Rezension: Comic – Ongoing #17

Die „Star Trek Ongoing“-Reihe setzt am Beginn des Jahres 2013 Segel in eine etwas andere Richtung. Mit dem neuen Kinofilm im Mai bleibt es der neuen vierteilige Comicserie „Countdown to Darness“ vorbehalten, ein aktuelles Abenteuer der Enterprise-Crew zu erzählen. Die „Ongoing“-Reihe konzentriert sich dafür in den ersten vier Monaten des Jahres auf sogenannte „Origin-Storys“, also Geschichten, die die Vergangenheit einzelner Charaktere genauer beleuchten. Während im Kinofilm von 2009 Kirks und Spocks Entwicklung im Vordergrund standen, erzählt uns die Ongoing-Reihe nun etwas über die Vergangenheit der anderen Führungsoffiziere der Enterprise. Den Anfang macht der Schiffsarzt der Enterprise, Doktor Leonard H. McCoy.

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Die Geschichte beginnt noch an Bord der Enterprise und einem schwierigen medizinischen Problem, für das Leonard McCoy keine Lösung weiß. Die Tatsache, dass der im Sterben liegende Mann auf dem Biobett genauswenig ins Weltall gehen wollte wie er selbst einst, lässt ihn in Gedanken schwelgen und wir erfahren einiges über seine Kindheit, so dass er eigentlich sehr risikofreudig war und tatsächlich mal dachte, professioneller Basketballspieler zu werden. Eine Anmerkung, die Jahre später zu Lachanfällen bei allen führen sollte, denen er davon erzählen sollte. Stattdessen schlug er denselben Weg ein wie sein Vater und studierte Medizin. Er bekam eine Anstellung an der angesehensten pädiatrischen Klinik des Staates Mississippi und heiratete früh seine College-Liebe Pamela. Dabei entdeckte er schnell, dass er gut mit Kindern umgehen konnte, dafür weniger gut mit Erwachsenen, was mittelfristig auch dazu führte, dass die Kommunikation mit seiner eigenen Frau darunter litt. Die Scheidung kündigte sich schon an, aber sie war nicht der einzige Grund, warum Leonard McCoy – der Mann der als Junge nicht zum Mond reisen wollte weil er ihn auch von der Erde aus sehen kann – sich dazu entschloss, der Sternenflotte beizutreten …

Fazit: Der Comic ist insofern ungewöhnlich, als dass er zum größten Teil auf der Erde spielt. Das passt natürlich zu McCoy, der wie wir wissen von der Raumfahrt selbst wenig hält und daher vor seiner Akademiezeit ein geerdetes, normales Leben führte, was ihn auch zu einem der nahbarsten Charaktere der Serie gemacht hat. Der Comic ist auch interessant, da es schon einige Interpretationen von McCoys Leben vor der Zeit auf der Enterprise gab. Die Konstante hierbei ist die Scheidung, die ja auch bereits im Kinofilm von 2009 erwähnt wurde. Auf eine weitere Konstante verzichtet der Comic allerdings, nämlich McCoys Tochter Joanna. Es wird nicht eindeutig ausgeschlossen, dass McCoy eine Tochter hatte, aber ich hatte doch den Eindruck, dass seine Ehe in der neuen Zeitlinie ohne Kinder ausgekommen ist. Grund für das Weglassen von Joanna dürfte ein anderes Mädchen sein, das im Comic eine wichtige Rolle spielt. Jenny ist neun Jahre als McCoy bei ihr eine unheilbare Krankheit diagnostiziert und das Mädchen, das so gerne einmal Sternenflotten-Captain geworden wäre, wird nie die Chance erhalten, auch nur die Akademie zu besuchen. McCoys doppeltes Versagen – sowohl als Arzt als auch als Ehemann – sind wirklich glaubwürdig beschrieben und seine Entscheidung, einen kompletten Neustart gerade bei der Sternenflotte zu versuchen nachvollziehbar. Vor allem da sich am Ende der Geschichte der Kreis hervorragend schließt und zur Lösung des medizinischen Problems, das McCoy am Beginn des Comics beschäftigt, führt.

Bewertung: Das Comic ist anders als die meisten Ongoing-Comics keine Abenteuergeschichte, sondern mehr ein biographisches Drama. Das Tempo ist daher gemächlich, die Geschichte fokussiert sich darauf, wie McCoy mit seinem Vater, Freunden, Ehefrau, Kollegen und vor allem Patienten interagiert und charakterisiert ihn dadurch stimmig zu dem Eindruck, den wir seit über vier Jahrzehnten von diesem Charakter haben, wenngleich diese Geschichte natürlich in der neuen Zeitlinie angesiedelt ist – wobei man natürlich auch darauf hinweisen muss, dass McCoy sich in der neuen Zeitlinie von allen Hauptcharakteren am wenigsten verändert hat. Was sich noch am meisten verändert hat ist sein Aussehen und hierbei scheint Karl Urban schwer zu zeichnen zu sein. Claudia Balboni, die im Tribble-Zweiteiler tolle Arbeit geleistet hat, hat in diesem Comic bei der Darstellung von McCoy eher nur eine 50-Prozent-Trefferquote. Mag aber vielleicht wirklich daran liegen, dass Karl Urbans Gesicht schwer zu zeichnen ist. Es würde zumindest erklären, warum er bei allen vorangegangenen Comics der Ongoing-Reihe nur ziemlich kleine Rollen spielte.

Wie gesagt ist Ausgabe #17 jetzt nicht besonders aufregend, aber auf jeden Fall interessant und ein schönes Charakterstück. 4 von 6 Sterne halte ich auf jeden Fall für gerechtfertigt.

4stars

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