Rezension: TOS – “Devil’s Bargain”

Mit dem im Februar 2013 veröffentlichten Roman „Devil’s Bargain“ erhält ein neuer Autor vom amerikanischen Verlag Pocket Books die Möglichkeit, einen Star Trek-Roman zu veröffentlichen. Erstlingswerke sind aufgrund der damit eventuell verbundenen neuen Stilrichtungen und Ideen natürlich Interessant, aber finden wir das auch in Tony Daniels erstem Star Trek-Roman? Sehen wir nach:

 Star Trek The Original Series Devil's Bargain Tony Daniel

Die Ausgangssituation des Romans ist schon mal nicht sonderlich neu: Die Enterprise fliegt zum Planeten Vesbius, eine ehemaligen Föderationskolonie, die aber schon vor Jahrzehnten ihre Unabhängigkeit erklärt hat, weil sich die Siedler nicht mehr an die Gesetze, die genetischer Manipulation verbieten, halten wollten. Dennoch ist Vesbius ein wichtiger Handelspartner der Föderation und anderer Planeten im Omega-Sektor geblieben und die Einwohner sind für ihre Gastfreundschaft bekannt, weshalb die Föderation die Enterprise schickt, um die Vesbianer vor einer Katastrophe zu bewahren: Ein gewaltiger Asteroid ist in die Umlaufbahn des Planeten geraten und droht, bei der bevorstehenden Kollision alles Leben auf Vesbius auszulöschen. Eine Ablenkung oder gar Zerstörung des Asteroiden ist aufgrund seiner Größe nicht möglich, die einzige Rettung für die Vesbianer stellt eine Evakuierung dar. Doch zu Captain Kirks Überraschung ziehen die Vesbianer eine Evakuierung nicht einmal in Betracht und wollen ihr Heil lieber in unterirdischen Anlagen suchen. Eine Maßnahme mit geringen Erfolgsaussichten, wie Spock feststellt, denn sofern die Vesbianer den Aufprall des Asteroiden überleben sollten, würden sie ihre Welt danach nicht mehr wiedererkennen und in der neuen Umwelt zugrundegehen.

Den Hintergrund für die Verweigerung der Evakuierung erfährt Captain Kirk durch die Tochter des Kanzlers des planetaren Rates: Um auf Vesbius überleben zu können, haben die ersten Siedler ihre Genstruktur radikal verändern müssen, denn obwohl die Umwelt des Planeten idyllisch aussieht und perfekt geeignet für den Aufenthalt von Menschen scheint, wehrte sich die Natur gegen die Besiedlung. Durch Genmanipulation sicherten die Siedler die Existenz ihrer Kolonie das Überleben zukünftiger Generationen. Doch zu einem hohen Preis, denn wegen der umfangreichen Manipulation wurden die Vesbianer von Vesbius‘ Umwelt abhängig gemacht. Verließen sie ihren Planeten, würden sie innerhalb von Tagen sterben. Eine Evakuierung steht damit nicht mehr zur Debatte und auch die vage Hoffnung, unterirdisch zu überleben schwindet, als eine der künstlichen Höhlen durch einen Terrorakt unbrauchbar wird. Nicht einmal 30 Tage vor dem Einschlag des Asteroiden gehen der Crew der Enterprise und den Vesbianern die Optionen aus, bis Spock die Idee kommt, den Asteroiden nicht als Ganzes, sondern einfach stückweise abzulenken. Dazu müsste der riesige Felsbrocken aber erst in Einzelteile zerlegt werden, was in dieser kurzen Zeit nicht zu vollbringen ist – gäbe es da nicht die von Natur aus besten Bergleute der Galaxis im selben Sektor, die den Asteroiden vorab an ausgewählten Stellen aushöhlen könnten. Und so bricht die Enterprise zu einem Wettlauf gegen die Zeit nach Janus VI auf, um mit den Horta zu verhandeln und 500 von ihnen zum Asteroiden zu transportieren …

Fazit: Die Geschichte weckt am Anfang Erinnerungen an die „The Next Generation“-Episode „Das künstliche Paradies“. Wie in der Episode gibt es auch hier eine unabhängige menschliche Kolonie, die mittels Genetik versucht, auf dem Planeten zu überleben. In beiden Fällen hat das recht arrogante Entscheidungsträger hervorgebracht, aber sowohl in der Episode als auch im Roman gibt es auch eine Ausnahme (die sich übrigens auch in beiden Fällen in ein Crewmitglied der Enterprise verliebt ;-)). Das Bedrohungsszenario ist also nicht gerade originell. Positiv sei jedoch vermerkt, dass es eine gute Grundlage ist, um eine Fortsetzung zur TOS-Episode „Horta rettet ihre Kinder“ zu schreiben. Dank der Rückkehr der Enterprise nach Janus VI erfahren wir jetzt, was aus den jungen Horta geworden ist, wie sie gesellschaftlich organisiert sind und welche Fähigkeiten sie außer dem Tunnelgraben noch haben. Diese Stellen des Romans sind jedenfalls schon deutlich interessanter als die Story rund um die abgehobene Gesellschaft auf Vesbius, deren Gründer der Beschreibung der Kolonie offenbar hauptsächlich aus der Schweiz, Österreich und Bayern gekommen sein müssen. Als Österreicher empfinde ich die erwähnten Klischees etwas befremdlich.

Die allgemeine Handlung hinterlässt insgesamt also einen ziemlich zwiespältigen Eindruck. Und im Detail wird es sie auch nicht besser. So fragt man sich schon, warum die Vesbianer Abgesandte an Bord der Enterprise mit nach Janus VI schicken. Es ist schon früh etabliert, dass eine solche Reise eine Gefährdung für die Gesundheit der Vesbianer darstellt und tatsächlich geht es ihnen schon vor der Ankunft auf Janus VI nicht besonders gut. Und eine echte Rolle bei den Verhandlungen mit den Horta spielen sie auch nicht. Man hat den Eindruck, die vesbianischen Gäste wären eigentlich nur dazu da, um einen Saboteur an Bord zu bringen, der dann auf dem Rückweg für Ärger sorgt. Das ist so ziemlich das größte Dilemma, dem die Enterprise-Crew im Verlauf der Handlung begegnet und es wird noch während des Rückflugs gelöst. So bleiben nach der Ankunft der Horta auf dem Asteroiden nur noch ein Sammelsurium kleiner „Problemchen“ übrig, die nach und nach gelöst werden, aber keine besondere Spannung mehr erzeugen – bis fast ganz zum Schluss, wenn ganz plötzlich alles schief zu laufen droht. Und es geht auch irgendwie am Ende alles schief, aber dann doch nicht. Klingt komisch, ist aber so. 😀 Ich weiß nicht so recht, was ich vom Schluss halten soll.

Der Roman hat also gewisse „Rhythmusstörungen“, wenn ich es mal so ausdrücken darf. Und allgemein ist es kein guter Stil, fast jedes Kapitel mit einem Logbucheintrag des Captains zu beginnen. In einer TV-Serie hat das durchaus am Beginn einer Folge seine Berechtigung, da man nicht so viel Sendezeit hat, um eine Vorgeschichte zu zeigen. Aber ein Roman hat da andere Möglichkeiten, vor allem muss Captain Kirk dem Leser nicht unbedingt am Beginn eines Kapitels zusammenfassen, was im vorangegangenen Kapitel geschehen ist. Als Hommage an die Serie kann man die Logbucheinträge auch nicht wirklich ansehen, dafür sind sie eindeutig zu häufig. Und andere Anspielungen – wie jene auf Captain Kirks Karriereweg bis zum 1. Kinofilm – sind auch nicht gelungen, erscheinen auch ziemlich unrealistisch. Eine gute Anspielung wiederum sei aber auch erwähnt: Der Roman liefert die Erklärung, wie Horta in den Romanen der 80er-Jahre Sternenflottenoffiziere sein konnten.

Bewertung: Insgesamt ist „Devil’s Bargain“ keine Empfehlung wert. Gerade mal so 2 Sterne sind drinnen, hauptsächlich wegen jenen Passagen, die als Fortsetzung von „Horta rettet ihre Kinder“ angesehen werden können.

2stars

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