Rezension: TNG – “Cold Equations – Book 3: The Body Electric“

Nach einem eher politischen 2. Teil schließt das Finale der „Cold Equations“-Trilogie von David Mack inhaltlich und thematisch wieder stärker an das erste Buch der Reihe sowie an den Roman „Das Unsterblichkeitsprinzip“ an: Datas Suche nach jenem Mann, der ihm helfen könnte seine Tochter Lal wiederzubeleben, hat zu einem toten Punkt geführt. Auf einem abgelegenen Planeten angekommen traf er zwar auf seine Mutter Juliana Tainer wieder, jedoch nicht auf den Untersterblichen Akharin, der einstmals ein brillanter Kybernetiker gewesen ist. Stattdessen muss Data von Juliana erfahren, dass Akharin von Androiden, die zur Gemeinschaft der künstlichen Intelligenzen gehören, entführt worden ist. Data sieht keine andere Möglichkeit, als den direkten Kontakt mit der Gemeinschaft zu suchen.

The_Body_Electric_cover

Der Androide Gatt, der jene Gruppierung der Gemeinschaft anführt, die für Akharins Entführung verantwortlich ist, hat den Unsterblichen aus demselben Grund gesucht wie Data: Auch Gatt will das Geheimnis in Erfahrung bringen, wie er Androiden reparieren kann, die an einem Kaskadendefekt verstorben sind. Doch auch als Rhea McAdams (Akharins größte Schöpfung und Datas einzige wahre Liebe, wie wir aus „Das Unsterblichkeitsprinzip“ wissen) als Druckmittel eingesetzt wird, versucht Akharin vergeblich zu erklären, dass eine Umkehrung eines solchen Defekts nur bei Soong-Typ-Androiden möglich ist. Als Gatt schließlich auch Data in seine Gewalt bekommt, versucht er Akharin, Data und Rhea gegeneinander auszuspielen, um das Geheimnis zu erfahren.

In der Zwischenzeit im Zentrum der Galaxis: Wesley Crusher – vor Jahren schon aufgestiegen zu einem höheren Dasein als „Reisender“ – entdeckt während seiner Erforschung des Schwarzen Lochs Abbadon etwas zugleich Faszinierendes s wie auch Erschreckendes: Eine Maschine – so groß wie ein Planet und umgeben von einem bläulichen, energiegeladenen Wolkenschleier – hat in der Nähe des Ereignishorizonts Stellung bezogen und erzeugt mittels immenser Energiefreisetzung gigantische Wurmlöcher, die gesamte Sonnensysteme versetzen und der Anziehungskraft des ständig wachsenden Schwarzen Lochs preisgeben. Wesley muss mit ansehen, wie ein bewohnter Planet, den er noch vor kurzer Zeit besucht hat, von der Gravitation zerstört wird. Alarmiert ruft er sämtliche Reisende zusammen, um sie über die drohende Gefahr zu informieren. Doch die Reaktion auf seinen Bericht ist anders als erhofft: Die Reisenden kennen die Maschine und wissen, dass sie im Lauf der Jahrtausende schon mehrere Galaxien völlig zerstört hat. Jeder Kampf und jede Verhandlung mit der Maschine sind zwecklos und so entschließen sich die Reisenden, die sterbende Milchstraße zu verlassen, ehe es zu spät ist. Wesley kann sich nur an die letzten ihm verbliebenen Verbündeten wenden: Die Crew der U.S.S. Enterprise.

Fazit: Schon früh weckt die von Wesley entdeckte Maschine und die Mission der Enterprise Erinnerungen an den Handlungsablauf des 1. Star Trek-Kinofilms. Umso interessanter ist es dann, als wirklich bei einem Außenteameinsatz festgestellt wird, dass es große Ähnlichkeiten zwischen der planetengroßen Maschine und V’Ger gibt und beide von der selben Maschinenintelligenz erbaut bzw. aufgerüstet wurden. Der Vergleich zwischen den Anfangsphasen des Romans und des Kinofilms drängt sich aufgrund der Parallelen fast schon auf und hier muss ich sagen, funktioniert der Film besser. Ja, der Film wird oft für seinen gemächlichen Spannungsaufbau kritisiert. Aber den finde ich bei weitem besser als die direkte Herangehensweise von David Mack. Ein Beispiel oder besser gesagt eine kleine Scherzfrage: Woran merkt man, dass einen gar nichts mehr überraschen kann? Die Antwort: Wenn dir jemand sagt, dass im Zentrum der Galaxis eine planetengroße Maschine ganze Sonnensysteme durch Wurmlöcher zieht und in ein Schwarzes Loch wirft und du darauf nur antwortest: „Wie kann ich helfen?“ 😀

Das ist schon eine gewisse Antithese zu minutenlangem „Staunend-auf-den-Bildschirm-starren“. Aber so etwas passt wohl einfach nicht zum Stil eines David Mack, der es gerne etwas schneller und ereignisreicher in seinen Büchern zugehen lässt. Und mildernd kommt hinzu, dass diese zuvor zitierte Aussage vom Androiden Data stammt. Wobei man hier auch klar sagen muss, dass Data in seinem Verhalten seit seiner Wiederauferstehung von einem Menschen nicht mehr zu unterscheiden ist und seine Reaktion durchaus hätte stärker ausfallen können. Allgemein muss man auch sagen, dass Data nicht mehr der ist, der er vor seinem „Tod“ war. Dank der Art, wie seine Auferstehung im 1. Teil der Trilogie stattgefunden hat, ist er in seinem Verhalten, seiner Denkweise und wie er artikuliert kein besonders herausragender Charakter mehr. Ich finde es zwar interessant, dass in „Silent Weapons“ und „The Body Electric“ auch die Frage angesprochen wird, ob es sich beim neuen Data immer noch im dieselbe Persönlichkeit handelt wie zuvor. Aber in diesen Fällen wird diese Frage von den Protagonisten mit einem Ja beantwortet, während ich als Leser aufgrund meiner Eindrücke persönlich eher mit einem Nein antworten würde.

Im Verlauf der Geschichte schickt die Enterprise ein erstes Außenteam zur planetengroßen Maschine (folgend der Einfachheit halber von mir als „Planetenmaschine“ bezeichnet) und begegnet dort einer künstlichen Intelligenz, die das selbe Vorurteil hegt wie einst V’Ger: Organische Lebewesen sind keine echten Lebensformen und daher minderwertig. Und da die Planetenmaschine auch nicht von Organischen gebaut wurde, sondern von einer Vereinigung künstlicher Lebensformen namens „Body Electric“, ist sie nicht gewillt, sich auf ähnliche Weise wie V’Ger überreden zu lassen, das Töten zu beenden. Was die Enterprise-Crew benötigt ist eine künstliche Intelligenz, die mit der Maschine als Gleichberechtigter sprechen kann. Und als ein solcher Botschafter soll Data fungieren.

Data für diese Aufgabe auszuwählen ist natürlich ein offensichtliches Manöver des Autors, die beiden Handlungsfäden zu verbinden. Natürlich mag es naheliegend für die Enterprise-Crew sein, sich an Data zu wenden, allerdings ist diese Wahl dennoch zu hinterfragen. Einerseits ist Data kein aktives Sternenflottenmitglied und gerade anderweitig ziemlich beschäftigt (wodurch seine Beförderung zum Ort des Geschehens für mehr Probleme als für Lösungen sorgen wird). Und anderseits frage ich mich, warum die Enterprise-Crew kategorisch festlegt, dass eine „echte“ Maschine als Gesprächspartner für die Planetenmaschine notwendig ist und ein Hologramm – z.B. das MHN der Voyager das noch immer im aktiven Dienst der Sternenflotte ist – nicht anerkannt wird. Diese Aussage basiert zu diesem Zeitpunkt des Romans auf keinerlei Fakten und wurde wohl nur eingestreut, um konsequent die beste Alternative zu Data auszuschließen. Grundsätzlich nicht besonders schlimm; man kann auch sagen, dass sich an der Story nicht viel geändert hätte, wenn zuerst das MHN mit einer Kontaktaufnahme scheitert und erst danach Data geholt wird. Das würde am allgemeinen Ablauf der Geschichte nichts ändern, weshalb ich normalerweise kein Problem mit dieser Phrase hätte und sie in einer Rezension des Romans auch unerwähnt lassen würde. Warum ich mich aber trotzdem schon so lange darüber auslasse hat einen Grund: Durch den unbegründeten Ausschluss einer holografischen künstlichen Intelligenz entsteht ein Fehler, der durchaus gewichtige Auswirkungen auf den Story-Verlauf hat. Denn nur kurze Zeit später stellt die Planetenmaschine klar, wie unbedeutend ihr der physische Körper einer künstlichen Intelligenz ist. Was zuvor aus unerfindlichen Gründen also kategorisch ausgeschlossen wurde, erscheint ab der Mitte des Romans als die perfekte Lösung für das Botschafter-Problem.

„The Body Electric“ hat von mir jetzt ganz schön was abbekommen und tatsächlich gibt es noch einige weitere Kritikpunkte. Neben einigen seltsamen Handlungsweisen der Figuren ist auch bedauerlich, dass eine Entwicklung, die in den ersten beiden Büchern der Trilogie in Gang gesetzt wurde, in Buch 3 wieder relativiert wird. Konkret geht es darum, Picard und Crusher abtreten zu lassen. Während die ersten beiden Bücher andeuten, dass sich mittelfristig in der Führungsriege auf der Enterprise einiges verändern könnte, rudert „The Body Electric“ wieder zurück und lässt Picard sehr deutlich sagen, dass noch eine lange Zeit vergehen wird, ehe er das Kommando abgibt.

Aber jetzt mal genug vom Negativen, denn auf der Positiv-Seite gibt es auch einiges zu vermelden. Einerseits ist da der grundsätzliche Stil von David Mack. Wenn auch die Einleitung gehetzt wirkt und den „Sense of Wonder“ regelrecht totschlägt, ist die Story im weiteren Verlauf auf jeden Fall ein typisch David Mack-Roman: Hohes Tempo und ereignisreich. Mack lässt wie üblich nicht viel Langeweile aufkommen. Zweiter Pluspunkt ist eine Nebenhandlung mit T’Ryssa Chen und Taurik. Sie ist sympathisch charakterorientiert und da sie nicht besonders stark mit der stark handlungsorientierten Haupt-Story verbunden ist, ist sie ein gutes Gegengewicht dazu. Man könnte diese Passagen als „entlastend“ bezeichnen. Und es ist schön, dass T’Ryssa erstmals seit ihrer Einführung im Roman „Greater than the Sum“ etwas mehr tun darf als nur Daten von einem Display abzulesen.

Und dritter und zweifellos größter Pluspunkt ist allgemein das Szenario rund um die Planetenmaschine und den „Body Electric“. Dieses hat mir sehr gefallen und ich fand die Verbindung zum 1. Kinofilm auch sehr gut hergestellt und die Motivation der Planetenmaschine auch sehr interessant. Aber negativ bleibt auch hierbei, dass man daraus weitaus mehr hätte machen können.

Bewertung: Nach „The Eternal Tide“ vor ein paar Monaten beschäftigt sich auch „The Body Electric“ mit einem gewaltigen Bedrohungsszenario. Und leider scheitern beide Romane daran, daraus wirklich eine interessante Geschichte zu entwickeln, obwohl die Grundlagen eigentlich sehr gut wären. „The Body Electric“ kann ich zumindest zu Gute halten, dass die Auflösung nicht so überkompliziert ist wie bei Kirsten Beyers „The Eternal Tide“. Allerdings krankt „The Body Electric“ sogar schon fast am Gegenteil, einer viel zu einfachen und sehr plötzlichen Auflösung. Wirklich rund ist die Geschichte nicht und beinhaltet einige seltsame Handlungsweisen der Figuren und ohne Vorarbeit auftauchende Elemente. Es ist wirklich schade, aber ich fand den Roman einfach nicht gelungen und gebe daher nur 2 Sterne. Eine bedauerliche Verschwendung guter Ideen, die das Buch eigentlich enthält.

2stars

Anmerkungen:

Der Anführer einer Fraktion der Gemeinschaft der künstlichen Intelligenzen trägt interessanterweise den Namen „Gatt“. Eine (wahrscheinlich zufällige) Parallele zum neuen Star Trek-Film „Star Trek into Darkness“, in dem es angeblich ebenfalls einen Androiden oder Cyborg geben soll, der diesen Namen tragen wird. (Der Name ist gleichzeitig der Nachname des Schauspielers, Joseph Gatt, der den Charakter im Film spielt.)

Keine Ahnung, ob das MSD („Master System Display“) auf der Brücke in der gesamten Trilogie auch nur einmal so verwendet wurde, wie es sollte. Ich weiß nicht welche Obsession David Mack beim Schreiben dieser drei Bücher dazu trieb, die Protagonisten stets vor diesem großen Display zu versammeln um sich Dinge anzusehen, die das Ding gar nicht darstellen sollte. Aber ich will auch nicht zu sehr meckern, denn ich bin für jede langatmige Konferenzraumszene dankbar, die uns eine Versammlung vor dem MSD erspart. 😀

Und die letzte Anmerkung fällt etwas kryptisch aus, aber ich will auch nicht zu viel über die Handlung verraten. Ohne zu viel vorweg zu nehmen merke ich aber an: Ich weiß, dass William Shatners Romane von anderen Autoren nie als Teil der Roman-Kontinuität (obwohl es so etwas zu der damaligen Zeit gar nicht gab) angesehen wurden, aber es ist schon interessant, wie David Mack einerseits der Maschinenrasse aus dem 1. Kinofilm einen anderen Hintergrund gibt als Shatner in seinem Roman „Die Rückkehr“, und sich dann doch wieder anderseits gar nicht so weit von der Darstellung aus Shatners Roman entfernt.

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