Rezension: Comic – „Assignment: Earth“

Im März 1968 flimmerte die letzte Episode der 2. Staffel der ersten Star Trek-Serie über die Bildschirme und zu diesem Zeitpunkt war noch offen, ob die Serie noch eine dritte Staffel erhalten sollte. Doch um eine Alternative zu einer völligen Absetzung von Star Trek zu haben, wurde mit der letzten Episode der 2. Staffel sozusagen eine Hintertür für eine Ablegerserie, ein „Spin-off“, geöffnet. Dieser Ableger hätte sich um die Abenteuer der Charaktere Gary Seven, Roberta Lincoln und Isis gedreht, die in der Episode „Assignment: Earth“ den Star Trek-Fans vorgestellt wurden. Heute wissen wir natürlich, dass weitere 24 Star Trek-Folgen vom Sender bestellt wurden und das Konzept von „Assignment: Earth“ dafür fallen gelassen wurde. Und doch waren Gary Seven und seine Mission, die Menschheit während des Kalten Krieges vor der Selbstauslöschung zu bewahren, zumindest so populär, um in einigen Romanen und Comics aufgegriffen zu werden. Einer dieser Comics entstammt der Feder von John Byrne und ist im Jahr 2008 als fünfteilige Serie wie auch als Sammelband erschienen.

Assignment_Earth_omnibus

Für alle, denen die Ereignisse der TV-Episode nicht mehr geläufig sind eine kurze Beschreibung der Ereignisse, die auch am Beginn des Comics kurz angerissen werden: Die Enterprise ist mittels Katapultmanöver ins Jahr 1968 zurück gereist um historische Forschung zu betreiben. Unverhofft begegnen sie dabei einem Menschen namens Gary Seven, der zwar aus dieser Epoche stammt, aber über Technologie verfügt, die mit jener der Enterprise zumindest vergleichbar ist. Wie sich herausstellt ist Gary Seven zwar physisch ein Mensch, doch wuchs er fernab auf einem fremden Planeten auf und wurde von den dortigen Einheimischen darauf trainiert, sich unauffällig auf der Erde aufzuhalten und unter allen Umständen einen drohenden Dritten Weltkrieg zu verhindern. Dabei kann Gary Seven nicht nur auf die Unterstützung seiner formwandlerischen Katze Isis und eines leicht reizbaren Beta-5-Computers zählen, sondern auch auf die Hilfe von Roberta Lincoln, die eher zufällig zu seiner Assistentin wird.

Nach der Rückkehr der Enterprise in deren Zukunft beginnen die Abenteuer aber erst so richtig. Sie ähneln grundsätzlich Geheimdienstmissionen mit der Annahme falscher Identitäten, heimlichem Eindringen in geheime Anlage und Beweissuche und dabei Anwendung verschiedenster technischer Hilfsmittel, die James Bond vor Neid erblassen lassen würden. Die 5 Geschichten des Comics sind grundsätzlich eigenständig, wobei die Geschichten 1, 3 und 4 doch einem roten Faden folgen. Gleich bei mehreren Missionen entdeckt Gary Seven nämlich, dass irgendjemand den destruktiven Mächten der Erde fortschrittliche Technologie zukommen lässt um sie in die Selbstzerstörung zu lotsen. Ein Unterfangen, das natürlich in völligem Widerspruch zu Sevens Mission steht und sein Eingreifen verlangt. Diese Storys sind um Grunde ganz typische Agentengeschichten, wobei erst im abschließenden Teil (also in der 4. Geschichte des Comics) der Fokus stärker auf Science-Fiction gelegt wird und wir sogar Gary Sevens Auftraggeber kennenlernen dürfen.

Die 2. Geschichte im Comicband ist dann schon von einem ganz anderen Kaliber: Hier wird nämlich die zweite große Zeitreisegeschichte der klassischen Star Trek-Serie behandelt, „Tomorrow is Yesterday“ aus der ersten Staffel. Dank des Beta-5-Computers bekommt Seven mit, wie die Enterprise im Jahr 1969 plötzlich in der Atmosphäre der Erde erscheint und von einem F-104-Kampfjet verfolgt wird. Parallel zu den Ereignissen der TV-Episode erleben wir Seven, Roberta und Isis, wie sie genauso wie Captain Kirk und seine Crew versuchen, alle Beweise für diese „UFO-Sichtung“ zu eliminieren. Dabei kommt es öfters zu Beinahe-Begegnungen mit der Crew der Enterprise, was jedoch auf jeden Fall zu vermeiden ist, denn aus Sicht der Enterprise-Crew sind sie Gary Seven noch gar nicht begegnet. Diese zweite Story des Buchs gefällt mir eindeutig am besten, weil sie die Geschichte der Episode „Tomorrow is Yesterday“ interessant erweitert und ganz witzig ist, wenn man im Hintergrund die vertrauten Szenen der TV-Folge sieht, aber im Vordergrund die Assignment: Earth-Charaktere agieren. Die Zeichnungen sind hier auch interessant gemacht, so vermeidet John Byrne es konsequent, die Leute von der Enterprise zu zeigen. Manchmal rutschen nur Körperteile in ein Panel, manchmal ist es die Silhouette eines Transporterstrahls oder man sieht sie nur als bunte Umrisse in der Ferne.

Die abschließende Geschichte ist dann wieder eine Agentenstory. Demnach haben die Chinesen damals versucht, den US-Präsidenten Nixon damals während dessen China-Aufenthalts durch ein Double auszutauschen. Das ist auch eine ganz lustige Geschichte, wird hier doch rund um historische Ereignisse eine Rahmengeschichte etabliert, die an die realen Ereignisse angepasst ist und dennoch die Möglichkeit der Intervention durch Gary Seven möglich erscheinen lässt. In dieser Geschichte macht John Byrne mit den Charaktere aus „Assignment: Earth“ dasselbe wie es Autor Greg Cox bei seinen „Eugenics Wars“-Romanen getan hat. Auch in dieser höchst gelungenen Roman-Duologie verknüpft der Autor reale Ereignisse auf der Erde zwischen den 1970ern und 1996 so, dass man tatsächlich glauben könnte, die Eugenischen Kriege hätten tatsächlich stattgefunden und als Normalsterblicher hätte man nur die Zusammenhänge nicht erkannt. Wie Byrne hat auch Cox auf Gary Seven zurückgegriffen, um den Leser diese Zusammenhänge zu erläutern.

Fazit: Ich kannte von John Byrne bislang nur seinen Comic „McCoy“, der einen eher zwiespältigen Eindruck bei mir hinterlassen hat. „Assignment: Earth“ ist aber wesentlich gelungener. Die drei Geschichten, in denen es um außerirdische Einflussnahme auf die wissenschaftliche und technologische Entwicklung geht, haben einen roten Faden, den ich bei den McCoy-Comics schmerzlich vermisst habe. Fünf Doktor-Storys hintereinander waren so etwas schwerer zu ertragen. Mit mehreren Agenten- und Spionagestorys hintereinander habe ich persönlich aber kein so großes Problem (wenngleich die 3. McCoy-Story auf „Assignment: Earth“ direkt anspielt) und ich habe mir auch oft gedacht, dass „Assignemt: Earth“ durchaus eine gute TV-Serie hätte werden können. Wir werden es zwar nie erfahren, aber der Comic gibt zumindest einen vagen Eindruck, wie Episoden der Serie hätten aussehen können. Ein bisschen „Mission: Impossible“, ein bisschen „James Bond“ und hin und wieder ein bisschen „Star Trek“ ist doch eine interessante Mischung.

Bewertung: Das Crossover mit „Tomorrow is Yesterday“ und die an „The Eugenics Wars“ erinnernde Abschlussgeschichte sind wahre Highlights und für sich genommen sogar noch besser als die drei lose zusammenhängenden Geschichten. Dennoch sind auch diese drei Geschichten recht gut, weshalb ich dem Sammelband zusammen auch 5 von 6 Sterne gebe. Sicher handelt es sich bei den Storys nicht um übliche „Star Trek“-Geschichten, obwohl dieser Titel groß auf dem Cover steht. Aber allen, denen so wie mir das Staffel-2-Finale der TV-Serie gefallen hat, werden sicher auch den „Assignment: Earth“-Comics einiges abgewinnen können.

5stars

Anmerkung: Wer meint die TV-Episode zu kennen und sich dennoch verwirrt fragt, wer denn dieser „Gary Seven“ ist, von dem ich die ganze Zeit schreibe, hat die Episode wahrscheinlich nur in der deutschen Synchronfassung gesehen. Aus unerfindlichen Gründen hat sich der Übersetzer der Dialoge damals im Jahr 1972 die Freiheit erlaubt, einen Insider-Gag einzubauen und änderte den Namen „Gary Seven“ zu „Felix Sevenrock“, was eine Anspielung auf den damalige Aufnahmeleiter des Synchronstudios, Felix Siebenrock, darstellte.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s