Review: „Star Trek – Der Aufstand“

Nachdem die Enterprise-Crew im vorangegangenen Abenteuer gegen die furchteinflößenden Borg bestehen musste und Zeitzeuge eines historischen Moments in der Geschichte der Föderation geworden ist, erlebt sie im neunten Film der Reihe ein etwas kleiner dimensioniertes Abenteuer: Das Volk der Ba’ku benötigt Unterstützung, soll es doch zwangsumgesiedelt werden. Hinter diesem Plan steckt nicht nur das ziemlich gehässige Volk der Son’a, sondern auch ein Admiral der Sternenflotte.

Handlung: Es sollte nur eine kurze Forschungsmission sein, an der Lieutenant Commander Data auf dem Planeten Ba’ku teilnimmt. Heimliche Beobachtung der indigenen Bevölkerung ohne Kontaktaufnahme. Doch als Data offenbar durchdreht, die Beobachtungsstation den Einheimischen offenbart und sich mit Gewalt dagegen wehrt, überwältigt zu werden, ruft das die Enterprise auf den Plan. Nachdem es gelingt, Data zu deaktivieren, stellt sich schnell der Grund für seine Funktionsstörung heraus: Er wurde angeschossen, nachdem er etwas entdeckt hat, das er nicht hätte finden sollen. Ein getarntes Raumschiff, versteckt in einem See in der Nähe des Ba’ku-Dorfes. Und eine holografische Simulation genau dieses Dorfes befindet sich im Inneren des getarnten Schiffes. Die Ba’ku sollen umgesiedelt werden, damit der Sternenflottenadmiral Dougherty zusammen mit den verbündeten Son’a einen Prozess in den Planetenringen initiieren kann, der lebensverlängernde Strahlung freisetzt und sammelbar macht, aber wodurch der Planet selbst unbewohnbar wird. So gut gemeint die Idee auch ist, kann Captain Picard sie nicht unterstützen. Er legt seine Uniform ab und beschließt, den Ba’ku zu helfen. Während Commander Riker und Geordi mit der Enterprise versuchen sollen, den Föderationsrat zu kontaktieren und ihn über Doughertys unmenschliches Vorhaben zu informieren, begibt sich Picard zusammen mit dem Rest seiner Führungscrew auf den Planeten, um mit allen Mitteln die Umsiedlung der Ba’ku so lange wie möglich hinauszuzögern.

Fazit: Der beste Einstieg zu meiner Kritik ist wohl die Beschreibung der Eröffnungsszene des Films: Wir sehen die menschlich aussehenden Ba’ku in ihrem Dorf, Felder bewässern, Eisen schmieden, Teig kneten. Eine richtige Idylle, die wir minutenlang beobachten können und die Jerry Goldsmith mit sanfter und harmloser Musik untermalt. Und hier fällt auch schon das entscheidende Stichwort: harmlos! Das ist dieser Film nämlich in seiner Gesamtheit. Es geht in dieser Geschichte eigentlich nicht um wirklich viel. Der Film möchte uns zwar einreden, dass die Grundfeste der Föderation und ihre Moral auf dem Spiel stehen, aber das ist einfach nicht der Fall. Ein Funkspruch von der Enterprise an den Föderationsrat soll ausreichen, um alles zu bereinigen und klar zu machen, dass es hier lediglich einen „bösen“ Sternenflottenadmiral gibt. Und selbst dieser sieht im Verlauf des Films ein, dass es nicht richtig ist, seinen Plan weiterzuverfolgen. So bleibt es schließlich an dem noch viel böseren Ru’afo hängen, völlig rücksichtslos zu handeln und damit ist die Föderation komplett aus dem Spiel genommen. Dass Picard seine Rangabzeichen abnimmt und zusammen mit seiner Crew Befehle verweigert, bekommt auch keine Bedeutung. Eine ähnliche Szene gab es bereits im vorherigen Film, aber dort wurde sie bei weitem nicht so zelebriert, obwohl die Befehlsverweigerung in „Der Erste Kontakt“ sogar schwerer wog. Denn in „Der Aufstand“ will Picard ja nur ein seiner Ansicht nach illegales Vorgehen stoppen und seinen Vorgesetzten regelkonform melden. Picard verteidigt also gar nicht mal so sehr die Ba’ku, sondern eher die Buchstaben des Gesetzes.

Und vielleicht war das gar nicht so schlecht, denn sich mit den Ba’ku anzufreunden ist nicht so leicht. Vorweg: Der Lebensstil der Ba’ku ist absolut nicht meiner. Insofern wären sie mir relativ egal, aber sie sollen ruhig so weiterleben, wie sie wollen. Aber nicht zu ignorieren ist da diese unterschwellige Arroganz, dieses Vermitteln, sie seien ja so viel besser als alle anderen, die Technologie offen einsetzen (was natürlich primär auch gegen unsere „Helden“ von der Enterprise geht). Die Ba’ku machen es mir nicht wirklich leicht, sie zu mögen. Interessanterweise ist das ja eine Parallele zur TNG-Crew, die immer wieder mal während der Serie hervor streicht, wie viel besser die Menschheit doch inzwischen sei. Dass dies nur Illusion ist, hat „Der Erste Kontakt“ ja sehr deutlich aufgezeigt und doch verweigert „Der Aufstand“ eigentlich über die gesamte Spieldauer ein klares Statement. Keine Einsicht von irgendeiner Seite, aber es stört die Ba’ku trotzdem nicht, sich von Picard & Co mittels Technologie helfen zu lassen, während Picard seinerseits sehr fasziniert vom Leben der Ba’ku zu sein scheint.

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Ländliche Idylle auf dem Ba’ku-Planeten. Aber die perfekte Lebensweise, die man erst erkennt, wenn man ein paar Hundert Jahre gelebt hat? Eher nicht. (Zumindest nicht für mich.)

Nach dem vergleichsweise epischen Vorgängerfilm, der uns ein großes historisches Ereignis im fiktiven Star Trek-Universum gezeigt hat und eine Bedrohung für die Erde, geht es in „Der Aufstand“ … naja, um nicht allzu viel. Vielleicht genug, um eine 45-Minuten-Episode halbwegs interessant zu gestalten, aber eigentlich ist die Geschichte von „Der Aufstand“ business-as-usual. Nicht einmal mit den Leuten von der Enterprise kann ich wirklich mitzittern. Für die Story kann ich ihre Sympathie für die Ba’ku akzeptieren, aber halt nicht nachvollziehen und daher machen sie für mich im Film eigentlich nur das, was sie pflichtbewusst machen müssen, aber nichts, das darüber hinausgeht. Der Filmtitel „Der Aufstand“ ist für das Gezeigte schon etwas hoch gegriffen.

Hinzu kommen auch einige sehr, sehr schlechte Humoreinlagen, die wie nachträglich hineingeschrieben wirkten. Derartige nachträgliche Änderung gab es auch am Drehbuch von „Star Trek V – Am Rande des Universums“, aber mit dem Unterschied, dass der fünfte Film beim Humor noch eine Trefferquote um die 50 % hatte. In „Der Aufstand“ sorgte aber nur gezählt ein einziger (!) Gag bei mir für ein kurzes Lachen. (Worf, der aggressive Tendenzen meldet, nachdem er sie gerade sehr deutlich demonstriert hat. 😀 ) Dafür gibt es jede Menge Kopfschüttelmomente. Wie Datas „Busen-Sager“ und die Gesangseinlage inmitten eines Gefechts, der „Androidenpopo“, der aufblasbare Androidenschwimmkörper, Worfs „Betäubungs-Bazooka“ (er trifft nichts, aber alle Angreifer um Umkreis sind nach einem Schuss erledigt), der Steuer-Joystick (gerne an der Steuerkonsole, aber doch nicht auf einer ausfahrbaren Säule in der Mitte der Brücke), ein rotes Sofa als Kommandosessel auf dem Son’a-Schiff und noch mehr. Wirklich zu viel des Schlechten. Wer während des Films dennoch gut lachen möchte, sollte den heiteren Audiokommentar von Jonathan Frakes und Marina Sirtis nebenbei laufen lassen. 😉

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Data hat großes Glück, dass gleich die Son’a einen Angriff starten und Worf ablenken. Daher verzichtet Worf wahrscheinlich darauf, dem Androiden, der ihm gerade unterstellt hat einen Männerbusen zu haben, den Kopf abzureißen.

Die Regie von Jonathan Frakes passt sich leider ebenfalls nahtlos dem TV-Flair der Handlung an. Das hat nichts cineastisches mehr, das „Der Erste Kontakt“ vorweisen konnte. Und produktionstechnisch ist „Der Aufstand“ leider auch ziemlich missglückt. Die Effekte sind eine weitere Parallele zu „Star Trek V“, denn wie 1989 stand auch diesmal ILM nicht zur Verfügung. Und 1998 für einen Kinofilm komplett auf CGI-Effekte umzustellen ohne ILM an den Effekten zu beteiligten, war damals einfach noch zu früh, man merkt den Bildern von „Der Aufstand“ einfach ständig an, dass sie am Computer generiert worden sind. (Nicht falsch verstehen: Die Effekte von „Der Aufstand“ sind natürlich jenen von „Am Rande des Universums“ haushoch überlegen, aber gegenüber der Optik des Films unmittelbar davor ein deutlich sichtbarer Rückschritt.)

Ein nicht so wirklich fotorealistischer CGI-Effekt.

CGI hat gegenüber Aufnahmen von physischen Modellen den Vorteil, dass man leichter dynamischere Szenen erstellen kann. Aber die CGI-Modelle wirken dafür zumindest in diesem Film von 1998 sehr künstlich.

Betreffend Sets ist sicher sehr viel Geld für den Bau des Ba’ku-Dorfes draufgegangen, dafür merkt man schmerzhaft, dass auf der Enterprise-E die Sets von der U.S.S. Voyager wiederverwendet wurden. Das Runabout-Cockpit aus „Deep Space Nine“ wurde zum Cockpit des Enterprise-Shuttles und Datas Scout-Schiff hat das Cockpit eines Voyager-Shuttles. Es gab solche Wiederverwendungen zwar auch in „Der Erste Kontakt“, aber dort war es nur der recht schmucklose Frachtraum und im Gegensatz zu „Der Aufstand“ hat man damals zumindest die Wände der Voyager-Krankenstation neu gestrichen.

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Ein Blick über das riesige Außenset, das extra für den Film gebaut worden ist. Wie das äußere Erscheinungsbild der Bewohner wirkt es allerdings nicht wirklich außerirdisch und es stellt sich die Frage, ob man Geld hätte sparen können und stattdessen an einem vergleichbaren und bereits existierenden Ort zu drehen. Das gesparte Geld hätte man z.B. in den Bau von Innensets stecken können, anstatt sich jene der Serie „Raumschiff Voyager“ auszuleihen.

Was macht Commander Riker da in Captain Janeways Bereitschaftsraum? Kleiner Scherz, in "Der Aufstand fungiert dieses Voyager-Set leicht adaptiert als Counselor-Büro. Der Voyager-Maschinenraum wurde zur Enterprise-Bibliothek, Korridore, Quartiere und Krankenstation wurden ebenfalls von der damals aktuell laufenden Serie geliehen.

Was macht Commander Riker da in Captain Janeways Bereitschaftsraum? Kleiner Scherz natürlich: In „Der Aufstand“ fungiert dieses Voyager-Set leicht adaptiert als Counselor-Büro. Der Voyager-Maschinenraum wurde zur Enterprise-Bibliothek, Korridore, Quartiere und Krankenstation wurden ebenfalls von der damals aktuell laufenden Serie geliehen. Solche Synergien sind in einem gewissen Maße okay (siehe „Der Erste Kontakt“ oder „Am Rande des Universums“), aber in „Der Aufstand“ wird es meiner Meinung nach deutlich übertrieben.

Bewertung: Da kommt viel Schlechtes bei diesem Film zusammen, ein schwaches Skript zu einer mäßigen Story, audiovisuell unbeeindruckend. 2 von 6 Filmrollen sind mehr als genug für diesen harmlosen Film, dem schlicht und einfach das Besondere fehlt.

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Anmerkungen:

„Der Aufstand“ war damals der erste Star Trek-Film, bei dem keine einzige Szene auf der Erde spielt. (Wobei in „Treffen der Generationen“ Szenen, die die Erde zeigen, als Scheinrealität lediglich im Nexus angesiedelt sind.) Danach dauerte es bis „Star Trek Beyond„, bis es wieder einen Star Trek-Film ohne auf der Erde spielende Szenen gab.

Zum zweiten Mal nach „Star Trek III – Auf der Suche nach Mr. Spock“ waren ursprünglich die Romulaner als Gegner der Enterprise-Crew geplant gewesen, wurden aber schließlich wieder durch eine andere Spezies ersetzt – diesmal durch die Son’a.

Als ergänzende Literatur sei der Roman zum Film empfohlen. Dieser enthält nämlich nicht das für den Film verwendete Ende, sondern einen alternativen Schluss, der auch tatsächlich gedreht wurde. Wenig empfehlenswert ist allerdings das „Making of“-Buch des Films, das im Gegensatz zu jenem von „Der Erste Kontakt“ sehr unstrukturiert wirkt. Es enthält natürlich viele Informationen zum Film, ist aber eher wie eine Art Produktionstagebuch gestaltet und macht es als Nachschlagewerk nicht sehr interessant.

In einer Szene am Ende des Films hätte der Ferengi Quark, bekannt aus der Serie „Deep Space Nine“, einen kurzen Auftritt haben sollen, um zusammen mit zwei Dabo-Mädchen den Ba’ku-Planeten als Urlaubsort zu erschließen. Es gibt nur Standbilder dieser Szene, interessanterweise fehlt sie sowohl im Bonusmaterial der DVD als auch der Blu-ray des Films, obwohl viele weitere geschnittene Szenen (u.a. das alternative Ende) sehr wohl enthalten sind. Vielleicht sagt diese Tatsache etwas über die Qualität dieser Szene aus.

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Quark und zwei Dabo-Mädchen auf Ba’ku. (Foto von http://en.memory-alpha.org/wiki/Dabo_girls)

Alle weiteren Bilder in meiner Rezension stammen von http://www.trekcore.com/

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2 Kommentare zu “Review: „Star Trek – Der Aufstand“

  1. „Danach dauerte es bis „Star Trek Beyond„, bis es wieder einen Star Trek-Film ohne auf der Erde spielende Szenen gab.“ – Das sehe ich anders. Man sieht die alten Aufnahmen, wie die Crew der Franklin sich auf die Mission vorbereitet. Diese Szenen sind (mit hoher Wahrscheinlichkeit) auf der Erde.

    • Möglich, aber viele Planeten und Kolonien in der frühen Föderation wären möglich. (Selbst außerhalb wäre gut möglich, siehe den TNG-Pilotfilm, in dem mehrere Crewmitglieder auf Farpoint Station auf Abholung warten, die dort von der USS Hood abgesetzt wurden.)

      On-screen gibt’s in ‚Beyond‘ glaube ich keinen Ortshinweis. Insofern bleibt diese Szene offen für Interpretation. (Anderseits ist was ich geschrieben habe auch nicht wirklich ‚falsch‘ sollte die Erde zu sehen sein. Abgespielt wird die Aufnahme ja trotzdem im Film lediglich auf Bildschirmen an Bord der Franklin, also ’spielt‘ die eigentlich Szene in der eine Aufnahme betrachtet wird dort und nicht auf der Erde. 😉

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