Rezension: TOS – “Errand of Fury – Book 3: Sacrifices of War”

Im Sommer 2002 wurde Kevin Ryans erster Roman seiner Saga rund um den Krieg zwischen Föderation und Klingonen veröffentlicht. Anfang 2009 fand die Saga mit dem dritten Buch seiner zweiten Trilogie ihr logisches Ende, münden dessen Ereignisse doch direkt in die Geschehnisse der beliebten TOS-Episode „Errand of Mercy“/“Kampf um Organia“. Aber alles schön der Reihe nach …

 Sacrifices_of_War_cover

Wie die anderen fünf Romane von Kevin Ryan erzählt auch „Sacrifices of War” – zumindest in der ersten Hälfte – von einer Mission der Enterprise, die Kriegsvorbereitungen der Klingonen zu stören. Der industrialisierte Planet Chandra IV wurde von den Klingonen erobert und dessen Bevölkerung versklavt um Waffen zu produzieren. Der Auftrag der Enterprise besteht primär darin, die Waffenfabriken zu zerstören. Nur das sekundäre Ziel ist es, die Okkupation des Planeten zu beenden. Doch bereits bei der vorangehenden Erkundungsmission geht etwas schief: Beim Versuch die orbitalen Kommunikations- und Sensorsatelliten auszuschalten wird das von Captain Kirk gesteuerte Shuttle bemerkt und beschossen. Kirk bleibt keine andere Wahl, als eine Notlandung zu wagen und anschließend zusammen mit dem vom Michael Fuller angeführten Sicherheitsteam auf dem besetzten Planeten unterzutauchen und Möglichkeiten zu suchen, Chandra IV wieder zu verlassen.

Wie der Captain der Enterprise dieser Bredouille entkommt sei an dieser Stelle nicht verraten, aber seine Erlebnisse auf Chandra qualifizieren ihn dazu, nach Ausbruch des Krieges auf Organia mit den Einheimischen Kontakt aufzunehmen. Mit den Klingonen sind sämtliche diplomatischen Gespräche beendet worden, es gilt nun nur noch, mit den Organiern einig zu werden um gegen einen gemeinsamen Feind vorzugehen. Doch die Organier sind alles andere als gewillt, sich am Kampf in irgendeiner Form zu beteiligten. Als eine klingonische Streitmacht den Planeten erreicht muss die Enterprise den Rückzug antreten. Kirk und Spock bleiben auf dem Planeten zurück, während sich die Enterprise unter Sulus Kommando mit der Hauptstreitmacht der Sternenflotte trifft um den Gegenschlag vorzubereiten.

Fazit: Die Beschreibung des Inhalts dieses Romans fällt diesmal ziemlich knapp aus, was zwei Gründe hat. Einerseits besteht der Roman aus zwei relativ unabhängigen Geschichten. Das Abenteuer auf Chandra IV dominiert die erste Hälfte des Romans und läuft mehr oder weniger nach gewohntem Schema ab. In Kevin Ryans sechsten Roman zum selben Thema scheint nun wirklich der Punkt gekommen zu sein, an dem jeder Aspekt eines an der Planetenoberfläche ausgetragenen Konflikts zwischen Föderation und Klingonen beleuchtet worden ist. Aus der Kürze dieser Geschichte – die auch unterbrochen wird durch ein Abenteuer, das Lieutenant Parrish parallel auf einem Frachtschiff erlebt – ergibt sich auch, dass Kirk & Co. sehr direkte und überraschungsfreie Wege gehen. Während Parrish in der Parallelhandlung als bisherige Hauptfigur der Saga nochmals in den Vordergrund gestellt wird, sieht man von Michael Fuller kaum noch etwas, das über reine Pflichterfüllung hinausgeht. Der Hauptcharakter der letzten beiden Romane wird in „Sacrifices of War” ziemlich vernachlässigt, was auch die zweite Hälfte des Romans nicht ausbessern kann.

Denn der zweite Grund, warum die Inhaltsangabe diesmal so kurz ausfällt, ist, dass die zweite Hälfte der Geschichte bereits bekannt ist. Nicht umsonst steht unter Kevin Ryans Namen auch jener von Gene L. Coon auf dem Cover. Denn die zweite Hälfte des Romans ist hauptsächlich eine Novellisierung der von Coon geschriebenen TV-Episode „Errand of Mercy“. Das ist aber absolut legitim, denn immerhin hatten Kevin Ryans Romane alle den Hauptzweck, den Weg bis zum Krieg darzustellen. Dass der letzte Roman schließlich auch den Ausbruch des Krieges und dessen Ende beschreibt, die Fans aus der Serie bereits kennen, ist eigentlich ein logischer Abschluss. Und auch wenn man die Geschichte schon kennt, bleibt sie immer noch unterhaltsam. Für mich zählt „Errand of Mercy“/“Kampf um Organia“ zu den besten Star Trek-Episoden überhaupt und dementsprechend ist auch die sehr werkgetreue Romanfassung toll gelungen. Ryan lässt tatsächlich nichts aus, sämtliche Szenen aus der TV-Folge werden in „Sacrifices of War” wiedergegeben und noch einige mehr. So erlebt man parallel Geschehnisse auf klingonischen Schiffen (die neben Kor und Koloth auch Kang beinhalten) und die Vorbereitungen der Sternenflotte auf die bevorstehende Schlacht – einschließlich eines lustigen Moments, wenn Commodore Bob Wesley mit Commander Giotto von der Sicherheitsabteilung der Enterprise spricht. (In der Serie wurden beide Rollen vom gleichen Schauspieler verkörpert.)

“Kampf um Organia“ bleibt also sehr gut, egal ob als TV-Episode oder als Roman. Wenngleich ich mir in diesem Fall aber gewünscht hätte, wenn man im Hintergrund stärker auf die neuen Charaktere aus den 5 Vorgängerromanen eingegangen wäre. Ja, natürlich war weder ein Michael Fuller noch eine Leslie Parrish zusammen mit Kirk und Spock auf Organia. Aber in die Vorbereitungen des Gegenschlags hätte Ryan seinen neuen Charakteren durchaus eine größere Bühne geben können. Der Fokus bleibt stattdessen aber auf Kirk und Spock, was für Ryans Romans ziemlich ungewöhnlich ist. Auf klingonischer Seite freut man sich natürlich, dass nach Koloth nun auch Kang und logischerweise Kor auftreten. Aber während der Fokus auf Kor liegt, spielen Koloth und sein Erster Offizier Karel nur noch unbedeutende Nebenrollen im Finale, was wirklich schade ist. Vielleicht wäre es rückblickend besser gewesen, hätte Ryan in seinen 5 vorangegangenen Romanen Karel nicht unter Koloth sondern unter Kor dienen lassen. Der einzige von Ryan erschaffene Charakter, der bei seinem sechsten Auftritt wirklich sinnvoll in den Rahmen der TV-Episode hineingeschrieben wurde, war eigentlich Lieutenant West.

Bewertung: In letzter Zeit habe ich wirklich das Gefühl, dass ich mir es vermehrt mir besonderen Grenzfällen zu tun habe. Denn auch „Sacrifices of War“ ist nur sehr schwer bewertbar. Vereinfachen kann ich mir die Sache, indem ich die beiden Hälften des Romans mal getrennt beurteile: Teil 1 mit der Mission auf Chandra IV und der Parallelhandlung mit Parrish war routiniert und nicht mehr so spannend wie vergleichbare Begebenheiten in den anderen 5 Romanen. Das mag aber vielleicht auch daran liegen, dass ich alle 6 Bücher der Saga innerhalb von zweieinhalb Monaten gelesen habe und das ähnliche Schema der Handlungen stärker auffällt, als wenn man die Bücher in größerem Abstand liest. Ich würde daher empfehlen, die beiden Trilogien nicht unmittelbar hintereinander zu lesen. Die Chandra-Story würde von mir daher nur 2 bis 3 Sterne bekommen.

Teil 2 der Geschichte ist wie erwähnt eine Nacherzählung einer meiner Lieblingsfolgen und damit im Grunde die Höchstnote wert. Allerdings innerhalb der Trilogie(n) wirkt diese Kirk- und Spock-zentrierte Geschichte doch wie ein Fremdkörper. Kevin Ryan kann man wirklich zugutehalten, dass er ganz tolle Nebencharaktere erschaffen hat, denen er gerade im Finale seiner Saga zu wenig Platz einräumt. Ein etwas ausgedehnterer Epilog zu den Schicksalen der wichtigsten Charaktere hätte die Saga schöner ausklingen lassen. Daher tendiere ich für diesen Teil des Romans auch nur eher zu 5 Sternen, weshalb ich „Sacrifices of War“ unterm Strich als Gesamtwerk dann doch noch 4 Sterne geben kann. Sicher überdurchschnittlich – sofern man “Kampf um Organia“ so gerne hat wie ich – aber nicht der schöne Abschluss, den man sich nach 6 Romanen gewünscht hätte.

4stars

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s