Rezension: “Federation: The First 150 Years”

Vorweg gesagt: Dieses Buch ist wahrlich eine großartige Ergänzung für jede Star Trek-Büchersammlung. Und zwar egal, ob man lieber Romane liest oder Sachbücher bevorzugt. Denn als Geschichtsbuch über Ereignissen im Star Trek-Universum ist das Buch nicht nur eine reine Ansammlung dessen, was bereits längst durch die Serien und Filme bekannt ist, sondern erzählt durchgehend von allen wichtigen Ereignissen und füllt die Lücken zwischen den Serien und Filmen mit ganz neuen Geschichten aus.

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Bevor ich mehr auf den Inhalt eingehe, möchte ich auch die Aufmachung des Buches etwas genauer beschreiben: Das Buch an sich ist ein wirklich schön gestaltetes Hardcover-Buch mit silberner Prägung und aufgeklebtem Föderationssiegel aus Kunststoff. Die Seiten im Inneren bestehen durchwegs aus dickerem, leicht glänzendem Papier, das einerseits ideal für die vielen farbigen Abbildungen als auch für die Lesbarkeit längeren Fließtextes ist. Insgesamt ein wirklich sehr schön verarbeitetes Buch. Überrascht ist man vielleicht, in welch riesigem Karton das 25×22 cm messende Buch geliefert wird. Das liegt vorrangig an einem Feature, das wahrscheinlich mancher etwas unnötig finden wird.

Denn das Buch wird inklusive eines runden, 33 cm durchmessenden und bis zu 10 cm hohen Präsentationspodests geliefert,  auf dem man das Buch – wenn man möchte und wenn man den Platz hat – schön ausstellen könnte.

Star Trek Federation The First 150 Years stand and book

In das Podest ist ein Sprachchip eingearbeitet, der auf Knopfdruck durch die integrierten Lautsprecher des Podests einen Begrüßungstext von Admiral Hikaru Sulu wiedergibt. Die Aufnahme dauert nicht ganz eine Minute und erläutert kurz, was die Föderation ist. Aufgenommen wurde der Text von Sulu-Darsteller George Takai, ist daher auf Englisch wie übrigens das gesamte Buch. (Eine deutsche Auflage ist derzeit nicht vorgesehen.) Während Sulus Ansprache läuft leuchten die Bedienelemente und das Föderationssiegel auf dem Podest auf. Das Siegel leuchtet noch etwa 45 Sekunden nach.

Der Beginn von Sulus Ansprache ist im Verlauf dieses Ankündigungsvideos für das Buch zu hören:

Das Podest ist eine nette Spielerei, hat aber den Nachteil, dass es kein essentiell notwendiges Feature ist, das jedoch den Preis des Buches in die Höhe treibt, denn das Buch kann man bislang nur zusammen mit dem Podest kaufen. (Wenngleich der Verlag 47 North bereits ähnliche Bücher zu „Star Wars“ veröffentlicht hat, die ca. ein Jahr später in einer abgespeckten Version günstig erschienen sind. Eventuell passiert dies auch mit „Federation: The First 150 Years“.) Wenngleich das Buch nur auf Englisch erschienen ist, gibt jedoch für die deutschen Star Trek-Fans betreffend Kaufpreis gute Nachrichten: Bei Amazon Deutschland ist das Buch aktuell so günstig wie sonst nirgendwo auf der Welt! Zahlt man in den USA umgerechnet rund 42 Euro und in England fast 90 Euro, bekommt man das Buch bei Amazon.de seit einiger Zeit für weniger als 27 Euro! Bei diesem Preis bin auch ich schwach geworden und alleine das schöne Hardcover-Buch ist diesen Preis absolut wert. Sowohl die edle Verarbeitung als auch der Inhalt …

Autor David A. Goodman – Co-Produzent und Autor während der 2. und 3. Staffel von „Enterprise“ – schlüpft in diesem Buch in die Rolle eines Historikers (gleichen Namens ;-)) der fiktiven Wissenschafts- und Bibliothekseinrichtung „Memory Alpha“.  Anlässlich des 150. Geburtstags der Vereinigten Föderation er Planeten lässt er die Entstehungsgeschichte dieser Organisation auf 167 Seiten Revue passieren. Dabei beginnt er jedoch nicht erst bei der Gründung der Föderation im Jahr 2161, sondern startet noch weiter in der Vergangenheit, beim Ersten Kontakt zwischen Menschen und Vulkaniern im Jahr 2063 und erläutert hierzu gleich, welche Ereignisse überhaupt erst dazu geführt haben, dass Zefram Cochrane sein Warp-Schiff bauen konnte. Und so beginnt die Geschichte eigentlich schon in den 1990er und den Eugenischen Kriegen, die verheerend waren und nur wenige Jahrzehnte später zum 3. Weltkrieg geführt haben, während der Zefram Cochrane zwar in der Rüstungsindustrie gearbeitet hat, dort jedoch schon Interesse an Materie/Antimaterie-Reaktion und Dilithium-Kristalle entwickelte.

Schon diese Einleitung ist ganz typisch für das gesamte Buch: Autor Goodman listet nicht nur ein historisches Faktum nach dem anderen auf. Viel mehr gibt es einen schönen Erzählfluss, der von einem großen Ereignis direkt zum nächsten überleitet. Viele Zusammenhänge werden zwischen Ereignissen hervorgehoben, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben und auf diesem Weg auch der eine oder andere vermeintliche „Kontinuitätsfehler“ beseitigt. Wie z.B. dass lt. TOS, „Der schlafende Tiger“, die letzten großen Kriege auf der Erde die Eugenischen Kriege waren, während in einer anderen Folge der zeitlich später angesiedelte 3. Weltkrieg erwähnt wurde. Goodmans Version der beiden Konflikte ist so dargestellt, dass die Abgrenzungen zwischen beiden Konflikten nicht so einfach ist und auch die Aussage aus „Der schlafende Tiger“ nicht wirklich falsch ist, wenn man den 3. Weltkrieg als direkte Fortsetzung der Eugenischen Kriege sieht.

Die Herangehensweise von Goodman bei der Erschaffung seiner Interpretation der Star Trek-Historie gefällt mir ausgezeichnet. Er berücksichtigt wirklich so gut wie alle Canon-Aussagen aus den Serien und Filmen und webt rund um diese Aussage herum eine Geschichte. Das ist eigentlich genau die gleiche Herangehensweise wie meine eigene bei meinen Star Trek-Romanen. Für mich, wie auch offensichtlich für Goodman, sind vermeintliche Kontinuitätsfehler lediglich Geschichten, die noch nicht erzählt wurden. Und einige dieser Geschichten erzählt dieses Buch. Nicht nur indem es den Autor erzählen lässt, was alles geschehen ist, sondern auch indem es Zitate, Anmerkungen über spätere Erkenntnisse und jede Menge Illustrationen und Dokumente aus der jeweiligen Zeit einfügt. Wahrscheinlich besteht nicht mal die Hälfte des Buches aus reinem Fließtext, es gibt kaum eine Seite, auf der nicht irgendein Bild enthalten ist. Zum einzigartigen Look des Buches gehört auch, dass nicht einfach Bilder aus den Serien und Filmen genommen wurde, sondern sowohl bekannte als auch völlig neue Szenen in einem durchgängigen Stil gezeichnet wurden.

Star Trek Federation The First 150 Years Romulan War   tumblr_mdgs9w2kTn1ru8n95o3_500   Federation The First 150 Years title page

Bei nur 167 Seiten, so vielen Illustrationen und einem so langen Zeitraum, den das Buch inhaltlich abdeckt, kann man sich natürlich fragen, ob das Buch nicht etwas zu dünn geraten ist. Keineswegs! Von den 1990ern bis zum Jahr 2311 – dem Erscheinungsdatum des Buchs im Star Trek-Universum – wird eine durchgängige Geschichte erzählt. Sie beinhaltet die erwähnten Kriege, den Ersten Kontakt, den Wiederaufbau der Erde, den Bau des Warp-5-Antriebs, die Xindi-Krise, den Romulanischen Krieg, die Föderationsgründung, ihre Politik, wirtschaftliche und wissenschaftliche Entwicklung, den Konflikt mit den Klingonen … ja sogar die glorreiche Auslöschung der Tribbles durch die Klingonen findet man in einem Dokument! Sicher wird hin und wieder ein längerer Zeitraum zusammengefasst, aber man hat nie das Gefühl, dass Goodman in seiner Geschichte eine große Lücke aufgehen lässt. Zum Eindruck, mehr eine echte Erzählung statt eines Sachbuchs zu lesen, trägt auch bei, dass er gar nicht so häufig Jahreszahlen nennt. Bei wichtigen Ereignissen führt er sie natürlich an, aber insgesamt erzählt der Autor einfach drauflos und als Leser bekommt man dennoch mit, ob das Erzählte innerhalb von Monaten, Jahren oder Jahrzehnten stattfindet. Also ein auch stilistisch sehr gut geschriebenes Buch. „Federation: The First 150 Years“ ist stilistisch wirklich sehr gut verfasst.

Interessant ist noch, dass im hinteren Teil des Einbands ein wiederverschließbares Kuvert eingeklebt ist. In der Erläuterung erfahren wir, dass wir es hier mit Zusatzmaterial anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums der Erstauflage zu tun haben. Enthalten ist ein Brief von Kadett Jim Kirk an seine Mutter, ein Plan der Original-Constitution-Klasse , ein Röntgenbild eines Trills (samt Erläuterung zur Geheimhaltung der Symbionten) und ein Briefumschlag vom Finanzamt an Zefram Cochrane, auf dem er den Entwurf seiner Rede zur Eröffnung des Warp-5-Komplexes gekritzelt hat.

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Fazit: Wie schon einleitend erwähnt, ist dieses Buch wirklich eine absolute Empfehlung für jeden Fan, der an einer Interpretation der Star Trek-Historie auf Basis der Canon-Informationen aus Film und Serie interessiert ist. Es ist inhaltlich sehr gut recherchiert, ausgezeichnet geschrieben und wunderschön gestaltet. Natürlich muss man aber auch bedenken, dass dieses Buch nicht die definitive Geschichte der Föderation ist, sondern „nur“ eine Interpretation. Ich selbst, als Autor von FanFicition, habe selbst im Rahmen meiner Romane „The Romulan War“, „A Decade of Storm“ und „Leadership“ einen Teil des von Goodman erläuterten Zeitabschnitts interpretiert und mich auch strikt an die Vorgaben der Serien und Filme gehalten. Daher wäre es leicht zu sagen, dass ich dies oder das anders geschrieben hätte, ich das eine oder andere nicht in Zusammenhang gesetzt hätte und anderes wiederum schon. Aber ich mag auch Goodmans Interpretation sehr und er war ja auch nicht der erste Schriftsteller, der sich über die Vergangenheit des Star Trek-Universum Gedanken gemacht hat (siehe diverse Star Trek-Romane). Und so hat sich Goodman auch bei anderen Informationsquellen als dem strikten Canon bedient, manchmal Namen von Personen aus den Pocket Book-Romanen übernommen und sogar etwas aus dem „Countdown“-Comic zum elften Star Trek-Film habe ich entdeckt.

Aber wie dem auch sei: Goodmans Interpretation ist eine absolut plausible Variante, bemüht offene Fragen zu klären und dabei dennoch stets interessant und unterhaltsam zu bleiben.

Bewertung: Ganz eindeutig 6 Sterne! Ein tolles Buch, das ich an dieser Stelle kaum noch mehr loben könnte, als ich es ohnehin schon im Lauf dieser Rezension getan habe. Also erwähne ich noch ganz kurz, was ich nicht so gut finde (abgesehen vom für mich unnötigen Podest): Die Jahreszahl bei der Schlacht von Donatu V ist leider falsch. Sie ist ein paar Jahre zu früh angesetzt und daher ist der Zusammenhang mit der Umsetzung des Constitution-Projekts nicht mehr so ganz stimmig. Pingelig, ich weiß. 😉 Aber das ist wirklich das einzige, das mir beim Lesen negativ aufgefallen wäre und wo die Recherche nicht so gut war. Und was nicht direkt eine Kritik ist, was ich mich aber gefragt habe: Warum hat man das Buch nicht etwas erweitert und es als „The First 200 Years“ herausgebracht? Dann hätte die Erzählung noch die Jahrzehnte unmittelbar vor dem Beginn der „Next Generation“-Ära umfasst und hätte im Grunde dort geendet, wo dann die TV-Serien „The Next Generation“, „Deep Space Nine“ und „Voyager“ fortgesetzt hätten.

6stars

Alle Bilder von http://www.thetrekcollective.com/

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