Rezension: „Der Hobbit“

Neun Jahre nach dem Finale der „Herr der Ringe“-Trilogie brachte Peter Jackson im Dezember 2012 den ersten Teil der Vorgeschichte in die Kinos und aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, mal J.R.R. Tolkiens „Der Hobbit“ zu lesen.

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Üblicherweise lese ich ja gerne die Romanvorlagen zuerst, ehe ich mir die dazu gehörende Verfilmung ansehe. Im Falle von „Der Hobbit“ habe ich aber erst eine ganze Weile nach dem Kinobesuch des ersten Teils der neuen Verfilmung das Buch gelesen. Der Grund dafür ist eine schlechte Erinnerung: Vor einem Jahrzehnt quälte ich mich regelrecht durch die „Herr der Ringe“-Bücher. Denn so interessant die Geschichte war, konnte ich mich mit Tolkiens Schreibstil gar nicht anfreunden. Für mich ein gutes Beispiel, wie man Spannung mit viel zu vielen Details totschlägt. Fans mögen zwar gerade diesen Detailreichtum von Mittelerde würdigen, aber ausgedehnte Beschreibungen und Umschreibungen und Hintergrundinformationen, die für das eigentliche Geschehen keine Relevanz haben, machten die drei „Herr der Ringe“-Bücher für mich nur schwer bewältigbar und eigentlich mehr zu einem Sachbuch als zu einer Erzählung. Ein Glück, dass in Verfilmungen nichts beschrieben werden muss, sondern einfach gezeigt werden kann, so dass mir Peter Jacksons Trilogie im Gegensatz zur Romanvorlage wirklich hervorragend gefällt.

Dass ich „Der Hobbit“ schließlich doch noch gelesen habe, hatte zwei Gründe: Erstens, weil der Roman verglichen mit „Der Herr der Ringe“ recht kurz ist, die mögliche Qual also recht kurz. Und zweitens, weil ich mir einen deutlich anderen Stil erhofft hatte, denn Tolkien hat „Der Hobbit“ eigentlich als Roman für Kinder angelegt. Und tatsächlich war die Hoffnung berechtigt, denn in „Der Hobbit“ nehmen Beschreibungen ein vernünftiges Maß ein und die Handlung bleibt stets präsent. À porpos …

Handlung: Wer „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“ kennt (egal ob Film oder Buch), weiß schon in groben Zügen, dass Bilbo Beutlin, ein Hobbit aus dem Auenland einstmals für seine Art ungewöhnlich in so manches Abenteuer verstrickt gewesen war. Alles begann damit, dass der Zauberer Gandalf eines schönen Tages bei ihm vor der Tür stand – und kurz darauf eine Horde Zwerge, die Bilbo anheuern wollten, für sie als Meisterdieb zu fungieren, denn kaum ein Wesen kann sich so unerkannt und leise bewegen wie ein Hobbit. Warum sie jemanden mit solchen Eigenschaften benötigen? Die Zwerge wollen zurück zum Einsamen Berg, von dem und dessen Schätzen im Inneren sie einstmals vom bösartigen Drachen Smaug vertrieben worden waren. Ein Vierzehntel der Beute soll es für Bilbo sein, wenn er sich entschließt, an der Expedition der Zwerge teilzunehmen. Und obwohl ein solches Abenteuer so gar nicht zur ruhigen Natur eines Hobbits passt, kann Bilbo nach erstem Zögern nicht widerstehen und bricht mit den Zwergen zu einer Reise auf, um sie im Kampf gegen Smaug zu unterstützen. Doch bevor es Bilbo mit dem Drachen zu tun bekommt, stehen ihm noch einige gefährliche Begegnungen mit Trollen, Orks, Wargen, Spinnen, Elben und Menschen bevor. Und vor allem mit einer seltsamen Kreatur, die auf einer felsigen Insel in einem See unterhalb des Nebelgebirges wohnt und deren größten Schatz Bilbo finden sollte …

Fazit: Wie schon erwähnt, unterscheidet sich „Der Hobbit“ stilistisch schon recht deutlich von „Der Herr der Ringe“, was sicher auch dem Umfang der Geschichte geschuldet ist. Dennoch sind die beschriebenen Abenteuer fast so zahlreich und von verschiedenster Art, weshalb der Roman nicht so schnell langweilig wird. Vielleicht gegen Ende des zweiten Drittels hin beginnen die Reiseabenteuer so langsam langweilig zu werden, aber dann steht ohnehin schon die Ankunft beim Einsamen Berg kurz bevor. Bis dahin ist die Geschichte recht episodenhaft, aber geradlinig erzählt und die einzelnen Abenteuer bringen die Zwerge und Bilbo stets voran, haben also Auswirkungen auf ihre Reise. Die größte Auswirkung hat aber zweifellos der Ringfund. Bilbos Fähigkeit, sich Unsichtbar zu machen, ist ab dem Fund eigentlich bei jedem Abenteuer von großer Wichtigkeit.

An der Einleitung und den Reiseabenteuern gibt es also recht wenig auszusetzen, wirklich gute Unterhaltung (wenn auch ganz selten ein bisschen kindisch wird, was der ursprünglichen Zielgruppe des Buches wohl geschuldet ist) und ausreichende aber nicht übertriebene Detailliebe, um ein schönes Fantasy-Ambiente zu erschaffen. Gegen Ende hin schwächelt der Roman aber doch recht stark. Ich muss hierzu ein bisschen was vom Schluss vorweg nehmen.  Überspringt also einfach den nächsten Absatz, wenn ihr euch überraschen lassen wollt:

Ungefähr im letzten Sechstel der Geschichte spielen die Menschen – allen voran ein Mann namens Bard – eine entscheidende Rolle, beim Kampf gegen Smaug. Die Zwerge leisten eigentlich keinen Anteil daran, Smaug zu besiegen und Bilbo findet lediglich heraus, wo Smaug verwundbar wäre. Aber am Ende ist es nicht er, sondern ein lauschender Vogel, der dem Menschen Bard diese Information zukommen lässt. Bard ist es dann auch, der mit einem Pfeil Smaug den Tod bringt. Mein Problem damit: Bis zu dieser Kampfszene hat man von Bard nichts gehört und die Seestadt der Menschen ist nur eine von vielen – vielleicht sogar die unspektakulärste – Etappe, die Bilbo und die Zwerge auf ihrer Reise zum Einsamen Berg hinter sich gebracht haben. Dass die Zwerge im Grunde bei ihrer Ankunft am Berg keinen Plan haben, wie sie eigentlich gegen Smaug bestehen wollen und dass es fast gegen Ende des Buches ein völlig unbekannter Charakter sein muss, der plötzlich den Sieg über den bösartigen Smaug erringt, wirkt wie eine nachträgliche Idee. Als wäre der Autor genauso wie die Zwerge ohne Plan an eine Stelle gelangt, an der er nicht mehr wusste, wie der große, feuerspeiende Drache besiegt werden sollte. Also musste ein neuer Charakter her. Bards „Heldentat“ wirkt sich dann zwar noch entscheidend auf den Handlungsverlauf am Ende aus und ermöglicht die „Schlacht der 5 Heere“. Aber wie es zu dieser Situation gekommen ist, war mir zu gekünstelt, so dass diese Schlacht nicht mehr wie ein Teil der eigentlichen Geschichte erschien. (Ähnlich der Befreiung des Auenlandes in „Der Herr der Ringe“.)

Bewertung: Am Schluss ist der Geschichte etwas die Puste ausgegangen und so sollte man doch eher den Weg als das Ziel sehen. Was am Ende der Reise zum Berg wartete, war dann doch etwas ernüchternd, weshalb ich trotz starken zwei Dritteln nur 4 von 6 Sternen vergeben kann.

4stars

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