Rezension: Comic – „Hive“

Brannon Braga gehört zweifellos zu den bekanntesten Autoren der Star Trek-TV-Serien und war zwischen 1990 und 2005 an über 100 Skripts zu „The Next Generation“, „Voyager“ und „Enterprise“ beteiligt wie auch am Drehbuch zum erfolgreichen Kinofilm „First Contact“/“Der Erste Kontakt“. Sowohl in diesem Kinofilm als auch in einigen seiner Voyager-Drehbücher stand eine außerirdische Bedrohung besonders im Vordergrund: die Borg! Und so verwundert es nicht, dass Brannon Braga die Chance erhielt, einen Comic-Vierteiler zu schreiben, der sich nochmals mit diesen kybernetischen Wesen auseinandersetzt.

 Hive

Alles beginnt in der fernen Zukunft: Im 29. Jahrhundert ist die gesamte Galaxis Borg-Raum. Schon vor einem Jahrhundert haben die Borg ihre letzten Feinde besiegt und assimiliert und das Kollektiv stagniert seither. Natürlich schließt die Programmierung der Borg kritische Gedanken aus, aber es gibt im Kollektiv noch immer Individuen, die ihre eigenen Ansichten haben. Zu diesen gehört Locutus, der einsehen muss, dass vielleicht doch Individualität der Weg zur Perfektion ist. Die Borg sind mit ihrem Vorgehen gescheitert. Sie haben alles erreicht, was sie erreichen wollten und sind doch weit davon entfernt, perfekt zu sein. Und so trifft Locutus die Entscheidung, die Borg-Königin zu töten und das Königreich, dem er seit seiner Assimilierung dient, zu vernichten. Doch er benötigt dafür Hilfe eines Verbündeten.

Doch wie kam es eigentlich dazu, dass die Borg so mächtig werden konnte und Captain Jean-Luc Picard neuerlich assimiliert wurde? Im 24. Jahrhundert (nicht lange nach den Ereignissen von „Star Trek: Nemesis“) hat alles mit einer mysteriösen Macht begonnen, die sowohl gegen die Borg als auch gegen die Föderation vorgeht: die Voldranaii. Bei ihrer Suche nach neuen technologischen und biologischen Ressourcen haben die Borg ein Tor in eine andere Dimension geöffnet und trafen dort auf die feindseligen Voldranaii, die sich der Assimilation widersetzten und den Borg in ihre Dimension gefolgt sind, wo sie nun Chaos über die Galaxis bringen. Nur dank der Borg-Königin erfährt die Föderation, dass die Voldranaii bereits den Rand des Alpha-Quadranten erreicht haben und man ist vorsichtig gewillt, ein vorübergehendes Bündnis mit den Borg einzugehen.

Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass die Borg die Föderation belügen und ihre versammelte Flotte in einen Hinterhalt lotsen wollen. Doch dieses Risiko kann minimiert werden, denn die Sternenflotte hat ein Ass im Ärmel: einen Spion, der unerkannt das Kollektiv ausspioniert. So kann die Sternenflotte verifizieren, dass die Voldranaii eine reale Gefahr sind und es wird beschlossen, zusammen mit den Borg gegen den gemeinsamen Feind zu kämpfen. Doch während dieses Kampfes stellt sich heraus, dass nicht alles so ist, wie es zuerst den Anschein hatte …

Fazit: Die einleitende Handlung von „Hive“ klingt vertraut. Tatsächlich erinnert die Voldranaii-Bedrohung an Spezies 8472, deren Eindringen in unsere Dimension ebenfalls zu einer zwischenzeitlichen Zusammenarbeit von Borg und Föderation (in Form der U.S.S. Voyager) geführt hat. Erfreulicherweise nimmt ab Mitte der 2. Ausgabe des Comics die Story aber einen deutlich anderen Verlauf. „Hive“ ist also kein Remake der Voyager-Doppelfolge „Skorpion“. Tatsächlich könnte ich mir vorstellen, dass die Parallele sogar bewusst eingestreut wurde, um vom großen Wendepunkt der Geschichte abzulenken. Was dieser Wendepunkt ist, verrate ich in dieser Rezension natürlich nicht. 😉

Aber auch wenn „Hive“ kein Remake ist, greift die Geschichte doch jede Menge Elemente auf, die im Verlauf der TV-Serien zu den Borg eingeführt wurden und auch gewisse Ähnlichkeiten mit der Story des PC-Spiels „Star Trek: Armada“ sind nicht zu leugnen. Abgesehen davon kann man sich über einige Gastauftritte freuen, wie die Crew der U.S.S. Titan (Captain Rikers neues Schiff) oder Picards Freundin Vash.

Joe Corroneys Zeichnungen sind auch besonders gelungen, Charaktere sind wiedererkennbar getroffen und die Schiffe und Massenschlachten stark in Szene gesetzt. Die Borg haben ein gewisses Upgrade erhalten. Die Drohnen und die Königin sind etwas monströser und die Darstellung der Gewalt auch zum Teil ganz schön heftig für Star Trek-Verhältnisse. (Wenngleich diese Brutalität ein wenig dadurch kompensiert wird, dass das Blut der Borg neongrün ist, egal aus welcher Spezies die Drohnen ursprünglich entstammten.)

Es gibt in dieser Story also sehr viele Action-Sequenzen, teilweise epische, manchmal aber auch ein wenig sonderbare. Zu den Momenten, die „typisch Comic“ schreien, gehört ganz sicher jener, in dem Commander Worf mit einem ausschließlich aus Vulkaniern bestehenden Kampfteam zu einem Voldranaii-Schiff beamen lässt. Oder eine sehr sonderbare Assimilation, in der eine Drohne gewaltig an Masse gewinnt.

Bewertung: Wie erwähnt kommt einem in dieser Geschichte so manches vertraut vor, aber es gibt doch gewisse neue Ideen, die den Comic-Vierteiler absolut lesenswert machen. Die Zeichnungen sind auf alle Fälle ein großer Pluspunkt. Sehr opulent und hervorstechend. Daher vergebe ich – auch wenn man bei der Story gelegentlich ein Déjà vu erlebt – doch 4 Sterne. Die Geschichte ist einfach unterhaltsam, womit sie auf jeden Fall schon die Mindestanforderung erfüllt. Zudem ist die Geschichte ein ganz großes Finale für die Borg und Joe Corroneys Zeichnungen heben die Wertung zu Recht über den Durchschnitt.

4stars

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s