Rezension: TOS – “Errand of Fury – Book 1: Seeds of Rage”

Drei Jahre nach dem Abschluss seiner „Errand of Vengeance“-Trilogie durfte Autor Kevin Ryan mit der logischen Fortsetzung beginnen: der „Errand of Fury“-Trilogie. Da „Seeds of Rage“ direkt nach den Ereignisse des letzten „Vengeance“-Romans „River of Blood“ ansetzt, sind die Ereignisse aus der vorangegangenen Trilogie von höchster Relevanz für „Seeds of Rage“, weshalb ich in der folgenden Rezension auch den Ausgang von „River of Blood“ verraten werde. Wer sich also die Spannung auf „River of Blood“ nicht verderben lassen will, sollte besser nicht weiterlesen.

 Seeds_of_Rage

Was ist am Ende von „River of Blood“ nun eigentlich geschehen? Die Klingonen wurden in der Schlacht um Starbase 42 erfolgreich von der Sternenflotte zurückgeschlagen und daran gehindert, sich große Mengen an Dilithium unter den Nagel zu reißen, was zweifellos zu einem sofortigen Krieg zwischen dem Imperium und der Föderation geführt hätte. Stattdessen mussten sich die Klingonen zurückziehen, unter ihnen auch der Erste Offizier des Schlachtkreuzers D’k Tahg, ein Mann namens Karel, der während der Schlacht einen unverzeihlichen Fehler begangen hat: Er tötete seinen Bruder Kell. Kell – der Hauptcharakter der „Errand of Vengeance“-Trilogie – war natürlich für Karel nicht auf den ersten Blick zu erkennen gewesen, wurde dessen Gesicht doch vom klingonischen Geheimdienst verändert, damit Kell als Ensign Jon Anderson an Bord der Enterprise Sabotage betreiben konnte. Das einzige, was Karel von seinem Bruder blieb, war eine aufgezeichnete Mitteilung, in der Kell beschreibt, wie ihn die Zeit unter den Menschen verändert hat und er eingesehen hat, dass die klingonische Propaganda falsch und die Gründe für den geplanten Feldzug des Imperiums unehrenhaft sind. Ein posthumes Geständnis, das Karel mehr als nur zu denken gibt.

Sechs Wochen später: An verschiedenen Orten geraten Dinge in Bewegung. Der Föderationsbotschafter erzielt in den Verhandlungen mit den Klingonen einen vermeintlichen Erfolg und kann erstmals konstruktive Gespräche führen. Die Gegenleistung der Klingonen: Sie wollen den Planeten 7348 annektieren, der zwar im Föderationsgebiet liegt, auf dem aber eine unabhängige einheimische klingonische Bevölkerung lebt. Die Föderation gewährt dem Imperium, Verhandlungen mit den Einheimischen zu führen, solange die Föderation die Gespräche beaufsichtigt. Als Schiff vor Ort wird die Enterprise ausgewählt, da die Einheimischen bereits positive Erfahrungen mit Captain Kirk und seiner Crew gesammelt haben. Denn im Interesse der Föderation liegt es keineswegs, dass die Klingonen diesen Planeten rechtmäßig in Besitz nehmen, könnte dieser doch potenzieller Ausgangspunkt einer noch immer drohenden Invasion werden.

Die Enterprise wird vorab in die Werft abkommandiert um dort Upgrades zu erhalten, die sich in diesem möglichen Krieg als hilfreich erweisen könnten – wenngleich Scotty etwas skeptisch ist, da er fürchtet, die Enterprise könnte nach diesen spezifischen Veränderungen gegen jeden anderen Gegner Probleme bekommen. Auch in der Sicherheitsabteilung gibt es Veränderungen: Einerseits kommt Micheal Fuller als einfacher Sicherheitsoffizier an Bord der Enterprise – sein Sohn Sam Fuller ist bei der Schlacht um Starbase 42 von Klingonen getötet worden. Anderseits muss sich der ihm zugeteilte Sicherheitstrupp vielleicht bald nach einem neuen Leiter umsehen, denn Doktor McCoy stellt bei einer Untersuchung fest, dass die bisherige Truppenleiterin Leslie Parrish schwanger ist. Der Vater des ungeborenen Kindes: Jon Anderson, was das Kind halbklingonisch macht und die Schwangerschaft eventuell gefährlich für Parrish.

Noch bevor sie eine Entscheidung fällen kann, ob sie das Kind austragen und die Enterprise dafür verlassen will, tritt eine Notsituation ein: Die Klingonen verstoßen gegen die mit Botschafter Fox getroffene Vereinbarung und fliegen nicht mit einem unbewaffneten Schiff nach Planet 7348, sondern mit einem Schlachtkreuzer. Und dieser Schlachtkreuzer ist kein geringerer als die D’k Tahg.

Fazit: Schon nach dem ersten Buch kann man wohl beurteilen, dass Autor Kevin Ryan die neue Trilogie anders aufbaut, als noch „Errand of Vengeance“. Seine erste Trilogie bestand aus drei eigenständigen Geschichten, die zwar stark aufeinander aufgebaut haben aber dennoch jede für sich eine klare Einleitung, einen Mittelteil und einen Schluss hatten, während die Handlung rund um Jon Anderson/Kell den drei Büchern einen Rahmen gegeben haben.

„Errand of Fury“ scheint im Vergleich anders aufgebaut zu sein. Einen Charakter wie Anderson/Kell gibt es nicht mehr, dafür geht an den verschiedensten Schauplätzen etwas voran und mehrere Charaktere scheinen gleich wichtig zu sein, wenn auch Micheal Fuller ein bisschen mehr Beachtung bekommt als Parrish, Karel, West oder die Führungscrew der Enterprise. Das liegt vor allem an den in der zweiten Hälfte des Buchs eingestreuten Rückblicken zur Schlacht von Donatu V, an der Fuller vor über 20 Jahren ebenfalls beteiligt gewesen ist. Diese Rückblicke haben sicher auch die Funktion, etwas Action in die Geschichte zu bringen, denn in der Gegenwart passiert eigentlich nichts, außer dass sich sowohl auf klingonischer als auch Föderationsseite die Schiffe und Crews vorbereiten. „Seeds of Rage“ hat also keine in sich abgeschlossene Story, sondern fungiert nur als Einleitung zu dem, was (hoffentlich) noch kommt.

Unter diesem Aspekt betrachtet funktioniert das Buch auch sehr gut. Obwohl es keine großen Gefechte gibt und der Fokus nicht mehr so stark auf einen Charakter und dessen Rolle als Beobachter liegt, ist auch die Vorbereitung interessant zu lesen. Man hat eigentlich immer das Gefühl, dass etwas vorangeht und auf etwas hingearbeitet wird, wenngleich man darauf offensichtlich noch bis zum nächsten Buch der Trilogie warten muss. (Damals bei Erstveröffentlichung mussten die Leser übrigens vier Jahre warten, bis die „Errand of Fury“-Trilogie komplett war, während die drei Teile von „Errand of Vengeance“ innerhalb eines einzigen Jahres erschienen sind.)

Unterm Strich als Schwachpunkt kann man dann die Rückblenden selbst bezeichnen. Aber unter Vorbehalt. Denn obwohl man den Ablauf der Schlacht bereits in „Killing Blow“ aus der Perspektive von Lieutenant Justman (an Bord eines anderen Schiffes) erlebt hat, lernt man dadurch Michael Fuller etwas besser kennen.

Bewertung: Da die neue Trilogie stärker als Gesamtwerk angelegt zu sein scheint als die erste Trilogie, ist eine Wertung für den ersten Teil allein etwas schwierig. „Seeds of Rage“ ist als Einleitung gedacht und als solche kann man dem Buch nicht viel vorwerfen. Das Interesse weiterzulesen ist geweckt, neue Charaktere und Konstellationen wurden erfolgreich eingeführt. In diesem Fall ist der Weg das Ziel und Kevin Ryan beschreibt den Weg interessant und wie gewohnt sehr schnörkellos aber nicht detailarm. Stilistisch konnte ich an seiner ersten Trilogie schon nichts Relevantes bemängeln. Manchmal kam es vor, dass er sich in ein Wort verliebt hatte, das dann auf den folgenden drei, vier Seiten erstaunlich häufig vorkam. Aber davon war in „Seeds of Rage“ nichts zu merken. Da das Buch seinen Job als Einleitung hervorragend erfüllt gebe ich 5 von 6 Sterne. Dass der Geschichte bislang Spannungsspitzen fehlen ist dem Aufbau geschuldet, aber dennoch ist die erzeugte Spannung hoch genug, um unbedingt wissen zu wollen, wie es weitergeht.

5stars

Anmerkungen:

Schön, dass die Bücher von Ryans zweiter Trilogie vom amerikanischen Verlag „Pocket Books“ bedeutend schönere Covermotive spendiert bekommen haben. Die nichtssagenden Foto-Cover der ersten drei Bücher waren wirklich schlimm und absolut unangemessen für Romane aus dem Jahr 2002.

„Errand of Fury“ läuft wieder unter dem Titel „Star Trek“ und nicht wie „Errand of Vengeance“ unter „Star Trek – The Original Series“. Der Versuch, im Jahr 2002 eine Reihe mit diesem Untertitel zu etablieren, hat das Jahr 2003 nicht mehr erlebt. Bekanntlich erscheinen erst 2013 TOS-Romane wieder standardmäßig mit dem Untertitel „The Original Series“.

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