganz schön verwirrend, ich weiß. 😀

Noch verwirrender wird es ab dem Zeitpunkt, als ein weiteres Schiff durch die Anomalie kommt und sich dessen Pilot zu erkennen gibt. Wer das ist, will ich in dieser Rezension nicht verraten, aber es war schon eine Überraschung, wenn auch sie schwierig nachzuvollziehen ist. Rein von den Notwendigkeiten der Handlung her hätte man diese Passage ohne den Überraschungseffekt auch eleganter lösen können. Allerdings deckt sich diese Entwicklung mit der etwas sonderbaren Analogie, mit der Scotty am Beginn von Ausgabe #15 McCoy die Eigenheiten von Reisen zwischen Paralleluniversum erklärt. Und tatsächlich kann man dann am Ende von Ausgabe #16, wenn die Geschichte wieder zum Gespräch der beiden zurückkehrt, annehmen, Scotty hätte die gesamte Story mit dem Spiegeluniversum gerade erfunden und McCoy als Märchen erzählt. 😉 Also eine Ungewissheit, ob es dieses neue Spiegeluniversum jetzt gibt oder nicht, bleibt vorhanden.

Besonders erwähnenswert bei diesen beiden Ausgaben seien noch die Zeichnungen. Erstmals wurden diese vom Team „Stellar Labs“ aus Indonesien geliefert. Allgemein ein sehr schöner Zeichen- und Kolorationsstil, der sich von den Arbeiten eines Stephen Molnar, Joe Phillips oder einer Claudia Balboni durchaus abhebt. Allerdings schwankt die Wiedererkennbarkeit gelegentlich ziemlich stark zwischen den einzelnen Panels. Die neuen Charaktere sind teilweise sehr gut getroffen, manchmal aber auch nur schwer wiedererkennbar (was aber nicht an den teilweise deutlich anderen Frisuren der Spiegeluniversumscharaktere liegt). Auch die Enterprise im neuen Universum wird durchgehend falsch dargestellt und sieht aus wie die Enterprise-A aus dem Prime-Universum. Aber es gibt auch ein paar Design-Elemente, die sicher bewusste Anspielungen waren, wie z.B. die Föderationsshuttles in San Francisco und Senator Pikes Uniform. Auch der klingonische Kanzler hat im Spiegeluniversum einen kurzen Auftritt: Sein Name lautet Gorkon.

Bewertung: Irgendwie schwierig zu bewerten: Die Story ist wie erwähnt sehr ähnlich jener der Spiegeluniversums-Episode von „Enterprise“. Das neue Setting und die veränderten Charaktere sorgen dennoch dafür, dass die Geschichte stets unterhaltsam beleibt. Aber Probleme habe ich mit dem Ereignis, bei dem die Story beginnt abzuweichen. Da hätte ich mir eine „logischere“ Konsequenz erwartet.

Punkten kann der Comic auf jeden Fall mit den üblichen Spiegeluniversumszutaten, wie übertriebene Charaktere (deren Überleben bis zum Ende nie Gewissheit ist), jede Menge Anspielungen (diesmal sogar auf 3 andere Universen) und Action ohne Rücksicht auf eventuelle Kollateralschäden. Daher vergebe ich mal knapp 4 Sterne, wenngleich nach dem ersten Teil der Geschichte durchaus mehr möglich gewesen wäre (5 Sterne für #15, knapp 3 Sterne für #16). Aber so ganz verzeihen oder ganz eindeutig als Scotty-Fantasie abtun kann ich den etwas seltsamen Story-Wendepunkt in der zweiten Ausgabe nicht, wenngleich – oder gerade weil – er nicht unbedingt relevant für die Geschichte war.

4stars

Anmerkung: Das Cover von Ausgabe #15 mit den beiden ident aussehenden Enterprises stimmt inhaltlich nicht ganz. Abgesehen davon dass die neue Enterprise im Comic wie die Refit-Version aus dem Prime-Universum dargestellt wird, sieht die neue Spiegeluniversumsvariante des Schiffes auch deutlich anders aus. Außerdem scheint der Krieg mit den Klingonen sehr verlustreich gewesen zu sein, denn diese Enterprise trägt die Registriernummer „NCC-1701-D“.  😉

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