Review: „Star Trek II – Der Zorn des Khan“

Der erste Star Trek-Kinofilm war – auf der Welle des SciFi-Hypes Ende der 70er schwimmend („Unheimliche Begegnung der 3. Art“, erster „Star Wars“-Film, etc.) – ein durchaus beachtlicher Erfolg für Paramount, doch man nahm sich auch die weit verbreitete Kritik betreffend Erzähltempo zu Herzen und wollte die Fortsetzung spannender und action-reicher gestalten. Und so wurde ein neuer Regisseur namens Nicholas Meyer an Bord geholt, der inspiriert von den nautischen Abenteuern der Romanfigur Horatio Hornblower ein Duell im Weltall, zwischen zwei Schiffen und ihren Kommandeuren, schuf.

Handlung: Das Raumschiff Reliant untersucht den öden Planeten Ceti Alpha V, da dort eventuell das geheimnisvolle „Genesis-Projekt“ durchgeführt werden soll. Doch der Planet ist nicht so leblos, wie es zuerst den Anschein hatte und Captain Terrel und sein Erster Offizier Pavel Chekov geraten in Gefangenschaft eines alten Bekannten: Khan!!! Der genetisch veränderte Supermensch aus dem 20. Jahrhundert kapert die Reliant und sieht nun die Zeit gekommen, Rache an jenem Mann zu nehmen, der ihn und 70 seiner Leute auf Ceti Alpha V ins Exil geschickt hat. Ohne von den Ereignissen auf Ceti Alpha V zu wissen, geht Admiral James T. Kirk an Bord der Enterprise, die inzwischen zu einem Ausbildungsschiff umgerüstet worden ist. Zusammen mit seiner alten Führungscrew und einer Schiffsladung Kadetten begibt man sich auf einen harmlosen Übungsflug – bis sie ein verstümmelter Notruf von der Genesis-Forschungsstation Regula 1 erreicht und sich die Kurse der Enterprise und der Reliant kreuzen sollten …

Fazit: Schon von der ersten Minute an schafft es „Star Trek II – Der Zorn des Khan“ eine andere Stimmung aufzubauen als der Vorgängerfilm. Die Vorspannmusik von James Horner (lange Zeit vor seinem ersten Oscar oder Golden Globe) ist ähnlich bombastisch wie Goldsmith‘ Titelmelodie des ersten Films (nicht die Ouvertüre), aber im Gegensatz zu „Star Trek – Der Film“ zieht sich diese wuchtige Musik wie ein roter Faden durch den ganzen Film. Leisere Töne schlägt Horner nur ganz selten an, meistens bleibt bei solchen Gelegenheiten die Musikspur stumm, nur um dann umso kraftvoller in der nächste Szene zurückzukehren. Horners Score treibt die Geschichte immer weiter voran, die für sich allein schon spannend in Szene gesetzt wurde.

Dass man mit Khan einen Bösewicht aus der TV-Serie zurückgebracht hat, ist für die Geschichte selbst eigentlich nicht so relevant. Als ich den Film vor vielen, vielen Jahren zum ersten Mal sah, kannte ich die Folge „Der schlafende Tiger“ noch nicht oder sie war mir nicht mehr im Gedächtnis. Dennoch wird Khans Vorgeschichte knapp aber mehr als ausreichend im Film selbst umrissen. Dass man hier einen Rückkehrer aus der Serie als Bösewicht hat, spielt bei der Bewertung von Ricardo Montalbans Leistung keine Rolle. Die ist nämlich auch so unglaublich stark. Immer nah oder schon über der Grenze zum Overacting, aber das trifft wohl auf so ziemlich jeden erinnerungswürdigen Bösewicht der Filmgeschichte zu und Montalbans Khan gehört ganz sicher dazu. Zudem spendiert das Drehbuch Khan auch jede Menge zitierbare One-Liner.

Aber zu einem Duell gehören immer zwei und auch William Shatner hat einige tolle Momente in der Interaktion mit Montalban. (Was umso erstaunlicher ist, da die beiden keine einzige gemeinsame Szene miteinander gedreht haben. Jedes Gespräch zwischen den beiden findet über den Hauptbildschirm oder einen Kommunikator statt.) Und der wohl meistzitierte One-Liner des Films gehört ebenfalls Shatner: Khaaaaaaaaaan!

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Wie Admiral Kirk Khan im Film sieht: Stets auf dem Hauptschirm.

„Star Trek II“ profitiert natürlich trotz der stark veränderten inhaltlichen Ausrichtung von der produktionstechnischen Vorarbeit, die „Star Trek – Der Film“ geleistet hat. Viele Sets wurden übernommen (teilweise bekamen sie nur einen neuen Anstrich, so wurde aus der Klingonen-Brücke der Enterprise-Torpedoraum) und viele Effektaufnahmen vor allem am Beginn des Films wurden von „Star Trek – Der Film“ übernommen. Dennoch bekommen auch die bekannten Szenen durch anderen Schnitt und andere Musikuntermalung eine neue Stimmung, weshalb die wiederverwendeten Szenen dennoch anders wirken.

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Diesen Flug zur Enterprise kennen wir aus dem ersten Film, aber in „Star Trek II“ wirkt er aufgrund des geänderten Schnitts und der Musikuntermalung ganz anders.

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Eines der besseren Beispiele für Wiederverwertung von Star Trek-Sets. Man muss schon sehr genau hinblicken um zu erkennen, dass der Torpedoraum der Enterprise im Film davor noch eine klingonische Schlachtkreuzerbrücke war.

Wirklich neue Effekte hat der Film aber natürlich auch zu bieten und diese sorgen für einen hohen Schauwert. Das Phasergefecht zwischen Reliant und Enterprise, die Genesis-Höhle, die Genesis-Simulation (einer der frühesten CGI-Effekte überhaupt in einem Spielfilm) und natürlich das spannende Finale, wenn sich die beiden Schiffe im Mutara-Nebel ein Katz-und-Maus-Spiel liefern, ein Gefecht zweier beschädigter, schwerfälliger Schiffe, die durch eine ungewöhnliche Umgebung manövrieren und sich gegenseitig auflauern und den entscheidenden Schlag abwarten.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass trotz Rachemotiv und verlustreichen Gefechten auch der Humor in dem Film nicht zu kurz kommt. Die Chemie zwischen Kirk, Spock und McCoy stimmt wie schon in der Originalserie.

Bewertung: „Der Zorn des Khan“ zählt schon seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsfilmen weshalb ich natürlich 6 Filmrollen vergeben. (Im Gegensatz zu meiner Bewertung von „Star Trek – Der Film“ liege ich hier wohl mehr im allgemeinen Trend 😉 ). Die Mischung passt einfach, der Film ist von der ersten bis zur letzten Minute unterhaltsam und gerät dank der Inszenierung, die stets die Handlung weiter voran treibt, nie in Gefahr, langweilig zu werden. Vielleicht am ehesten noch eine etwas ausgedehnte „Ruhephase“ findet man zwischen dem Start der Enterprise und dem ersten Aufeinandertreffen mit der Reliant, aber da findet immer noch wichtige Exposition statt.

6rolls

Anmerkungen:

Es gibt auf DVD und seit 2016 auch auf Blu-ray eine „Director’s Cut“ des Films. Kleine Szenen werden ergänzt, erweitert oder aus einer anderen Kameraperspektive gezeigt, aber die Veränderung ist bei weitem nicht so relevant, um wie bei „Star Trek – Der Film“ zwei verschiedene Noten zu vergeben. Hier ein Schnittbericht (leider ohne Bilder): http://www.schnittberichte.com/schnittbericht.php?ID=828

Als Romanergänzung zum Film ist ganz sicher Greg Cox‘ Khan-Trilogie („The Eugenics Wars“ Teil 1 und 2 sowie „To Reign ihn Hell“) zu empfehlen. Außerdem der Comic „Khan – Ruling in Hell“, der wie Cox‘ dritter Khan-Roman von Khans Exil auf Ceti Alpha V erzählt.

Alle Bilder in meiner Rezension stammen von http://www.trekcore.com/

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