Rezension: TOS – „Errand of Vengeance – Book 2: Killing Blow“

Seit zwei Wochen ist der klingonische Agent Kell unter dem Decknamen „Jon Anderson“ schon an Bord der U.S.S. Enterprise und sein Weltbild hat sich seitdem verändert. Hat er die „Erdlinge“ früher für schwächlich und feige gehalten, hat er nun schon seinen ersten Kampf Seite an Seite mit einigen von ihnen bestritten und erkannt, dass sich auch auf der Seite der Menschen ehrenvolle Krieger finden lassen. Auch James T. Kirk ist nicht der ehrlose Bastard, für den die klingonische Propaganda ihn hält, hat der Captain der Enterprise doch selbst während des Kampfes Kells Leben gerettet. Umso schwerer fällt es Kell, seinen eigentlichen Auftrag – Captain Kirk zu ermorden – auszuführen. Trotz seiner Gewissensbisse entschließt er sich dazu, weiterhin dem Imperium treu zu dienen und plant, bei der nächsten Außenmission Captain Kirk zu töten. Doch diese Mission nimmt einen anderen Verlauf als gedacht …

 Killingblow

Wie die Sternenflotte herausfindet, bereiten die Klingonen eine großangelegte Invasion der Föderation in ungefähr sieben Monaten vor. Eine wichtige Ressource, die sie für dieses Vorhaben benötigen, ist Dilithium. Die wertvollen Kristalle, die zum Antrieb ihrer Kriegsflotte benötigt werden, scheinen über die Orioner an die Klingonen geliefert zu werden. Auf einem Planeten innerhalb der Föderationsgrenzen, aber nahe der klingonischen Grenze, scheinen die Orioner ein großes Vorkommen an Dilithium gefunden zu haben. Jedenfalls betreiben sie dort seit kurzem eine große Bergwerksunternehmung, die jedoch mittels exzessiver Kernborhung die tektonische Stabilität des gesamten Planeten bedroht. Umso schlimmer ist dies, da auf dem Planeten auch eine vorindustrielle Bevölkerung existiert.

Um mehr in Erfahrung zu bringen begibt sich Captain Kirk zusammen mit einem Sicherheitsteam, dem auch Kell angehört, mittels Shuttle zum Planeten. Zur Überraschung aller stellt man dort fest, dass die einheimische Bevölkerung sich inzwischen recht gut gegen die Orioner zu wehren weiß. Und noch größer wird die Überraschung, als das Außenteam herausfindet, um welche Spezies es sich bei den Einheimischen in Wahrheit handelt.

Zur gleichen Zeit auf dem Schlachtkreuzer D’k Tahg: Kells Bruder Karel, der kürzlich dank des Zweiten Offiziers zum Leiter eines Waffenkontrollraums aufgestiegen ist, sinnt nach Rache gegen die Föderation, denn er wird im Glauben gelassen, Kell wäre bei einem Gefecht ums Leben gekommen. Der Zweite Offizier manipuliert Karel mit dem Versprechen, ihm seine Rache zu ermöglichen und verwickelt ihn dadurch in ein Komplott, das zum Ziel hat, den bisherigen Captain der D’k Tahg zu ermorden. Doch Karel durschaut langsam, dass sich der Zweite Offizier mit der Beförderung und dem Versprechen nur Karels Loyalität sichern wollte. Zweifel nagen an ihm, ob er unter dem neuen Captain wirklich die Gelegenheit zur Rache erhalten wird.

Im Sternenflottenhauptquartier gibt es ebenfalls eine Person, die von Zweifel geplagt wird: Admiral Justman – einst bei der Schlacht um Donatu V jener Mann, der die Klingonen verschonte – lässt das vor über 20 Jahren stattgefundene Gefecht in Gedanken Revue passieren. Ein Gefecht, das keinen eindeutigen Sieger hatte und aus Sicht der Klingonen in sieben Monaten endgültig beendet werden soll.

Fazit: „Killing Blow“ ist der zweite Teil der „Errand of Vengeance“-Trilogie und wie so häufig bei den mittleren Teilen von Trilogien hat man auch hier das Gefühl, der Roman würde streckenweise nur einen gewissen Zeitraum überbrücken. Besonders auffällig ist das bei den Rückblenden zur Schlacht um Donatu V, die in diesem Buch zwar ausführlich und ziemlich spannend beschrieben wird, aber nicht wirklich Relevanz zu haben scheint. Die Bedeutung der zurückliegenden Schlacht für den sich anbahnenden Krieg hatte eigentlich schon das erste Buch der Trilogie abgehandelt ohne dass der Leser wirklich Zeuge der Ereignisse wurde. Zudem ist es fraglich, warum das Gefecht als unentschieden gewertet wurde, immerhin ist Donatu V bereits ein Planet der Föderation gewesen und der Angriff der Klingonen wurde erfolgreich zurückgeschlagen. Meiner Ansicht nach einer klarer Sieg der Föderation.

Auch der Außeneinsatz von Kell ist mehr oder weniger nur eine Fortführung seiner Entwicklung, die bereits in „The Edge of the Sword“ begonnen hat. In diesem Fall finde ich es aber okay, dass Kells Wandlung langsam vorangetrieben wird. Immerhin ist er ein seit Kindertagen indoktrinierter Feind der Föderation und es ist nur verständlich, dass sich seine Einstellung nur nach und nach und durch konkrete Erlebnisse verändert. So klischeehaft es wirkt, aber mir hat es wirklich gut gefallen, wie sich die Kameradschaft von Kell und seinen Kollegen von der Sicherheitsabteilung während eines Barbesuchs (einschl. Schlägerei) auf einer Starbase zeigt. Die Entdeckungen auf dem Planeten, die ihn schließlich wirklich an der Rechtmäßigkeit seines Auftrags zweifeln lassen, wirken dann etwas in die Handlung hinein gequetscht und zufällig. Zwar wirken Kells Gedanken und Ansichten zu jederzeit Nachvollziehbar, aber Autor Kevin Ryan hat sich hier doch eines weit hergeholten Kunstgriffs bedient, um Kell in die von der Handlung verlangte Position zu bringen.

Absolut hervorragend hingegen ist jener Teil der Geschichte, der sich um Kells Bruder dreht. Mit Karel ist es so eine Sache: Als Leser weiß man, dass seine Rachegelüste absolut unbegründet sind, da Kell in Wahrheit noch lebt. Und dennoch wünscht man ihm Erfolg, die sich zwischen ihm und seiner Rache aufbauenden Hindernisse zu überwinden, da er charakterlich ein viel zu aufrichtiger und ehrlicher Mann ist, der im Verlauf der Geschichte aufs Übelste von seinen Vorgesetzten ausgenutzt wird.

Bewertung: „Killing Blow“ ist sicher etwas schwächer als der der Vorgängerroman. Die Handlung rund im Kell, die weiterhin den größten Teil des Buches ausmacht, ist eigentlich eine natürliche Weiterführung von „The Edge of the Sword“ und daher auch über weite Strecken vorhersehbar. Jedoch gelingt es Kevin Ryan am Ende des Romans doch noch zu überraschen, weshalb auch dieser Handlungsstrang für die das Finale der Trilogie noch einiges verspricht. Allgemein hat der Roman ein ziemlich furioses Finale auf den letzten Seiten, weshalb der letzte Eindruck mehr als positiv ist. So verzeiht man auch gerne die etwas öden Action-Sequenzen, die mit jenen aus „The Edge of the Sword“ vom Spannungslevel her nicht mithalten können. Oder die etwas seltsam untergebrachten Erinnerungen von Admiral Justman an die Schlacht von Donatu V. Zusammen mit der sehr guten Story rund um Kells Bruder auf dem Schlachtkreuzer vergebe ich daher an „Killing Blow“ 4 Sterne.

4stars

Anmerkungen:

Autor Kevin Ryan verwendet für neue Charaktere sehr gerne die Namen von Leuten, die an der Produktion der TV-Serie beteiligt waren. Nach Admiral Justman in Buch 1 lernen wir in Buch 2 auch noch die Admiräle Jeffries und Solow kennen. Und auch ein Offizier mit dem Nachnamen Okuda begegnen wir.

An zwei Stellen im Buch wird Kells Name versehentlich mit dem seines Bruders Karel vertauscht. Ist nicht weiter schlimm, aus dem Kontext heraus wird eigentlich sofort klar, dass dies unbeabsichtigte Flüchtigkeitsfehler sind.

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