Rezension: TOS – „Errand of Vengeance – Book 3: River of Blood“

Lieutenant West, Adjutant von Admiral Justman im Sternenflottenkommando und sein Berater in Sachen klingonische Kultur und Verhalten, hat sich kaum von einem Attentat durch einen klingonischen Agenten erholt, als er zusammen mit Admiral Justman ein schnelles Shuttles besteigt um an einer geheimen Unternehmung teilzunehmen.

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Ziel des Shuttles ist die U.S.S. Enterprise, die nach einer feindseligen Begegnung mit einem klingonischen Schlachtkreuzer noch schwer beschädigt und auf dem Weg zu einer Reparatureinrichtung ist (siehe Buch 2). Doch Admiral Justman hat andere Pläne für das Schiff: Die Enterprise soll zur veralteten Starbase 42 fliegen, die eigentlich in Kürze aufgegeben werden sollte. Doch da auf dem Planeten, den die Starbase umkreist, große Dilithium-Vorkommen gefunden wurden, soll der Betrieb der Starbase heimlich fortgeführt werden. Doch es gibt Grund zur Annahme, dass die Klingonen durch Geheimagenten bereits von den Dilithium-Vorkommen erfahren haben und da Captain Kirk selbst erst vor wenigen Tagen daran beteiligt war, ein illegales Dilithium-Bergwerk der Klingonen zu schließen (ebenfalls Buch 2), haben die Klingonen aktuell großen Bedarf, ihre Verluste zu ersetzen. Es hängt von der Enterprise und ihrer Besatzung ab, das Dilithium auf Starbase 42 zu schützen. Denn ohne dieses Dilithium könnten die Klingonen gezwungen sein, ihre Kriegspläne abzusagen, oder zumindest soweit zu verschieben, bis die Sternenflotte vorbereitet ist.

Der Klingone Kell, der noch immer unentdeckt als Sicherheitsoffizier Anderson auf der Enterprise dient, hat inzwischen gelernt, mit seiner vermeintlichen „Schande“ zu leben. Er hat eingesehen, dass er nicht länger für das Imperium arbeiten kann, das die Menschen völlig falsch einschätzt. Auch wenn das Imperium seinen Entschluss loyal zu den Menschen zu stehen verabscheuen würde, verblasst dies Entscheidung gegenüber jener Schande, die Kell für das gesamte Imperium fürchtet, sollten sie wirklich aus falschen Motiven gegen die Menschen in den Krieg ziehen. Nach einigen Wochen an Bord der Enterprise ist Kell nun völlig davon überzeugt, dass der anstehende Krieg ungerechtfertigt ist und selbst bei einem klingonischen Sieg die Klingonen als Volk schweren Schaden davontragen werden. Seine Absicht, seinen Dienst bei der Sternenflotte und sein Leben unter den „Erdlingen“ fortzuführen, wird jedoch verkompliziert, als sich ihm gegenüber ein weiterer klingonischer Agent auf Starbase 42 zu erkennen gibt, der die Raumstation sabotiert hat. Und so ist es nicht verwunderlich, dass gerade während die Enterprise im Raumdock ist die Energie auf der Station ausfällt und ein klingonischer Schlachtkreuzer Entertruppen auf die Station beamt. Unter ihnen auch Karel, Kells Bruder, der endlich den Moment gekommen sieht, sich an den Menschen für den vermeintlichen Tod seines Bruders zu rächen …

Fazit: „River of Blood“ trägt den absolut richtigen Titel. Waren die ersten beiden Romane der „Errand of Vengeance“-Reihe schon stark von Kampf und Tod geprägt, schafft der Abschluss dieser Trilogie das Kunststück, dem Gemetzel noch eins draufzusetzen. Mitunter wird an vier, fünf Schauplätzen gleichzeitig gekämpft und an der Wiederherstellung der Kampfkraft gearbeitet. Dabei hat sich Autor Kevin Ryan bemüht, die Orte und Kampfhandlungen möglichst unterschiedlich darzustellen, er hat aber dabei ein Problem, dass sich fast alle Schauplätze auf ein und derselben Raumstation befinden. So kommt es zwangsläufig dazu, dass sich alle ums Überleben kämpfenden Gruppierungen durch Korridore bewegen, auf klingonische Hinterhalte treffen, etc.

Daher zieht sich die Kampfhandlung dann doch mit der Zeit, aber sie ist definitiv wert, durchgehalten zu werden. Denn das Beste kommt am Schluss. Während des andauernden Kampfes auf der Starbase bekommen wir in diesem Roman im Gegensatz zu den beiden Vorgängern nur wenig Einblick in Kells Gedanken und erleben als Leser auch nicht so häufig mit, was er gerade erlebt. Insofern heißt es zu warten, bis das Unvermeidliche eintritt: Kell und Karel begegnen sich auf der Station. Und eines kann ich schon verraten: Nur einer von ihnen wird die Station lebend verlassen.

„River of Blood“ funktioniert als Abschluss einer Trilogie nur bedingt. Von einigen Charakteren, denen wir über drei Bücher gefolgt sind, heißt es Abschied nehmen und der Abschluss, wenn der Kampf vorbei ist und die Überlebenden die Situation betrachten, ist schon sehr mitreißend und traurig stimmend. Anderseits wird jedoch auch schon die Tür für eine Fortsetzung offen gelassen. Der Konflikt zwischen Klingonen und Föderation ist noch nicht vorbei. Das Imperium plant noch immer einen Krieg (der unvermeidlich kommen wird, wie Kenner der TOS-Episode „Kampf um Organia“ wissen).

Aber trotz der düsteren Ausblicke endet der Roman doch mit einem Funken Hoffnung für die Zukunft. Für alle, die gewohnheitsmäßig die letzte Seite eines Buches lesen: Tut es diesmal nicht und lasst euch überraschen. Denn Kevin Ryan durfte nach drei Jahren Pause dann doch noch eine direkte Fortsetzung schreiben, die „Errand of Fury“-Trilogie und ich nehme stark an, dass der Epilog von „River of Blood“ schon damals mit einer eventuellen Fortsetzung mit Hinterkopf von Kevin Ryan geschrieben wurde.

Bewertung: Das Finale der Trilogie hat viele Gesichter. Einerseits ein sehr bekanntes Gesicht, den Kampf. Das ist ein wichtiges Handlungselement, das sich durch alle drei Bücher zieht. Kevin Ryan bemüht sich wirklich stark, viel Abwechslung rein zu bringen, aber manchmal steht ihm die Natur der Sache im Weg. Nicht immer ist es möglich, kreative Wege des Kampfes zu finden, wenn die Optionen eingeschränkt sind. Für Fans von Gefechten ist die ganze Trilogie aber wahrscheinlich dennoch ein wahres Fest. Ich selbst hätte mir aber eine etwas zügigere Erzählweise gewünscht, die mehr Spannung aufkommen lässt. Denn am Ende ist der starke Teil dieses Buches der dramatische Schluss, bei dem man merkt, dass all das vergossene Blut nur eine Einleitung war. In diesem Fall ist also nicht der Weg das Ziel. Es gibt in „River of Blood“ ein definiertes Highlight, das wirklich großartig geworden ist. Aber die Spannung bis dorthin hätte sicher gesteigert werden können, wäre der Fokus etwas stärker auf Kell und Karel gelegen und hätte der Autor schon vor dem Finale ein oder zwei Begebenheiten geschrieben, bei denen sie sich beinahe getroffen hätten. Denn dass sich die Brüder am Ende wiedersehen steht eigentlich nie in Frage.

Ich gebe knapp 5 Sterne für das Finale. Das Konzept wirkt nicht mehr so frisch wie im ersten Buch der Trilogie, die Charaktermomente werden aufgrund der Dimension der Geschichte und der vielen beteiligten Personen zwangsläufig reduziert. Und doch kann das Finale sehr viel ausgleichen, weshalb es doch noch für eine 5-Sterne-Bewertung reicht.

5stars

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